Turnover – Good Nature

Album Good Nature
Band Turnover
Musikrichtung Pop, Emo
Redaktion
Lesermeinung
4

Das letzte Album von Turnover hieß „Peripheral Vision“ – Wahrnehmungen im Augenwinkel also. Entgegen des marginalisierenden Titels genoß der Langspieler volle Aufmerksamkeit: In elf hypnotisierenden Songs vollzog das Quartett aus Virginia Beach endgültig den Kurswechsel von wüst treibendem Pop-Punk zu verträumt ausschweifendem Indie-Pop. Mit ihrer dritten Veröffentlichung hatten sich Turnover neue Fans gemacht, ohne alte Sympathien zu verspielen.

Bis jetzt zumindest. 2017 sind die Strandjungs nur noch zu dritt; Gitarrist Eric Soucy sah sich Vorwürfen von emotionalem Missbrauch ausgesetzt und der Rest der Band zog die entsprechenden Konsequenzen. Das ist ehrlich gesagt auch schon das Spektakulärste, was es zu „Good Nature“ zu erzählen gibt. Der Stilbruch stand Turnover, das beweist die neue Platte, leider nur ein Album lang.

„Good Nature“ hört sich wie eine uninspirierte oder schlicht zu routinierte Fortsetzung von „Peripheral Vision“ an. Die elf neuen Songs klingen nochmal ein bisschen mehr nach Dream-Pop der Marke Wild Nothing: Verspielte Melodien, leichtfüßige Rhythmik und süße Harmonien bestimmen das gleichförmig vor sich hin treibende Klangbild. Die Gitarrenläufe scheinen vom Opener „Super Natural“ über „Curiosity“ bis zum abschließenden „Bonnie“ immer wieder dieselben und auch Austin Getz fällt am Mikrofon weder textlich noch stimmlich viel ein. „All that I ever was“ bricht mit Akustikgitarre und eingängiger Gesangsmelodie immerhin mal etwas die recht einschläfernde Dynamik.

Insgesamt dudelt das Album aber überraschungsarm und unaufgeregt vor sich hin und spielt sich damit selbst in den Hintergrund. Turnover laufen mit „Good Nature“ Gefahr, ganz aus den Augenwinkeln zu verschwinden, die dem viel spannenderen Vorgänger seinen Namen gaben. Zwischen schön verträumt und schlichtweg verschlafen gibt es eben durchaus einen Unterschied.

Autor Enno Küker
Wohnort Köngen
Beruf Student
Dabei seit Mitte 2011
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Top-Alben ...kommen und gehen. Evergreens: Brand New - The Devil and God Raging...// Emery - I'm Only A Man // Every Time I Die - The Big Dirty // Limp Bizkit - Chocolate Starfish And...// Taking Back Sunday - Tell All Your Friends // Die Toten Hosen - Opium Fürs Volk // KIZ - Urlaub fürs Gehirn (Economy Version)
Die besten Konzerterlebnisse Schwitzerei, Feierei, Reiherei

Kommentare

  2 kommentare

  1. Martin

    Das Album ist, wie sagt man, ein richtiger „grower“. War von den Vorabsingles nicht so begeistert, aber spätestens beim dritten Durchlauf mehr als solide. Leider kein zweites PV, aber das war ja abzusehen.

  2. Ines

    Nach dem ersten Hören stimme ich dir 100% zu. Bin gespannt, ob es so bleibt, oder ob es, wie Martin hier sagt, ein Grower ist. Ich würd’s mir wünschen!

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