Trapped Under Ice – Heatwave

Album Heatwave
Musikrichtung Hardcore
Redaktion
Lesermeinung
5

Wie schwer ist es für eine der prägendsten Hardcore-Bands des Jahrzehnts nach sechs Jahren musikalischer Abstinenz an die alten Traditionen und Erfolge anzuknüpfen? Diese Frage schwebt über „Heatwave“, dem neuen Album von Trapped Under Ice, wie das sprichwörtliche Damoklesschwert über dem Kopf. Viele Bands haben sich in den letzten Jahren auf die Genregrößen aus Baltimore berufen: Gone To Waste, Coldburn, und wer nicht alles Trapped Under Ice als einen der Gründe genannt hat, warum man eigentlich mit dem ganzen Hardcore-Ding angefangen hat. Entsprechend hoch sind die Erwartungen an TUI und ihr gerade einmal 14-minütiges Comebackalbum.

Während Songs wie „Other Side“ und „No Relief“ sofort an Zeiten von „Big Kiss Goodnight“ erinnern, an Windmühlen und gebrochene Nasen im Pit, schlägt beispielsweise „Throw It Away“ eine komplett andere Richtung ein: Trapped Under Ice haben ihren Hardcore, der ohne Frage von Bands wie Madball oder Crown Of Thornz beeinflusst ist, mit Versatzstücken aus dem Punkrock und anderen experimentellen Sticheleien angereichert. Kein Wunder, bei dem, was die Mitglieder die letzten paar Jahre getrieben haben: Sänger Justice Tripp war mit Angel Du$t unterwegs und Drummer Brendan Yates mit Turnstile. Das hat auch bei Trapped Under Ice hörbar seine Spuren hinterlassen.
Dennoch findet die Band auf „Heatwave“ die perfekte Balance um alle zufrieden zu stellen. Die Songs, die allesamt durchschnittlich niemals länger als anderthalb Minuten sind, sind abwechslungsreich und der perfekte Soundtrack für den Hardcore-Sommer 2017: Mal rockig („XL“), mal poppig („Heatwave“) und mal moshig („Backstabbed“). Eine Mischung aus ordentlicher Neandertaler-Keule für Pitprimaten und Mitgröhltracks für Gelegenheits-Punkrocker. Doch liegt gerade da vielleicht das größte Problem von „Heatwave“: 14 Minuten sind einfach zu kurz für ein vollwertiges Album. Natürlich gibt es keine Regel, die besagt, eine Hardcore-Platte muss 20 oder 30 Minuten lang sein. 14 Minuten allerdings vergehen wie im Flug und hinterlassen so ein leichtes Gefühl der Ernüchterung.

Bei „Heatwave“ trifft wohl keine Redewendung besser zu als „In der Kürze liegt die Würze“. Trapped Under Ice haben alles, was Hardcore in den letzten Jahren ausgemacht hat, in eine knappe Viertelstunde verpackt: Groove, Aggression und Experimentierfreunde. Dennoch ist es keine Frage, dass sich hier die Geister scheiden werden. Doch wer dieses Album nicht mag, hat Hardcore nie verstanden. Immerhin macht die Band nur das, worauf sie Bock hat. Und steht dafür nicht eigentlich Hardcore-Punk? Das zu tun, was man mag und damit (Genre)Grenzen niederreißen?

Autor Patrick Siegmann
Wohnort Göttingen
Beruf Doktorand
Dabei seit September 2009
Deine Aufgabe bei Stageload Koordination Reviews, News
Top-Alben Viel zu viele. "Songs To Scream At The Sun" von Have Heart ist aber definitiv eines von den Alben, die mich am meisten geprägt haben.
Die besten Konzerterlebnisse Auf jeden Fall vorne mit dabei: Have Heart, Shipwreck AD, Rise And Fall und AYS in der Roten Flora in Hamburg, Juli 2009

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