The Moth – They Fall

Album They Fall
Band The Moth
Musikrichtung Metal, Rock
Redaktion
Lesermeinung
6

Eine Minute Spielzeit genügt, um sich völlig in die Siebziger zurückversetzt zu fühlen. Treibende psychedelische Riffs, mittleres Tempo und Vocals, die wie eine lautere (und modernere) Variante von Sleep klingen, nicht schlecht. Die drei Hanseaten von The Moth legen mit ihrem Debüt „They Fall“ ein ganz schön schweres Brett vor, das die Szene sicher etwas erfrischen wird.

The Moth gründeten sich Ende 2012, sind derzeit beim Münsteraner Label This Charming Man gelistet und bestehen aktuell aus Gitarrist/Sänger Freden, Schlagzeuger Philipp, sowie Bassistin und ebenfalls Sängerin Cécile. Unglaublich, dass gerade einmal drei Musiker solche Klangwände erzeugen. Im Opener „Won’t Return“ fällt sofort der zweistimmige Gesang auf, den eine angenehm verstörende Monotonie durchzieht. Die beiden Vocalisten ergeben zusammen einen ganz einmaligen Oldschool-Klang, der Wiedererkennung garantiert. Im nachfolgenden „Open Forest“ sind es neben der fesselnden Refrain-Hookline die stark verzerrten Riffs, die von überall hereinzustürzen scheinen, um sich dann wieder bestens in diesen Ohrwurm einzugliedern. Mit dem anschließenden „Wasted Time“ zeigt das Trio dann, dass es trotz aller Doom- und Sludge-Spielereien auch schnell kann. Stakkato-Riffs und Freden’s Growls zaubern einen düsteren Geschwindigkeits-Rausch in welchem sich seine und Céciles Vocals einerseits duellieren, andererseits wieder hervorragend harmonisieren. Einen ersten Break gibt es dann bei Titel Nummer 4 („The Moth“), der eine etwas experimentellere Seite zeigt.

Auf der B-Seite kommt bei „Rawhawk“ zunächst Fredens Gesang stärker zum Tragen, was sich mit den brachialen Riffs zu einer bösen Komposition ergänzt, die gegen Ende von Céciles „Get me out!“ stark dramatisiert wird. „This Is The Lie“ entspricht wieder dem auf „They Fall“ vorherrschenden mittleren Tempobereich, hier haben The Moth allerdings einige besondere Details eingebaut, wie etwa ein ergreifendes Solo und der daran anschließende kurze Instrumentalpart, der einmal mehr die volle Wucht des Sounds der Band präsentiert. Deutlich doomiger startet danach der Titeltrack der LP, zäh und dunkel schiebt er sich voran, um sich nach dreieinhalb Minuten und einer durch Schlagzeug- und Gitarrenarbeit bis zum Äußersten aufgebauten Spannung in einen völlig anderen Song zu verwandeln: Mit komplexerer Rhythmik und instrumental kommt hier vor allem Schlagzeuger Philipp auf seine Kosten. Abschließend preschen The Moth in „The New Speed“ mit für ihre Verhältnisse hoher Geschwindigkeit ein letztes Mal los, Freden gibt alles, sowohl gesanglich als auch an der Gitarre, letzteres hört sich nach einigen Handgelenks-Schmerzen an. Und es klingt gut.

The Moth gelingt auf ihrem Debüt der Spagat zwischen Sludge/Doom, Stoner und Psychedelic Rock derart gut, dass Baroness und High On Fire wohl stolz wären, diese Band beeinflusst zu haben. Ihr Sound geht gekonnt den Mittelweg zwischen Modernität und Vintage, wirkt dabei nicht zuletzt wegen der Vokalisten erfrischend anders. Alle Achtung.

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