Touché Amoré – Stage Four

Album Stage 4
Label Epitaph
Musikrichtung Post-Hardcore
Redaktion
Lesermeinung
5

Keiner will „The Wave“ sagen, so ganz ohne geht es aber nicht: Die Entwicklung der Szene-Buddies und Vorzeige Post-Hardcoresternchen um La Dispute, Pianos Become The Teeth und Touché Amoré war über die Jahre bestens zu verfolgen. Schritt für Schritt wuchsen diese Bands in die Fußstapfen der Pioniere der vorherigen Generation, um mit Thursday oder Thrice mal nur zwei zu nennen.

Der Weg ist ein vergleichbarer, die Labels werden größer, ebenso die Zuschauermassen und auch deren Zusammensetzung wird bunter. Längst spielt man nicht mehr ausschließlich in kleinen Kellern vor Hardcore-Kids, sondern darf auf zunehmend größeren Bühnen auch Indie-Liebhaber beschallen. Ob sich das nun auf den Sound auswirkt oder im Umkehrschluss nur letzte Konsequenz der eigenen Entwicklung ist, bleibt wohl eine ähnlich müßige Frage wie die nach Huhn und Ei.

Mit den großen Deals kommt erfahrungsgemäß auch eine gewisse Planbarkeit. Selbst wenn Bands in diesem Musiksektor zumeist weiterhin das Zepter der Verantwortung fest in der eigenen Hand halten, lässt sich ein verändertes Vorgehen doch häufig ziemlich schnell heraushören. Das spielt dann auf gleich doppelter Ebene in der Wahrnehmung eine Rolle: Der Sound wird massentauglicher, schlicht weil er mehr Leute in der Lage ist anzusprechen. Zeitgleich aber läuft man aber Gefahr, Energie und Intensität zu vernachlässigen.

Und so ist „Stage Four“ das erwartbare Album geworden: Runder Sound, ausgeklügelt, mit einigen deutlichen Fillersongs, aber letztlich konsequenter Qualität im Songwriting. In „Palm Dreams“ und „Benediction“ mischen sich ruhigere Gesangspassagen unter Bolms charmantes Gekeife. Insgesamt zeichnet die Platte aber ein durchgehendes Tempo und musikalisches Thema aus, das sich gekonnt zwischen der Energie der „Parting The Sea“ und dem teils ausufernden Crescendo von „Is Survived By“ einpendelt.

Irgendwo alles logisch, irgendwo aber auch teils aufdringlich vorhersehbar. Mit „Skyscraper“ verblüffen Touché Amoré dann am Ende. Bolms Singstimme wollte man doch schon immer mal hören. Dann auch noch im Duett mit Everybody’s Darling Julien Baker – herrlich! Deutlich springt einem hier Bolms Liebe für The National ins Gesicht, der Song geschrieben für die Mutter beendet „Stage 4“ unkonventionell aber gelungen, auch wenn der klare Abschluss des Liedes nach der vorher kontinuierlichen Steigerung beinahe etwas enttäuscht. Sei’s drum.

Dass gerade dieses ruhige Stück das Highlight der Platte darstellt, zeigt eben auch deren kleines, aber nicht unwesentliches Problemchen: „Stage Four“ ist ein gutes Album und ein logischer Schritt für die Band auf dem neuem, großen Label. Dass Bolm und Co insgesamt immer weiter runterfahren nimmt man ihnen ab – der Sound ist ehrlich, so viel darf man Touché Amoré zugestehen. Doch kommt man nicht drum herum die Energie der ersten Platten hier und da sehnlich zu vermissen. Denn wenn der Trott sich einschleicht, läuft die Chose Gefahr, bisweilen etwas belanglos daher zu kommen. Die Halbwertszeit einiger Songs auf „Stage Four“ dürfte für Bandverhältnisse erstaunlich kurz sein. Was man auf „Is Survived By“ noch mit wunderbar post-rockigen Songwänden schmackhaft machen konnte, wirkt auf „Stage Four“ einfach zu häufig leicht angematscht und schlicht zu konventionell.

Ist das nun meckern auf hohem Niveau? Definitiv, ganz unter den Tisch fallen lassen kann man diesen Umstand aber nicht. Trotzdem darf und muss man einer so großartigen Band wie Touché Amoré die eigene Entwicklung zugestehen. Für die Diskographie der Band gilt: Für jeden etwas dabei. Die Geschmäcker dürften dabei weit auseinander gehen, die Qualität ist durch die Bank außerordentlich hoch. Und auch das ist eine nicht zu unterschätzende Leistung.

Autor Sascha Schüler
Wohnort Wechselt
Beruf Nein
Dabei seit Juni 2010
Deine Aufgabe bei Stageload Reviews
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