The Killers – Battle Born

Album Battle Born
Label Vertigo
Musikrichtung Stadionrock, Pop
Redaktion
Lesermeinung
4

In den USA ist mal wieder die Hölle los. Es ist Wahlkampf. Viel Geld wird verblasen, noch mehr Bürger sind einem Kandidaten völlig egal und der ohnehin kolossale Patriotismus nimmt noch gigantischere Züge an. Amerika, oh Amerika, du unbeugsames Land der tapferen, leidenschaftlichen und hart arbeitenden Alltagshelden. Dieser Mythos obsiegt gegen jede noch so bittere Realität. Wem das Ganze nun herzlich zuwider ist, der sollte um die Rückkehr der Killers einen ganz großen Bogen machen. „Battle Born“ ist nämlich vom Titel bis zum letzten Akkord uramerikanisch. Nur die größten Gesten, die dann noch von fünf Produzenten zum schwulstigen Stadionsound aufpoliert werden: Das 80er-Poprevival rollt an!
Warum auch immer hatten Flowers und Freunde scheinbar die Schnapsidee, die Musik ihrer Eltern neu aufzulegen. Leider endet das Unterfangen bis auf überschaubare Ausnahmen in den schrecklichsten Abgründen dieser Zeit. Dabei konnte „Runaways“ noch so viel! „I swore on the head of our unborn child“, so klingt ein leicht schnullziger Springsteen im Asyl in Las Vegas und auf die gefühlsschwangeren Melodiebögen mit glitzernden Pomp wären Foreigner unheimlich stolz. Bei dieser Single hätte man es einfach belassen sollen, den Mr. Brightside-Klon „Miss Atomic Bomb“ oder „Flesh and Bone“ als B-Seite drauf und dann zurück ins Studio, einfach nochmal von vorne anfangen.
Stattdessen muss man sich jetzt anhören wie Brandon Flowers auf der gefühlt zwanzigsten Power-Pop-Ballade in Gedanken die Linke gen Himmel reckt und zu „don’t want your picture on my cellphone, i want you here with me“ (Here With Me) sehnsüchtig einer Verblichenen nachschmachtet, während er sich mit aller Macht ein Tränchen verdrückt. Ab und an bieten die Schnulzen nochmal nette Momente (The Way It Was), aber zumeist muss man leider konstatieren: Textlich auf Vorschulniveau und heillos überproduziert; das wäre selbst Bono zu schmalzig.
Und damit der Amerikaethos auch ja nicht zu kurz kommt hat man noch ein paar Weisheiten im Gepäck. „Rise up like the sun and labor till the work is done“ (Be Still) oder wahlweise den Überhit des Albums, „Heart Of A Girl“. Kleine Wüstenstadt, endlose Freiheit wohin man blickt, doch das Mädchen sucht noch ihren Platz in der Welt. Kein Problem, Flowers hat immer ein offenes Ohr und wenn das Keyboard nicht ausreicht, eben einen Gospelchor dabei. Den Killers wird einfach niemand Herr auf diesem unbarmherzigen Feldzug des Schunds.
Damals mag es manch einen zurecht genervt haben, dass auf einmal „Human“ in jeder billigen Großraumdisko gefeiert wurde. Tja, im Nachhinein war das noch halb so schlimm. Jetzt darf man seinen Eltern erklären, warum sich diese Kombo mittlerweile dazu berufen fühlt, C-Ware von Bryan Adams und Co. zu recyceln. Uncool!

Autor Benjamin Fischer
Wohnort Frankfurt
Beruf Redakteur
Dabei seit Juni 2010
Deine Aufgabe bei Stageload Reviews, Interviews, Redigat
Top-Alben The Gaslight Anthem - The '59 Sound / The National - High Violet & Trouble Will Find Me / Bon Iver - Bon Iver
Die besten Konzerterlebnisse The National (Tanzbrunnen)

Kommentare

  2 kommentare

  1. nachgebloggt.de

    Das Erste, was mir an dieser CD aufgefallen ist, ist das Booklet, das ich mir immer zuerst vornehme, weil man ja oft ein Liedchen einfach mitschmettern will. Hier geht das leider nicht, zwar hat jedes Lied eine eigene Seite, die aber kaum gefüllt ist. Auf den Seiten steht jeweils nur das Copyright, die Produzenten etc. Der Großteil der Seite ist dann leer, warum man da kein Lyrics raufgedruckt hat wundert mich doch sehr.

  2. Nico Schulze

    The Killers machen ihrem naem alle Ehre. Die Band ist einfach nur der Hammer, ich liebe nicht nur ihre Songs sondern auch ihre Musikvideos!!! Einfach genial…

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