The Story So Far – Songs Of

Album Songs Of
Musikrichtung Acoustic
Redaktion
Lesermeinung
3

Akustische Cover-Versionen von Punkrock- und Poppunk-Songs gibt’s wie Sand am Meer, da muss man sich zum Beweis nur mal fünf Minuten bei Youtube durchklicken oder die „Punk goes Acoustic“-Compilations Teil Eins bis Zehntausend reinziehen. Macht ja auch alles einigermaßen Sinn: Songs aus der Ecke sind nunmal meistens melodisch bis poppig, nicht zu kompliziert zu spielen, und jeder kann mitsingen. Trotzdem oder gerade deswegen klingt’s im Zweifelsfall auch ohne viel Talent seitens der Band (oder Fans) ganz ok.

Auch die kalifornischen Publikumslieblinge The Story So Far haben sich jetzt mal ein paar unverstärkte Gitarren geschnappt und auf ihrer jetzt erschienenen EP „Songs Of“ fünf Songs in molliger Manier eingespielt. Laut Gitarrist Will kam das Projekt zustande, um mal was Anderes zu machen und ohne großen Druck eine gute Zeit im Studio zu haben. Klar, sei dem Quintett nach zwei zackigen Full-Length Veröffentlichungen gegönnt. Aber ist der lockere Spaß auch eine eigene EP wert?

Drei der fünf Songs sind Coverversionen vom aktuellen Album der Band „What You Don’t See“: Ein- beziehungsweise nachgespielt wurden „The Glass“, „Bad Luck“, und „All Wrong“, wobei letzterer auf der EP zu einem halbminütigen Zwischenspiel geschrumpft ist. Die Umsetzung der Covers ist recht geradlinig – die einzelnen Passagen wurden mehr oder weniger einfach auf der Akustik nachgespielt und statt vollem Schlagzeug-Set gibt’s eben ein bisschen Percussion im Hintergrund. Das funktioniert aber. Der Sound der Kalifornier ist sonst hektisch und drückend, der Gesang energisch und etwas kreischig. Die Akustikversionen hingegen sind angenehm zurückgelehnt und entspannt, Parker Cannons Gesang passenderweise eher zurückhaltend und auch nuancierter. Gerade „The Glass“ macht als Akustik-Track einiges her.

Diese Stärken kommen „Navy Blue“ zugute, einem komplett neuen Song. Das Lied ist das Glanzstück der EP – eine simpel gehaltene, aber berührende Ballade, die Parker Cannon ohne das sonst eher krachende Klangbild seiner Band gut alleine tragen kann. Etwas überfüssig ist dagegen „Waiting In Vain“. Das fällt – trotz der Tatsache, dass es ein Bob Marley-Cover ist – nicht wirklich aus der Reihe. Zum einen hat die Band bewusst oder unbewusst jede Reggae-Anleihe aussen vor gelassen, zum anderen stattdessen sogar noch ein etwas schmieriges Kuschelrock-Solo reingepackt hat. Gerade wegen letzterem ist der Song auch nicht so wirklich geglückt, da haben die Kalifornier mit ihren eigenen Kompositionen ein besseres Händchen bewiesen.

So gesehen ist „Songs Of“ vielleicht wirklich nur für Fans der Band interessant, obowhl die Songs abseits der restlichen Diskografie durchaus für sich stehen können. Aber mit noch nicht mal 15 Spielzeit und nur drei wirklich gelungenen Akustikversionen hätte das Ganze vielleicht doch eher als B-Seite getaugt. So aber sind die 14 Euro, die man dafür theoretisch auf Amazon zahlen würde, eine ziemliche Abzocke. Aber naja, äh, gibt ja auch Youtube – wohl der beste Ort für alle guten wie schlechten Poppunk-Akustikversionen.

Autor Enno Küker
Wohnort Tübingen
Beruf Student
Dabei seit Mitte 2011
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Top-Alben ...kommen und gehen. Immer gut: Bahamas - Pink Strat // Brand New - The Devil and God are Raging Inside Me // Bruce Springsteen - The River // The Chariot - One Wing // Cigarettes After Sex - s/t // Emery - I'm Only A Man // Every Time I Die - New Junk Aesthetic // Godspeed You! Black Emperor - Allelujah! Don't Bend, Ascend // La Dispute - Wildlife // Taking Back Sunday - Tell All Your Friends
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