Trivium – The Sin And The Sentence

Band Trivium
Musikrichtung Metal, Metal
Redaktion
Lesermeinung
3.5

Es gibt Dinge, auf die kann man sich einfach verlassen: Ein Fußballspiel dauert mindestens 90 Minuten, ab September stehen Lebkuchen in den Regalen und spätestens alle zwei Jahre bringen die Metal-Heroen um Trivium ein neues Album raus. Meistens wissen sie damit ihre Anhängerschaft zu begeistern. Die Kurve der Band stieg in den letzten Jahren unaufhörlich nach oben. Dann kam „Silence in the Snow“ – und jetzt „The Sin and the Sentence“. Es kann eben nicht jeder Höhenflug ewig währen.

Eines zeichnet die US-Amerikaner Trivium mehr aus, als alles andere: der unbedingte Wille zur gnadenlosen Perfektion. Bei den ausufernden Soli sitzt jeder Anschlag, die Breaks sind so genau getimt wie ein Raketenstart und auch beim Gesang überlässt Matthew Heafy nichts dem Zufall. Spontane Abweichungen vom Protokoll sind unerwünscht. Trivium sind ein eingespieltes Team. Technisch reicht die Bandbreite von einwandfrei bis beneidenswert. Und das selbst, wenn ein Teil des Teams ausgetauscht wird. Zuletzt traf es Schlagzeuger Paul Wandtke, der 2016 durch Alex Bent ersetzt wurde. Doch Trivium finden selbst in diesen Situationen wieder schnell einen gemeinsamen Nenner. Ihr neues Album „The Sin And The Sentence“ krankt nun aber an genau dieser Makellosigkeit. Und schnell stellt sich die Frage, ob das eigentlich noch Thrash ist.

Denn bei all den eingängigen Soli und dem knackigen Zusammenspiel, fristet der Sound ein tristes Dasein: Er kommt so glattgezogen daher wie die Tischdecke beim Adventskaffee der biederen Schwiegermutter – und blankpoliert wie das Tafelsilber. Als hätten sie vorsorglich alle Höhen und Tiefen per Sandstrahlung entfernt, eingeebnet und ausgemerzt. Selbst Kuschelrocker wie Bon Jovi beweisen dagegen Mut zu Rotz und Derbheit. Und apropos Kuschelrock: Den gibt’s mit Songs wie „Endless Night“ oder „Beauty In The Sorrow“ natürlich auch – wer hätte es bei diesen Titeln gedacht? Den Tiefpunkt des gerade noch Ertragbaren erreichen die Herren allerdings, wenn sie den Hörer im Finale von „The Revanchist“ auf den Mittelaltermarkt entführen. Spaß beiseite. Trivium können ja auch noch schnell und böse („Betrayer“), sie nehmen sich durch die übergestylte Produktion leider selbst den Wind aus den Segeln. Dennoch ziehen besagter Song und das darauffolgende „The Wretchedness Inside“, in dem sich Frontmann Matthew Heafy eindeutig von Slipknots Frontderwisch Corey Taylor inspirieren ließ, den Karren noch mal aus dem Dreck. Zu einer durchweg guten Platte reicht es dennoch nicht.

Mit „The Sin And The Sentence“ liefern Trivium eine unterhaltsame aber unglaublich blutleere Vorstellung ab. Das klang mal besser und vor allem viel härter. Genau das stand Trivium um einiges besser, als das, was sie hier kredenzen. Diesem Reinraummetal fehlt der Schweiß, der Schmutz und die ungestüme Unkontrolliertheit. Im Radio mag das ganz gut kommen, aber so mancher Fan wünscht sich insgeheim sicher eine Rückbesinnung der Herren zu den Wurzeln ihrer Band.

Autor Andreas Steiner
Wohnort Stuttgart
Beruf Redakteur
Dabei seit März 2011
Deine Aufgabe bei Stageload Reviews, Interviews
Top-Alben Joanna Newsom - Y's | Propagandhi - Today's Empires, Tomorow's Ashes | At The Drive-IN - Relationship of Command
Die besten Konzerterlebnisse Iggy Pop | ...And You Will Know Us By The Trail Of Dead | NOFX | Escapado | Propagandhi

Hinterlasse einen Kommentar