Thrice – To Be Everywhere Is To Be Nowhere

Band Thrice
Musikrichtung Alternative
Redaktion
Lesermeinung
6

Viereinhalb Jahre sind vergangen, seitdem Thrice eine unbestimmte Pause für sämtliche Aktivitäten ausgerufen haben. Bereits die Ankündigung, im Jahr 2015 wieder live zu spielen, sorgte bei den Fans für Begeisterung und schürte die Hoffnung auf ein neues Album. Mit “To Be Everywhere Is To Be Nowhere” ist dieses Werk nun endlich da! 

So viel vorweg: Selbstverständlich kommt hier kein neues “The Illusion Of Safety” oder “The Artist In The Ambulance”, aber ein neues Thrice Album, das war schon schon immer anders, aber nie schlecht. Seit “First Impressions” bzw. “Identity Crisis” hat die Band eine unglaublich Entwicklung von ihren Hardcore/Punk-Wurzeln, über den Ausbruch aus dem engen Genrekorsett, über ein vierteiliges Konzeptalbum bis hin zu Alternative Rock mit Grungeanleihen hinter sich. “To Be Everywhere Is To Be Nowhere” ist nun erneut eine konsequente Weiterentwicklung, diesmal nur vielleicht nicht in so großen Schritten – wohin auch immer es einmal mit der Band gehen wird.

Die Anfangsharmonie im Opener “Hurricane” erinnert ein wenig an “Where Is My Mind” von den Pixies. Dann setzt Dustin Kensrues Stimme ein, erst fast schon zerbrechlich. Zum Refrain aber wandelt sich der Song zu einem drückenden Downtempo-Alternativrocker und Kensrue zeigt die volle Wandlungsfähigkeit seiner Stimme. Mit “Blood On The Sand” folgt dann ein geradliniger Alternative Rock-Song, der vorab als erste Single veröffentlicht wurde und eher gemischte Reaktionen hervorgerufen hat. Ein einfaches Strophe-Bridge-Refrain Schema, aber mit klarer Ohrwurmqualität. “The Window” ist dann schon schwerer verdaulich, springt wild durch verschiedene Taktarten und wirkt trotzdem homogen. “The Window” und das groovende “Wake Up” hätten auch auf “Major/Minor” ihren Platz gefunden.

Und so geht es im Prinzip weiter auf der Platte; mal geradliniger, mal vertrackter. “Seneca” als sechster Song ist ein gerade mal eine Minute langes Instrumental, das die Platte genau in zwei Teile teilt; musikalisch allerdings eintönig und irgendwie überflüssig.

Es folgt der zweite Vorab-Song, “Black Honey” und im Anschluss mit “Stay With Me” ein wahres Highlight der zweiten Hälfte. Wieder sehr leicht zugänglich, aber ein schon fast hymnenhafter Song mit Ohrwurm Garantie. “Death From Above” beginnt dagegen ruhig, explodiert dann im Refrain und erinnert dabei fast schon ein wenig an Tool. Den Abschluss der Platte bildet mit “Salt And Shadow” eine ruhige, fließende Ballade.

An der Produktion ist grundsätzlich nichts auszusetzen. Alle Instrumente inklusive diverser Percussion Elemente sind differenziert zu hören. Wie schon auf all den letzten Platten geben einzelne, abgestimmte Gitarrensounds den Songs sehr unterschiedliche Klangfarben. Textlich reicht die Bandbreite von persönlich (“Stay With Me”) bis politisch (“Death From Above”, “Blood On The Sands”).

Thrice 2016 sind vielfach leichter zugänglich und geradliniger, ohne jedoch Gefahr zu laufen, in belanglosem Alternative-Mainstream zu enden. Die beiden Vorabsingles “Blood On The Sand” und “Black Honey” zeigen ziemlich gut die Bandbreite dessen auf, was den Hörer auf “To Be Everywhere Is To Be Nowhere” erwartet. Wer sich von Thrice immer noch eine Rückkehr zu einem weiteren “The Illusion Of Safety” oder “The Artist In The Ambulance” erhofft oder aber ein Verharren beim Sound einer “Beggars” und einer “Major/Minor” erwartet, wird vielleicht enttäuscht sein. Wer allerdings den Weg von Thrice vom Anfang bis hierhin mitgegangen ist, wird auch von dieser neuen Platte begeistert sein.

Autor Tobias Luger
Wohnort Hamburg
Beruf ja
Dabei seit 2010
Deine Aufgabe bei Stageload Fotos, manchmal Interviews oder Reviews
Top-Alben Poison The Well - The Opposite Of December, Shai Hulud - That Within Blood Ill-Tempered
Die besten Konzerterlebnisse Have Heart, Edge Day 2009 - Boston

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