Touché Amoré – Parting The Sea Between Brightness And Me

Musikrichtung Punk, Hardcore
Redaktion
Lesermeinung
4

Touche Amore kann man wohl ohne Frage in einem Atemzug mit Defeater als die Gipfelstürmer der letzten zwei Jahre aus den Staaten bezeichnen. Wenige Bands haben jüngst einen solch enormen Rückhalt über soziale Netzwerke wie last.fm oder Facebook bekommen wie die Jungs aus Los Angeles, Kalifornien. Kritiker haben Touche Amore kaum, denn ihr unkonventioneller, höchst emotionaler Mix aus rauem Hardcore und klassischen Screamo-Elementen dürfte wohl so gut wie jedem zusagen. Dass man da auf dem Boden der Tatsachen bleibt ist nicht selbstverständlich, zumal die Band ja nun auch noch bei Deathwish Inc. unter Vertrag ist und man sich da schon etwas drauf einbilden könnte.

Mit dem zweiten Longplayer „Parting The Sea Between Brightness And Me“ aber setzt man auf zunächst gewohnt bodenständige Kost. Der Opener „Tilde“ startet seicht, bevor nach wenigen Sekunden ein energischer Sturm losbricht und Frontmann Jeremy in bekannter, aber bester Manier die titelgebenden Zeilen für dieses Album von sich gibt. Außer, dass alles etwas besser produziert klingt als bei „..To The Beat Of A Dead Horse“ bekommt der Hörer zunächst das, was er erwartet: Treibender, rauer und emotionaler Hardcore, der nicht ohne Grund in den Himmel gelobt wird. Aber schon bei „The Great Repetition“ sind erste ruhige, ja fast shoegaze Elemente zu vernehmen, die sich über „Face Ghost“ bis hin zum höchst emotionalen „Condolences“ ziehen und sich wieder und wieder verstärken. Zwischen den wütenden Ausbrüchen in „Uppers / Downers“ oder „Wants / Needs“ wirken diese Stellen beruhigend, wie ein Balsam für die Seele, welche sich Touche Amore in den übrigen Stücken aus dem Leib spielen und schreien. Da die LP live eingespielt und aufgenommen wurde, ist der Sound unglaublich nah und intensiv. Die Texte über Heim- und Fernweh sowie zwischenmenschliche Kälte dürften so manchem aus der Seele sprechen und bei solchen lyrischen Finessen fehlen einem dann erst recht die Worte: „I’m not the golden boy so don‘t shine me on. I’m the bastard son of romantic babylon with veins that are all fashioned out of copper.”

Es mag wie eine Entschuldung wirken, hört man die letzten Zeilen des abschließenden „Amends“: „For what it’s worth, I’m sorry. But in the end I swear I’m trying.“ Entschuldigen, so viel ist sicher, müssen sich Touche Amore für ihr zweites Album nicht, in keinster Weise. „Parting The Sea Between Brightness And Me“ ist nicht enttäuschend und nicht nur einfach das, was man erwartet hat. Die Band präsentiert neue, frische Elemente und zeigt, dass es nach einem grandiosen Debüt mindestens genau so grandios weitergehen kann. Zwar fehlen einem in so mancher Sekunde Momente wie in „Honest Sleep“, wo man einfach nur mitschreien möchte, aber bei den vielen Momenten, in denen man auf „Parting The Sea Bewteen Brightness And Me“ mitfühlen kann und von den intensiven Emotionen durch die knapp 21 Minuten gerissen wird, sei das der Band in höchstem Maße verziehen.

Autor Patrick Siegmann
Wohnort Göttingen
Beruf Doktorand
Dabei seit September 2009
Deine Aufgabe bei Stageload Koordination Reviews, News
Top-Alben Viel zu viele. "Songs To Scream At The Sun" von Have Heart ist aber definitiv eines von den Alben, die mich am meisten geprägt haben.
Die besten Konzerterlebnisse Auf jeden Fall vorne mit dabei: Have Heart, Shipwreck AD, Rise And Fall und AYS in der Roten Flora in Hamburg, Juli 2009

Kommentare

  3 kommentare

  1. Pete

    Die scheibe hat bei mir etwas gebraucht um zu zünden.. Ging nicht so schnell wie beim debüt..

  2. Peter

    les ich ja jetzt erst. wie sau mies ist das denn? „„Amends“: „For what it’s worth, I’m sorry. But in the end I swear I’m trying.“ Entschuldigen, so viel ist sicher, müssen sich Touche Amore für ihr zweites Album nicht, in keinster Weise.“

    haha. du mein freund. hast das album hier NICHT verstandne.. junge junge wie schlecht.

  3. Patrick Siegmann

    Scheinbar hast du aber nicht verstanden, dass es in dem Satz nicht um die inhaltlichen Aspekte geht, die in dem Song angesprochen werden.

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