The Tidal Sleep / Orbit The Earth – Split

Album Split
Musikrichtung Post-Hardcore
Redaktion
Lesermeinung
7

Vorsicht, Referenzgefahr! Die deutschen Post-Hardcore Könige The Tidal Sleep und das Szene-Allstar-Format Orbit The Earth geben sich auf dieser Split die sündhaft teure Klinke in die Hand.

Orbit The Earth haben mit ihrem Debüt-Album „Aphelion“ schon 2013 die Herzen all derer in Verzückung höher schlagen lassen, die ihren (Post-)Hardcore gerne progressiv serviert bekommen. Daran hat sich auch nicht viel geändert: Hier hört man nicht nur einmal Bands wie Norma Jean durch den Klangteppich rotzen. Rockig, teils gar ein wenig abgedreht, aber unglaublich zielsicher. So führen einen die Nordrhein-Westfalen mit „Firmament“, „Into Aerospace“ und „Scavengers To The World“ wieder in luftige Höhen, ohne jemals über das Ziel hinauszuschießen. Dem Ganzen setzt man mit dem äußerst stimmungsvollen Cover von Tidal Sleeps „Ghost Poetry“ abschließend die Weltraumkrone auf: Eine ganze Minute länger als im Original zeigen Orbit The Earth in dem Song ihr ausgefeiltes musikalisches Knowhow. Ergebnis: Ein äußerst eigenständiger und aufreibender Sound – erfrischend anders.

The Tidal Sleep wiederum sollten spätestens seit der aktuellen Platte „Vorstellungskraft“ jedem in Europa ein Begriff sein, der sich irgendwie für modernen Post-Hardcore begeistern kann. Irgendwo im Fahrwasser solch illustrer Kollegen wie Touché Amoré oder Pianos Become The Teeth entstanden, hat die Band schnell gezeigt, dass man mehr ist als ein bloßer Abklatsch erfolgreicher Ami-Bands. Und auch The Tidal Sleep zeigen sich hier von ihrer Schokoladenseite: Gänsehaut-Core aller erster Güte, der wie schon auf den Vorgängern den Hang zur großen Geste nahezu perfektioniert. Atmende Delay-Gitarren verlieren sich immer wieder in bitter-schönen Riffs. Oft werden die Songs punktgenau aufgebrochen, um ruhigere Passagen einzustreuen. „The Valley Dweller“, „The Calumet“ und „The Descent“ reihen sich nahtlos in The Tidal Sleeps großartige Discography ein. Abgeschlossen wird der Reigen auch hier mit dem Cover eines Songs der Split-Buddies. Dafür wird das Schmuckstück „Fading Transmission“ in ein neues Soundgewand gesteckt – und auch dieses weiß durchweg zu überzeugen.

Diese Split läuft analog eines Wikipedia-Eintrags zum Thema „Post-Hardcore“: Auf der einen Seite The Tidal Sleep mit ihrem unglaublichen Gespür für intensivste Melodik, auf der anderen Seite Orbit The Earth mit unverwechselbar progressivem Sound inklusive rotzig-staubigem Drive. Das soll nicht nur in Deutschland oder Europa, sondern generell erst einmal irgendwer besser machen. Und obendrein hat jede Band noch ein eigenes stimmungsvolles Cover parat – Sammlerherz, was willst du mehr!?

Autor Sascha Schüler
Wohnort Wechselt
Beruf Nein
Dabei seit Juni 2010
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