The Story So Far – Proper Dose

Album Proper Dose
Musikrichtung Pop-Punk, Alternative-Rock
Redaktion
Lesermeinung
4.5

The Story So Far begeisterten bisher einerseits mit exzellent geschriebenem Pop-Punk, der von solcher Lebhaftigkeit und Leichtigkeit geprägt war, dass er schneller ins Ohr ging, als so mancher Pop-Song. Andererseits waren die Texte der Kalifornier von einer gewissen Einfältigkeit geprägt, denn selbst Parker Cannons Liebes- und Beziehungsdramen werden irgendwann langweilig, wenn sie dem Hörer immer und immer wieder aufgetischt werden. Damit soll nun aber Schluss sein, denn in einem Kerrang-Interview mahnte Cannon so einige Veränderungen an – musikalisch wie persönlich.

Ausgangspunkt sei ein Zeitraum zwischen 2016 und 2017 gewesen, in dem er in ein Loch gefallen sei, sich zurückgezogen und Drogen konsumiert habe. Dabei haben er und die übrigen Bandmitglieder nicht zuletzt auch ihr künstlerisches Schaffen in Frage gestellt. Cannon sei genervt vom Pop-Punk gewesen, ein Genre, dass er zwar selbst praktizierte, aber überhaupt nicht hörte. Er wolle nicht weiter über Frauen schreiben, sondern über seine Suche nach der „Proper Dose“ von Dingen wie dem Leben, Musik und Drogen.

Und tatsächlich: The Story So Far präsentieren sich runderneuert und setzen sowohl musikalisch, als auch textlich neue Akzente. Dabei beginnt „Proper Dose“ noch recht unverdächtig. Der Titeltrack, „Keep This Up“ und „Out Of Fit“ befinden sich noch auf der Pop-Punk-Schiene, versprühen aber bereits den lässigen Charme, der „Proper Dose“ ausmacht. Gerade „Keep This Up“ allerdings darf wohl noch als Geschenk an die Fans verstanden werden, die beim neuen Album leicht melancholisch werden. Mit dem Song hauen The Story So Far nämlich nochmal in altbekannter Manier einen potentiellen Pop-Punk-Sommerhit raus. Textlich dreht sich der Song bereits um Cannons Drogenkonsum: „My pessimistic views stem from all the drugs I use / Hide all my guilt inside this bruise / It’s my ruse”.

Gestaltet sich der musikalische Übergang vom Selftitled-Album zu „Proper Dose“ also flüssig, hält spätestens mit „Let It Go“ die bereits angesprochene Lässigkeit Einzug. Denn The Story So Far klingen bei vielen Stücken nicht mehr so energisch und zielgerichtet wie bisher, sondern lassen sich treiben, wie auf einer Luftmatratze im ruhigen Meerwasser. Besonders „Growing On You“, das wie ein behaglicher Gute-Nacht-Song klingt, und das minimalistische „Line“ ziehen fast hypnotisch in den Bann, vielleicht ja als Sinnbild für Cannons Drogenrausche.

The Story So Far meinen es eben ernst damit, neue Wege einzuschlagen. Schließlich darf Musik zu keiner lästigen Pflicht verkommen, wie das ähnlich entspannte „Upside Down“ bemerkt: „I know right now is hard cause this all feels like a chore / I don’t want this as a job help me find something more“. Veränderungen soll es gleichwohl nicht nur musikalisch, sondern auch persönlich geben: „My choices let down some of my closest people / But I’m gaining back ground / I’m forcing myself to get better by fall” (“If I Fall”). Und so kommt es, dass „Proper Dose“ nicht bloß in der Vergangenheit schwelgt, sondern schließlich auch Aufbruchstimmung verbreitet: „I’m stepping outside now / I’ll leave you behind now / I finally came down / I’m ready to let it all out“ („Ligh Year”).

Da The Story So Far die Erkenntnis aus „Upside Down“ bei ihrem vierten Album zweifelsohne beherzigen, klingt „Proper Dose“ ungezwungen und befreit. Recycelte das Selftitled-Album 2015 noch gewissermaßen die beiden Vorgängerplatten, lassen The Story So Far ihr Pop-Punk Korsett nun fallen und machen damit alles richtig. Schließlich gibt sich die Band auch textlich reifer und reflektierter. „Proper Dose“ ist definitiv kein Album für die große Bühne, Stagedives und Pogo, besticht dafür aber mit wunderbarer Atmosphäre.

Autor Joshua Claaßen
Wohnort Goch
Beruf Schüler
Dabei seit Oktober 2015
Deine Aufgabe bei Stageload Reviews
Top-Alben Ständig im Wandel, zu meinen Favoriten gehören aber auf jeden Fall: Stick To Your Guns - Diamond, Being As An Ocean - How We Both Wondrously Perish / Dear G-d, The Ghost Inside - Get What You Give, The Amity Affliction - Let The Ocean Take Me
Die besten Konzerterlebnisse Kann ich mich nicht festlegen, Stick To Your Guns und Being As An Ocean sind live aber immer ein absolutes Highlight!

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