Torpedo Holiday – 7″

Album 7"
Musikrichtung (Emo)Punk
Redaktion
Lesermeinung
4

Die ganze Welt singt über Liebe – Torpedo Holiday haben Lust auf Hass. Nicht in Form von abgeschmackten Parolen, nein, lieber lassen sie dem Chaos der ungeschminkten Gedankenfetzen freien Lauf, ohne Punkt und Komma. Wer nun eins und eins zusammenzählt, wird sich denken können, dass es hier nicht unbedingt vier lupenreine Popsongs nach Schema F auf die Ohren gibt. Sie selbst verorten sich zwischen Punk, Indie und Post-Hardcore, wobei der Punk hier nicht nur textlich die Nase definitiv vorn’ hat.
Der große Geist Emopunk grüßt hauptsächlich bei „Haut Euch Selber“; hektisch bis zum geht nicht mehr, sind auch mal ein paar schön melancholische Gitarren zu hören, aber wirklich passen will das nicht. Torpedo Holiday sehnen sich nämlich nicht in irgendeine kunterbunte Welt zurück, ihnen geht schlichtweg diese hier auf den Sack. Verdenken kann ihnen das keiner, Gründe gibt’s ja an jeder Ecke, aber was die Herren mit Fug und Recht noch viel mehr anpisst sind die Massen, die das alles nicht sehen wollen „den Meisten war es irgendwie auch egal und Manche waren dafür und der Rest kennt sich eh nicht richtig aus“ (Apropos Schweiz).
Einen Tick ätzender sind da nur noch die, die nicht nur weggucken, sondern noch gleich den schönen Schein beschwören (Falscher Rasen). Vieles davon wurde natürlich schon gesagt. Sicher der ganze Mist erfindet sich schließlich auch nicht jedes Jahr neu. Recht frisch klingt das hier trotzdem und vor allem klingt es rau, von Gesang bis Gitarre punkig eben. Schönheitswettbewerbe gewinnt das nicht, aber wer Dissonanz zum Programm macht, dürfte das verschmerzen können. Wünschenswert wäre manchmal aber ein wenig mehr Struktur gewesen. Natürlich ist es beabsichtig eigentlich gerade damit zu brechen, aber „Haut euch selber“ ist auch deshalb der beste Song der Platte, weil er bei aller Anarchie noch Gespür für das feine Fitzelschen Eingängigkeit hat und so nichtmal Gefahr läuft ins Wirre abzudriften.
Was es von Torpedo Holiday nach der fröhlichen Schnick-Schnack-Schnuck-Tour 2013 so zu bestaunen gibt, wird die Zeit zeigen, die vier Songs geben jedenfalls schon mal ein ansehnliches und eigenständiges Bild ab. Genug zum Drüberaufregen bietet sich ja leider sowieso und nötig sein wird’s wohl auch. Der fromme Wunsch zum Schluß „könnt ihr vielleicht einfach alle gehen“ wird sich nämlich nicht erfüllen. Verdammt schade manchmal!

Autor Benjamin Fischer
Wohnort Frankfurt
Beruf Redakteur
Dabei seit Juni 2010
Deine Aufgabe bei Stageload Reviews, Interviews, Redigat
Top-Alben The Gaslight Anthem - The '59 Sound / The National - High Violet & Trouble Will Find Me / Bon Iver - Bon Iver
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