The Tidal Sleep – The Tidal Sleep

Musikrichtung Post-Hardcore
Redaktion
Lesermeinung
6

Es rumort im Süden der Republik. Da ebbte „The Wave“ gerade ein wenig ab und schon kommen The Tidal Sleep und bringen die Gezeiten noch einmal zum tosen und vereinnahmen das ganze Land. Kaum waren aber die ersten Songs des Debütalbums in aller Munde, wurde auch schon wieder die Überschätzung des Quartetts skandiert und in großen Lettern war „Don’t believe the hype!“ an den Wänden zu lesen.

Zu den Einflüssen des Vierers aus Karlsruhe und Mannheim zählen sie unter anderem At The Drive-In, JR Ewing und Envy. Drei Bands, drei Volltreffer. Drei Bands die beinahe unantastbar sind und an denen man sich nicht gerne messen lässt. Zu groß die Angst vor der Niederlage. Es will nicht so recht gelingen The Tidal Sleep einer dieser drei Ausnahmebands zuzuordnen. Die Einflüsse sind zwar zu hören, aber The Tidal Sleep kopieren nicht. Von den leisen Tönen zu den gewaltigen Momenten der Platte schaffen es die Jungs den Liedern ihren eigenen Stempel aufzudrücken. Die Symbiose aus den harten Elementen und den shpärischen Momenten scheint auf dieser Scheibe zu einer ungewohnt vereinnehmenden Qualität zu kommen. Die Harmonie zwischen der Melancholie und der Euphorie gepaart mit dem tiefen Gefühl, das in jedem Song schlummert, attestieren dieser Band die uneingeschränkte Hingabe zu ihrer Musik. Ein Überfluss an Herzlbut, der hier in einer knappen halben Stunde auf Vinyl gebannt wurde. Von den hallenden und effektgeprägten Gitarren, über die herrausragende Rhythmussektion, bis hin zu den Vocals können The Tidal Sleep überzeugen.

Die Erfahrung aus ihren anderen Bands bringen die Vier zu einem wunderbaren Einklang. Es scheint als hätten Sie die Essenz ihres Schaffens für diese Band aufgespart. Das hört man und das fühlt man. Texte die ins Ohr und ins Herz gehen, Intermezzi welche PBTT nicht schöner intonieren hätten können, und das Riff des Jahres in „Inkbreath“ schlagen alle Hypevorwürfe in die Flucht. Es macht einfach Spaß sich von den unbeschwerten Gitarrenrhythmen in „Untitled“ tragen zu lassen, oder sich eben der unbändigen Energie von dem besagten Riff hinzugeben. Die Wucht mit welcher einen dieser Lauf erfasst ist beinahe schon beängstigend. Aber diese Unvorhersehbarkeit aller Songstrukturen ist ein weiterer Grund, warum „The Tidal Sleep“ einfach nur begeistert und auch nach mehreren Durchläufen noch funktioniert. Was beim einmaligen Hören nicht zu erfassen ist, gibt die Platte mit der Zeit Preis und so warten immer neue Eindrücke auf den Hörer.

Wer den Zuspruch, den die Band derzeit erfährt, trotzdem als ungerechtfertigt sieht, möge bei seiner Meinung bleiben. Für alle anderen halten The Tidal Sleep eine Perle des Post-Hardcore bereit. Hype hin oder her. Der herrlich knarrende Bass in „Untitled“, die ergreifende letzte Minute von „Derelict“ inklusive dem grandiosen Ende oder das fulminante Schlagzeug in „Thornes“ sind nur wenige Impressionen einer Platte, die so viel mehr zu bieten hat und machen sie zu dem was sie ist. Großartig.

Autor Andreas Steiner
Wohnort Stuttgart
Beruf Redakteur
Dabei seit März 2011
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