The World Is A Beautiful Place & I Am No Longer Afraid To Die – Always Foreign

Label Epitaph
Musikrichtung Indie, Emo
Redaktion
Lesermeinung
6

David Bello, Joshua Cyr, Tyler Bussey, Dylan Balliett, Christmas Teti, Kate Dvorak, Steven Buttery, Gary Buttery, Eric Stilwell, Matthew Hull, Armand Aromin, Sarah Cowell, Chad Matheny, Bernard Parsons, Aaron Weiss. Was sich ließt wie der Kader irgendeiner Sportmannschaft, ist die reine Auflistung der Namen, die nur auf musikalischer Ebene an The World Is A Beautiful Place & I Am No Longer Afraid To Dies neuem Album beteiligt waren, Produktion und Layout nicht mal inbegriffen. Zum einen vermag diese Aufzählung ohne Umschweife zu verdeutlichen, dass TWIABP auch auf ihrem dritten Album wieder allerlei zusätzliche Instrumente wie Tuba, Posaune, Trompete und Violine verbastelt haben und das Konstrukt mehrstimmiger Gesang mehr als ausreizen. Zum anderen zeigt die schiere Masse an Beteiligten aber auch, welch Kraftakt es gewesen sein muss, bis „Always Foreign“ im Kasten war – organisatorisch wie auf künstlerischer Ebene.

„Always Foreign“ ist nicht nur namentlich TWIABPs Antwort auf ein Amerika nach der Wahl eines bigotten, rassistischen und über alle Maßen populistischen Präsidenten, wie Sänger David Bello den Prozess der Entstehung selbst beschreibt. Das Album wurde in der Zeit kurz nach dem politischen GAU Donald Trump geschrieben und so hat sich eine im Schaffen der Band bislang unbekannte Wut und politische Kante eingeschlichen. Natürlich altbekannt verpackt in kleinere Geschichten, in mollig warme Gitarrenströme und verzaubernde Gesangspassagen. Trotzdem ist es bei weitem nicht mehr nur die Auseinandersetzung mit dem eigenen Inneren, dem sich TWIABP auf „Always Foreign“ verschrieben haben – auch wenn die Grenzen natürlich das Potential bürgen, ineinander zu verfließen und es hier und da einer gewissen Transferarbeit bedarf.

„Execute the queen. Bury her body at sea where she can’t hurt our friends again, a just and fitting end.“ heißt es da plakativ in „The Future“. Deutlicher wird das Ganze dann schon in „Faker“, dessen Name schon aufhorchen lässt: „Will you be faking it when businesses fail, and your money is revealed for what it is?“ Auch „Marine Tigers“ schlägt in eine ähnliche Kerbe: „Please remember as a person, it’s the land that’s always foreign. Can you still call it a country, if all the states are broken? Can you still call it a business, if all you do is steal?“

Um das ganze nicht überzustilisieren: „Always Foreign“ ist mitnichten ein Album über Donald Trump. Aber es ist ein Album über die Ängste, die mit der politischen Entwicklung einhergehen, wenn man sich vom kapitalistischen Apparatus nicht einverleiben lassen will, für alternative Lebensweisen und eine Pluralisierung der Gesellschaft steht. In der Tradition von TWIABP ist das ganze oft neurotisch zittrig verpackt, immer wieder erscheinen positiv konnotierte Passagen in einem erwärmenden Licht. Trotzdem: „Always Foreign“ ist vielleicht das verzweifelste Album des Künstlerkollektivs aus Conneticut. Diesbezüglich verwundert es nicht, dass die Songs musikalisch stringenter aufeinander folgen, als das bei den Vorgängern teilweise noch der Fall war. Der Fokus lag dieses mal eben anders – das macht „Always Foreign“ in seinem Gesamtbild aber zu einem mindestens genauso guten Album.

Autor Sascha Schüler
Wohnort Magdeburg
Beruf Student
Dabei seit Juni 2010
Deine Aufgabe bei Stageload Reviews, Interviews
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