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Reviews
The Saddest Landscape – After The Lights
21.01.2012 | Autor: Sascha Schüler | 7 Kommentare | 326 Klicks
The Saddest Landscape – After The Lights

[Subjektiv]Seine Jugend hinter sich zu lassen, ist eine verdammt schwierige Angelegenheit. Irgendwann geht man arbeiten, studieren oder sonst was, zieht weitestgehend daheim aus und taucht in eine völlig neue Welt ein. Aufregend, ja – aber auch gefolgt von einer nicht greifbaren Depression. Die Freunde aus alten Tagen haben sich teils in den letzten Jahren schon verabschiedet, aber auch der harte Kern rückt nun immer mehr in den Hintergrund – zu selten sind alle daheim, man lernt zwangsläufig neue Menschen kennen und baut sich eine neue Identität auf. Der Lauf des Lebens, ja, aber wahrscheinlich die größte Herausforderung, der man sich als junger Mensch oder vielleicht sogar überhaupt zu stellen hat – wer vermag das schon zu sagen – und eine Herausforderung, der sich bereits unzählige Bands in ihrer Musik widmeten und widmen werden.

The Saddest Landscape aus Boston sind wohl neben dieser unsäglichen „The Wave“-Bewegung eine der wenigen Bands der letzten Jahre, die einfach fast jeden Nenner getroffen hat. Nachdem die Screamo-Institution zwischen 2005 und 2009 eine Schaffenspause eingelegt hatte, meldete man sich mit der alles überragenden „You Will Not Survive“ zurück, einer Scheibe, die Menschen unterschiedlichster Musikrichtungen im Geiste vereinte. Die vereinzelten Kritiker schossen sich darauf ein, dass die Band zu emotional, zu weinerlich wäre – aber genau das macht The Saddest Landscape einfach aus: Dichte Atmosphäre, große, ehrliche Emotionen jenseits jeglichem Machogehabes oder pathetischen Alles-Wird-Gut-Parolen. Die berstende Stimme von Sänger Andy Maddox sorgte allenthalben für Gänsehautausbrüche und selten wurden Sehnsucht, versagte Liebe und traurig-schöne Erinnerungen so intensiv und trotzdem für Screamoverhältnisse unvergleichbar eingängig vertont. Anno 2012 kommt also der Nachfolger „After The Lights“ und setzt dem ganzen hier nochmal die Krone auf. Mitreißende Musik, mit kleinen, wunderschönen Gitarrenspielereien, sphärischen, vor sich hintreibenden Parts, die diese an Intensität kaum zu überbietenden, teils beinahe grenzwertig hysterischen Schreie tragen, die Herzen zu Stein werden und Kälte einziehen lassen. Man gesteht sich Fehler ein, versucht irgendwie mit der Vergangenheit aufzuräumen, ist ein Schatten seiner selbst in den alten Gefilden und scheitert letztlich immer an demselben Punkt – an sich selbst. Andy Maddox‘ Verzweiflung und Despression scheinen zu jedem Moment spürbar. Nichts Neues an der Front also? Weit gefehlt. Denn zwischen all den traurigen Erinnerungen und all dem Schmerz merkt man auf „After The Lights“, dass The Saddest Landscape eben auch im hier und jetzt leben, nicht in Selbstmitleid versinken wollen. Rar gesät sind diese Hoffnungsschimmer, doch von umso schönerem Glanz: Glaubt an euch selbst, die Zukunft ist unsere. Nicht alles ist verloren und die Vergangenheit neben all ihrer bittersüßen Romantik eben auch einfach nur die Vergangenheit. Klingt nach tausendmal dagewesenen Hardcore-Lines, erlebt in diesem Gesamtgebilde aber eine Renaissance der Durchschlagskraft.

Wer bei diesem Album keine Tränen in den Augen hat – ob der überwältigenden Emotionen oder der musikalischen Genialität – der ist entweder ein emotionaler Krüppel oder erkennt große Kunst nicht, wenn sie mit runtergezogener Hose vor ihm steht und wie im gleichnamigen Song immer wieder schreit: „THIS HEALS NOTHING, THIS HEALS NOTHING, THIS HEALS NOTHING…“ – doch vielleicht ist Heilung ja doch in Sicht, es liegt an uns und was wir aus der Zeit machen wollen, die uns gegeben ist. Nachtrauern oder nach vorne schauen, wir haben die Wahl. [/Subjektiv]

Objektiv: Grandiose Platte, die dem einen oder anderen in ihrem Gesamtpaket wieder zu viel sein dürfte. Doch würden die großen Schriftsteller der Romantik heute noch Leben, dann, ja dann bestände sicherlich eine gute Chance, dass „After The Lights“ in ihren Plattenspielern kreiseln würde. Ich für meinen Teil jedenfalls bin hin und weg.

The Saddest Landscape
The Saddest Landscape ist eine 2002 in Boston gegründete US-amerikanische Screamo-Band. Nach einem Bruch im Jahre 2005 war es ruhig um die Screamo Veteranen geworden. Einige Jahre später, um genau zu sein 2009, wurde sich wieder zusammengefunden und die Aufnahmen an einem neuen Album konnten beginnen. Diskographie: Cover Your Heart 7" (2002) The Sound Of The Spectacle LP (2003) Split w/ Funeral Diner 7" (2003) Split w/ The Pine 7" (2004)

7 Kommentare »
Peter schrieb am 26. Januar 2012 um 08:17

Review ist gut! Mir PERSÖNLICH gefällt das Review auf Allschools aber besser. Ansichtssache!!

Patrick Siegmann schrieb am 25. Januar 2012 um 23:57

Na Gott sei dank!

szy schrieb am 25. Januar 2012 um 17:17

Meine Recherche hat ergeben: The Wave = selbsternannte Gruppe von DFTR & LD & MDAM & PBTT & TA / und ist misinterpretierter Insider-Witz
Hat jetzt also mit Landscape und Anderen offiziell nichts am Hut. ^^

Sascha Schüler schrieb am 24. Januar 2012 um 21:11

Steht ja auch nirgendwo dass TSL “dazugehören” sollen. ;)
Und ich finds ebenso nervig – gibt aber Schlimmeres haha

Patrick Siegmann schrieb am 24. Januar 2012 um 20:47

Für mich ist “The Wave” einfach ein völlig bekloppter Begrif, in dem einfach irgendwelche Bands, die aus verschieden Genres kommen, untergeordnet werden: Seahaven, Defeater, La Dispute, Make Do And Mend.. Völliger Unfung. Wird bestimmt noch zu einem Genre eh.

szy schrieb am 24. Januar 2012 um 20:35

nur 7,4 von 8? ^^
dass die mittlerweile auch schon ‘the wave’ (welcher lappen sich den begriff wieder ausgedacht hat frag ich mich auch schon die ganze zeit) sind war mir noch nicht bekannt.. aber selbst wenn, ist die enorm wachsende popularität sogar mal gerechtfertigt

Michael A. schrieb am 21. Januar 2012 um 19:16

eine der besten screamo bands überhaupt! tränen in den Augen habe ich trotzdem nicht, auch wenn das album ohne frage mitreißend ist und man es in einem review schwer beschreiben kann. trotzdem gut gemacht!

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Bewertung
Lesermeinung:
UnerträglichGrauenhaftFast UnhörbarDurchschnittGutGroßartigPerfektMeisterwerk
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Redaktion: ★★★★★★★★ 
Bandinfo
Band:
The Saddest Landscape
Album:
After The Lights
Musikrichtung:
Screamo / Post-Hardcore
Label:
Topshelf Records
Website:
http://thesaddestlandscape.tumblr.com/
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