The Kooks – Listen

Album Listen
Band The Kooks
Label Universal
Musikrichtung Indie, Alternative, Funk
Redaktion
Lesermeinung
6

Was lange währt, wird endlich gut – heißt es zumindest. Und das dachten sich wohl auch die Jungs von The Kooks. Drei Jahre haben sie sich Zeit gelassen und an ihrem vierten Werk getüftelt. Herausgekommen ist „Listen“. Nun muss an dieser Stelle die Euphorie über die langersehnte Scheibe erstmal gebremst werden, denn The Kooks sind nicht mehr The Kooks! Jedenfalls klingen sie nicht mehr so. Die Band folgt einem Trend, der bei anderen Bands auch sehr beliebt geworden ist: Radikales Brechen mit dem eigenen Stil und sich an vollkommen anderen Genres orientieren. Ob das hier gelungen ist, ist die große Frage. Bei Coldplay hat es zuletzt jedenfalls nicht geklappt. Mit „Listen“ verabschiedet man sich also vom guten alten Indie-Rock und macht eine Zeitreise zurück Richtung Funk, Disco, Hip Hop und R’n’B. Kein Wunder, denn bei der Produktion hatte Sänger Luke Pritchard Hilfe von Hip-Hop-Pionier Inflo. Entstanden ist so eine Platte, die die Gemüter spalten wird.

Pritchard hat Recht, wenn er behauptet, dass „Around The Town“ gut zu einem Tarantino Film passen würde. Der Opener klingt nämlich unglaublich dramatisch: Der Frontman wird beinahe übertönt von einem Frauenchor, der sich wie ein roter Faden durch den Song zieht. Durchaus Sucht-Charakter hat er dennoch. Nach dem Drama folgt dann aber die Heiterkeit. „Forgive & Forget“ klingt nach einem klassischen Kooks-Song – zunächst. Ein paar Gitarrenriffs und Pritchards unverkennbare Stimme erinnern an Vorgänger wie „Sofa Song“ oder „Mr. Maker“. Doch dann bricht der Funk aus: Ein instrumentales Chaos, dass sich nicht entwirren lässt, aber trotzdem zum regelrechten Abzappeln verleitet.

Im Gegensatz dazu werden Songs wie „Westside“ oder „Dreams” eher bestimmt von ruhigem Gitarrenzupfen und Keyboardklängen. Man merkt zudem, dass Pritchard seinen Themenhorizont erweitert hat und nicht mehr nur seinen Verflossenen hinterher jammert. „See Me Now“ ist etwa ein Song über seinen verstorbenen Vater, der allerdings eher melancholisch und nicht todtraurig klingt. Auch mit „It Was London“ betritt die Band textlich Neuland. Mit ihrer beinahe politischen Message wollen sie das heutige London wachrütteln. Nicht nur Zeilen wie „Can you believe this is London?“ überzeugen; der Titel ist auch der rockigste der gesamten Platte.

Die erste Single-Auskopplung „Down“ hat dagegen Ohrwurm Charakter. Die Band trotzt dem Ende des Sommers mit einer poppigen, lockeren Melodie. Der Refrain lässt sich einfach mitsingen und garantiert gute Laune. Und „You wanna watch me fall, but I won‘t break“ ist eine selbstbewusste Message, die den Titel somit zum perfekten Radiosong macht – einer von der guten Sorte. Zum Abschluss des Albums zeigt sich dann noch einmal ganz klar der Einfluss von Produzent Inflo. Nicht nur der Titel „Sweet Emotion“ klingt nach einem wahren Soul/R’n’B Klassiker, sondern auch die zarten Streicher und sanften Klaviertöne erinnern an Songs von John Legend oder Ne-Yo.

Mit „Listen“ haben sich The Kooks ganz gewagt aus dem Fenster gelehnt. Ob es wirklich „endlich gut“ ist oder nicht, sei mal dahingestellt. Fakt ist, dass die Band mit Synthiespielereien, einprägenden Basslinien und viel Chorgesang gehörig in anderen Genres gewildert hat. Schade eigentlich, denn von ihrem alten Stil ist nicht viel übrig geblieben. Reinhören lohnt sich aber trotzdem, denn Songs wie „Down“ und „Forgive & Forget“ haben definitiv Hitpotential. Und auch wenn der neue Sound der Kooks noch gewöhnungsbedürftig ist: „Listen“ ist wie seine Vorgänger eine Gute-Laune-Platte und bringt uns ein paar letzte Sonnenstrahlen. Allen eingefleischten Fans des Indie-Rocks bleibt am Ende aber trotzdem nur die Hoffnung, dass The Kooks beim nächsten Album zu ihrem alten Ich zurückfinden.

– Jessica Pfeiffer

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