Turnstile – Move Thru Me

Album Move Thru Me
Band Turnstile
Musikrichtung Hardcore
Redaktion
Lesermeinung
6

Turnstile haben einen guten Batzen dazu beigetragen, dass Hardcore schon längst nicht mehr viel mit dem eigentlichen Underground zu tun hat, aus dem er zu Beginn des neuen Jahrtausends so langsam gekrochen kam. Durch Touren mit Basement, das aktuelle Signing durch Roadrunner Records und nicht zuletzt durch den Artikel in der Washington Post gehört die Band längst zum Mainstream der alternativen Musiklandschaft.

Eine globale Fanbase, ausverkaufte Shows von Los Angeles bis nach Tokio, etwa sechzigtausend Facebook-Fans und gut dreissigtausend Follower auf Instagram sprechen eine eindeutige Sprache. Selbst Bands, die Turnstile in gewisser Weise beeinflusst haben, erreichen nicht mal die Hälfte dieser stattlichen Werte (zumindest was Facebook und Instagram angeht). Ihre Vorbilder hat die Band also längst hinter sich gelassen.

Nachdem „Nonstop Feeling“ vor gerade einmal gut anderthalb Jahren die einst geeinte Fangemeinde durch poppigere Songs entzweite, gleichzeitig dabei aber eben auch neue Hörer erreichte, versucht „Move Thru Me“ nun Grenzen zu durchbrechen – allen voran in den Köpfen. Vier Songs gibt die Band aus Baltimore zum Besten, die an Groove und Energie direkt an „Nonstop Feeling“ anknüpfen. Einer sticht besonders heraus: „Fuck Me Blind“ – ein Cover der Washingtoner Band Give. Für Turnstile eine der wichtigsten Hardcore-Bands dieses Jahrzehnt, auch wenn sicherlich nur ein Bruchteil ihrer Facebook-Fans je von Give gehört haben werden.

Unterstützung fanden Turnstile bei diesem Song in Kiley Lotz alias Petal, welche im letzten Jahr eines der schönsten Singer-Songwriter-Alben veröffentlicht hat. Hardcore und verträumter Gesang? In 2016 längst keine Überraschung mehr. Laut Turnstile ist nämlich alles möglich, ganz nach dem Motto, das Youth Of Today vor gut zwei Jahrzehnten etabliert haben – „break down the walls“. Während die ersten Songs dieser EP so also höchstens die Grenzen zwischen Publikum und Band einreissen (was heute auch längst keine Selbstverständlichkeit mehr, aber von umso größerer Wichtigkeit ist), ist der eigentlich wichtigste und vielleicht auch beste Song auf „Move Thru Me“ nicht mal einer aus der Feder von Turnstile selbst.

Natürlich bieten aber auch die anderen, allen voran der Titeltrack, genau das, was man von einer Band wie Turnstile eben erwartet: Kein Soundtrack zum Nachdenken über den Sinn des Lebens, sondern ein Soundtrack für den Moment. Das Hier und Jetzt ist es, was zählt. Darin aufzugehen und jede Chance zu nutzen. Einfach Spaß zu haben und das Leben in vollen Zügen auskosten. Gerne auch auf einer Hardcore-Show mit massig Stagedives. Nonstop Feeling eben.

Turnstile wollen mit ihrer neuen EP Grenzen zum Verschwimmen bringen – und was ihre Musik angeht, haben sie das ohne Frage geschafft. Kaum eine Veröffentlichung kam in den letzten Jahren so zwanglos daher wie „Move Thru Me“. Doch das Ziel der Band ist viel ambitionierter: Wenn es nach Yates und Co geht, soll die gesamte Menschheit am besten ohne jegliche Barrieren in ihren Köpfen und Herzen auskommen. „Refugees always welcome“ lief so vor wenigen Monaten über Turnstiles Twitter-Kanal.

So soll auch die Hardcore-Szene ein Raum für jeden sein – egal welche Sexualität, welches Geschlecht oder welche Hautfarbe man hat. Doch davon ist selbst diese ach so offene und tolerante Szene weit entfernt. Vielleicht gibt ja „Move Thru Me“ einen Impuls um einige verkrustete Strukturen endlich aufzubrechen. Immerhin ist Hardcore ja mehr als Musik, es ist ein Lebensgefühl. Aber auch wenn Turnstile dieses ohne Frage hoch gesteckte Ziel vielleicht nicht erreichen, sind sie immer noch eine der prägendsten Bands, die Hardcore in diesem Jahrzehnt zu bieten hat.

Autor Patrick Siegmann
Wohnort Göttingen
Beruf Doktorand
Dabei seit September 2009
Deine Aufgabe bei Stageload Koordination Reviews, News
Top-Alben Viel zu viele. "Songs To Scream At The Sun" von Have Heart ist aber definitiv eines von den Alben, die mich am meisten geprägt haben.
Die besten Konzerterlebnisse Auf jeden Fall vorne mit dabei: Have Heart, Shipwreck AD, Rise And Fall und AYS in der Roten Flora in Hamburg, Juli 2009

Kommentare

  3 kommentare

  1. fpojnfdsfsd

    geile band, geile ep, schlimmes review.

  2. Martin

    Wenn dus besser schreiben kannst mach mal.

  3. cpl

    wer n bisschen Ahnung von HC hat kennt GIVE natürlich….allerdings kann ich die Wahl dieses Songs nicht nachvollziehen, der kam wenn ich mich nicht irre 2014 raus und klingt fast gleich wie TS` cover Version. Macht für mich als Cover Song ehrlich gesagt null Sinn. Ansonsten: super EP.

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