The Kooks – Junk Of The Heart

Band The Kooks
Label Virgin Music
Musikrichtung Pop, Indie
Redaktion
Lesermeinung
4

„Let’s drive to Brighton on the weekend!“
Ziel von Sehnsüchten ist das südenglische und ungewöhnlich sonnige Seebad nicht nur in Bloc Partys düsterem Zweitling. Schon bei der alten britischen Lordschaft galt es als erste Adresse für einen ausgiebigen Wochenendausflug und auch heute zieht es viele Londoner auf der Suche nach etwas Abstand vom immerwachen Moloch an die Küste des Kanals.
The Kooks haben das Glück eben dieses Brighton ihre Heimat nennen zu können und doch dürften sie mittlerweile gut verstehen, was die Hauptstädter immerzu Richtung East Sussex treibt. Nach „Konk“ und der obligatorischen Tour danach, war da einfach keine Lust mehr auf all den Trubel, das Rampenlicht und das Reisen; sie hatten es schlichtweg satt in einer Band zu sein. Als dann noch 2010 Drummer Paul Garred wegen eines Nervenschadens unfreiwillig seinen Platz räumen musste, geriet man trotz diverser Festivalauftritte in Versuchung die Tage bis zur Auflösung herbeizuzählen.
Stattdessen ist jetzt die gefühlte 180° Wende perfekt. Die Kooks sind wieder da, bzw. waren nie weg und präsentieren mit „Junk Of The Heart“ ihr drittes Album. Es mag zwar Zufall sein, aber die ominöse Tradition, die mit dem jedem dritten Werk angeblich einhergeht, ist nicht zu überhören. Die letzten Jahren haben (verständlicherweise) ihre Spuren hinterlassen, die nicht zu überhören sind, wenn Pritchard in „Rosie“ „See the same old crowd again, wash my hands and shake my feet and yes I miss you all, since I last saw you I fell down the rabbit hole.“ singt. Musikalisch hat sich auch einiges getan, aber keine Angst, dem The Kooks-Britpop ist trotzdem der meiste Platz gegeben worden und mit schon erwähntem „Rosie“ ist sogar einer ihrer bis dato vielleicht besten Songs vertreten! Wohl nicht ihr bester, aber sicherlich ihr ungewöhnlichster, ist „Runaway“ mit seinem Ohrwurmelektrobeat, der tatsächlich so verpackt wurde, dass er eben nur verdammt catchy ist und nicht nach einem Durchlauf zum Weglaufen animiert. Man wagt sich aber auch in ganz klassische Gefilde und überlässt in „Time Above The Earth“ der Geige bereitwillig das Feld.
Die gewonnene Reife steht den Briten wirklich gut, besonders in Kombination mit der scheinbar wiedergefundenen Spielfreude. Dass es ab und an dann doch etwas kitschig zugeht mag man ihnen verzeihen, denn insgesamt ist „Junk Of The Heart“ ein ohne Frage nettes Album geworden, an dem auch Garred wieder mitgewirken konnte.
Die dunklen Wolken haben sich also endgültig verzogen und über Brighton regiert wieder die Sonne!

Autor Benjamin Fischer
Wohnort Frankfurt
Beruf Redakteur
Dabei seit Juni 2010
Deine Aufgabe bei Stageload Reviews, Interviews, Redigat
Top-Alben The Gaslight Anthem - The '59 Sound / The National - High Violet & Trouble Will Find Me / Bon Iver - Bon Iver
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