Title Fight – Hyperview

Album Hyperview
Label Anti Records
Musikrichtung Alternative, Shoegaze
Redaktion
Lesermeinung
5

Aus den einst ziellosen Teenagern ist eine professionelle Band geworden. Auf dem letzten Album „Floral Green“ attestierten wir Title Fight das Album, das sie immer schreiben wollten. Mit dem Wechsel zu Anti-Records wurde der nächste große Schritt der Bandgeschichte vollzogen. Jetzt stellt sich aber unweigerlich die Frage: Wo führt der Weg noch hin?

Auf den ersten Blick ist „Hyperview“ schlicht konsequent. Die Entwicklung des Sounds wird weiter vorangetrieben: Balancierten sich die Shoegaze- und Alternativeeinflüsse sowie der frühere Mix aus Melodic Hardcore und 90er Emo auf dem Vorgänger meist noch gekonnt aus, kippt das Verhältnis auf Title Fights drittem Album doch deutlich in Richtung zuerst genannter. Erwachsen wurde man mit „Floral Green“, auf „Hyperview“ schleicht sich nun ein gewisser Trott ein. Das klingt zunächst negativer, als es sich letztlich darstellt: Title Fight agieren am Puls der Zeit, den sie auch selbst zu einem gewissen Teil mitgeprägt haben. „Hyperview“ ist weder anbiedernd, noch wirkt es gezwungen. Das Songwriting ist homogen und in seiner Konsequenz auch der logische nächste Schritt einer Band, die sich nie auf ihren Lorbeeren ausgeruht hat.

Und doch muss man festhalten, dass dem Gesamtkonstrukt ein wenig die Frische abgeht. Das hatte sich bereits auf der 2013er EP „Spring Songs“ abgezeichnet. Die Prägnanz der Vorgänger, die auch und gerade „Floral Green“ bei aller Verträumtheit immer wieder erden konnte, kommt der Band zu häufig abhanden. Songs wie das vorab veröffentlichte „Chlorine“ oder „Trace Me Onto You“ können den Verbund aufgrund ihres inhärenten Tempos zwar an der ein oder anderen Stelle auflockern, trotzdem scheinen sich Title Fight ein wenig festgefahren zu haben. Zu oft fehlt den Songs der berühmte Aha-Effekt, zu oft dümpeln Title Fight für ihre Verhältnisse vor sich hin und klammern sich zu sehr an die verzerrten Riffs. Die entfesseln zwar hier und da eine ganz eigene Magie, lullen aber auf Dauer zu sehr ein und nehmen der bandeigenen Melancholie bisweilen die Durchschlagskraft.

„Hyperview“ ist ein gutes Album, das lässt sich trotz einiger Unzulänglichkeiten festhalten. Allerdings auch nicht mehr. Dabei ist es nicht der Sound der stört, keineswegs. Den nimmt man Title Fight in seiner Notwendigkeit für die eigene Entwicklung definitiv ab – und das ist positiv. Was aber fehlt sind die besonderen Momente, die die Band über andere erhebt. Melancholisch wirkt „Hyperview“ phasenweise überfrachtet und lässt sich so oft zu sehr nach unten ziehen. Von einer Band, die mit ihren Outputs oftmals den state of the art ihrer Musiksparte geprägt hat, erwartet man schnell ein wenig mehr.

Ob das aber immer fair ist?

Autor Sascha Schüler
Wohnort Magdeburg
Beruf Student
Dabei seit Juni 2010
Deine Aufgabe bei Stageload Reviews, Interviews
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