The Midnight Sons – Ludomania

Album Ludomania
Musikrichtung Hardcore
Redaktion
Lesermeinung
6

Die eierlegende Wollmilchsau der us-amerikanischen Hardcore-Szene ist zurück. Die Brüder Colin und Taylor Young aus der kalifornischen Metropole Los Angeles geben auch 2016 keine Ruhe. Liegt beider Hauptprojekt Twitching Tongues dieses Jahr mehr oder weniger auf Eis und glänzte nur durch sporadische Liveauftritte, so brachte Colin mit seinem Nebenprojekt God’s Hate Anfang des Jahres ein Album raus und auch Taylor legte mit Nails die Messlatte für hasserfüllten und metalgeschwängerten Hardcore äußerst hoch. Nun bringen die Young-Brüder zum Jahresabschluss wieder ein gemeinsames Baby auf die Welt: The Midnight Sons. Dazu haben sich beide Josiah Hoeflinger, seines Zeichens Sänger von Criminal Instinct, ins Boot geholt. Ein wahres Allstar-Projekt also.

„Ludomania“ heisst die Debüt-EP der Band, 13 Minuten Hardcore-Punk, der nicht selten an frühe Vertreter der New Yorker-Schule (hier vor allem Agnostic Front) oder auch an Detroiter Bands wie Freedom sowie die legendären Negative Approach erinnert. Über allem schwebt Hoeflingers Stimme, die das Ganze nicht selten nach Criminal Instinct klingen lässt. Ganz anders also, als die sonstigen Projekte der Young-Brüder, die doch eher dem extremeren Metal zuzwinkern.
Aber mehr oder weniger klassischen Hardcore-Punk, das können sie auch! So überzeugt „Ludomania“ zwar nicht durch neue Ideen oder einen frischen Sound, sondern durch klassische Elemente des Genres, die hier gekonnt in Szene gesetzt werden. Schnelles Riffing und Breakdowns paaren sich mit düsteren Lyrics. Die EP dreht sich, wie der Titel es schon vermuten lässt, um Spielsucht. Um Glücksspiel an sich geht es hier aber natürlich weniger, viel mehr um das Spiel des Lebens, an dessen Ende jeder nur verlieren kann: „A fist full of nothing, a shadow of a man“.

„Ludomania“ ist das erste und vielleicht auch einzige Lebenszeichen, das wir von The Midnight Sons hören werden. Der Erfahrung nach sind solche Projekte ja nicht von langer Beständigkeit. Umso mehr sollten sich aber Fans der guten alten Hardcore-Schule diese EP einmal zu Gemüte führen. Bekanntlich wird ja alles, was Colin und Taylor Young anfassen, auf irgendeine Art und Weise zu Gold. Und auch wenn hier nichts Neues aufgetischt wird, kann man 13 Minuten deutlich schlechter verbringen.

Autor Patrick Siegmann
Wohnort Göttingen
Beruf Doktorand
Dabei seit September 2009
Deine Aufgabe bei Stageload Koordination Reviews, News
Top-Alben Viel zu viele. "Songs To Scream At The Sun" von Have Heart ist aber definitiv eines von den Alben, die mich am meisten geprägt haben.
Die besten Konzerterlebnisse Auf jeden Fall vorne mit dabei: Have Heart, Shipwreck AD, Rise And Fall und AYS in der Roten Flora in Hamburg, Juli 2009

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