The Tidal Sleep – Be Water

Album Be Water
Musikrichtung Post-Hardcore
Redaktion
Lesermeinung
6

Fortschritt um des Fortschritts Willen: Wenn eine Band sechs Jahre Bestand hat und in dieser Zeit ihr ebenso vieltes Release feiert, dann dreht das Rad der Zeit auch gerne gewaltig am Sound – soll ja immerhin nicht langweilig werden, das Ganze.

Das deutsche Post-Hardcore Aushängeschild The Tidal Sleep konnte sich über die Jahre einen außerordentlich guten Ruf erarbeiten: Massig Live-Präsenz, durch die Bank starke Veröffentlichungen und ein eigener wie moderner Sound zeichnen sich verantwortlich für den Status als Everybody’s Darling in der hauseigenen Musiksparte. Mit der zweiten richtigen LP „Be Water“ konnte der Fünfer also wenig falsch machen. Stimmt’s?

Man muss schon in den Details suchen, um zu merken, dass sich über die Jahre eine gewisse Routine eingeschlichen zu haben scheint, die man auf „Be Water“ versucht aufzubrechen. Ein normaler Vorgang bei einer mittlerweile fast 40 Songs umfassenden Diskographie, ja sogar wünschenswert.

Oftmals gelingt das auch: Ruhigere Passagen erinnern an die äußerst gelungene Four Song EP, abgemischt ist der Sound wirklich herausragend und auf „Sogas“ gibt’s sogar spanische Unterstützung der befreundeten Viva Belgrado – doch auch wenn das Gastspiel rundum gelungen ist, zeigt der Song gut das kleine, aber nicht unwesentliche Problem von „Be Water“: Die folgende Gesangspassage ist ähnlich überambitioniert wie die in „Undertows“ und das Schlussstück „Footsteps“, das bei aller berechtigten Liebe lange Zeit schmerzhaft an die Art Songs erinnert, die beispielsweise Linkin Park mittlerweile durch die Radiostationen trällern. Auch sonst sind The Tidal Sleep dann am besten, wenn sie sich auf ihr Handwerk beschränken, während die Gitarrenarbeit sogar noch ein Stück diverser und trotzdem zugänglicher geworden ist.

The Tidal Sleep bleiben eine gute, sogar eine der besten Bands in ihrem Teilbereich. Doch der Zahn der Zeit nagt deutlich und noch ist das perfekte Gegenmittel nicht gefunden. Die unbändige Energie der ersten Platte ging über die letzten Releases schon etwas verloren. Zum ersten Mal wirkt der Sound jedoch an vielen Stellen zu offensichtlich kalkuliert und die Spielereien wollen nicht so wirklich zünden. Das neue Terrain steht The Tidal Sleep – noch – nicht so gut, wie man das vielleicht erwartet hätte. Die Ambition sich weiterzuentwickeln statt stillzustehen aber ist hervorhebenswert. Die Zukunft wird zeigen wie die Reise weitergeht. Bis dahin ist „Be Water“ eine durchschnittliche Platte einer herausragend guten Band – nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Autor Sascha Schüler
Wohnort Wechselt
Beruf Nein
Dabei seit Juni 2010
Deine Aufgabe bei Stageload Reviews
Top-Alben Comadre - Comadre, DIIV - Oshin, Title Fight - Hyperview, Julien Baker - Sprained Ankle, Deafheaven - Sunbather
Die besten Konzerterlebnisse Iron Chic, Comadre, Julien Baker

Hinterlasse einen Kommentar