Turnstile – Nonstop Feeling

Band Turnstile
Musikrichtung Hardcore
Redaktion
Lesermeinung
6

Ein wenig plastisch ausgedrückt ist das Turnstile-Debüt wie die Badeshorts von Sänger Brendan – bunt und nicht zu kurz. In einer rasanten Mixtur reizen Turnstile auf „Nonstop Feeling“ die Grenzen des Hardcore aus, ohne den Zuhörer zu überfordern. Es bedarf keiner Hellseher, um zu behaupten, dass diese Platte die Messlatte für das Hardcore-Jahr 2015 ziemlich hochsetzt. Das Erfolgsrezept der fünf Jungs aus Baltimore: Rifflastiger und energiegeladener Hardcore schmiegt sich nahezu selbstverständlich an psychedelisch anmutende Passagen. Fertig ist der Turnstile-typische Back-To-The-90s-Charme.

Aufmerksame Beobachter der Band erfuhren bereits in den letzten Wochen, dass sich da Großes zusammenbraut: Die bereits veröffentlichten Songs „Drop“, „Gravity“ und „Can’t Deny It“ luden in gewohnter Manier zur Bewegung ein und weckten auf Anhieb Appetit auf mehr. Erwähnt sei an dieser Stelle das fantastische Video zu „Drop“ (sieh unten), bei dem wohl auch der Fresh Prince Of Bel Air seine Finger im Spiel hatte.

Turnstile nehmen sich Zeit, jedem der zwölf Titel des Albums einen ganz eigenen Anstrich zu verpassen. Sei es mit ausgedehnten Intros oder unzähligen Tempo-Wechseln, die zumeist in einer Explosion gipfeln. Langeweile ist Fehlanzeige. Stünde man nun vor der kniffligen Aufgabe, einen Titel vom Album entfernen zu müssen, würde es wohl „Addicted“ treffen. In nur 72 Sekunden überrumpelt einen der Song so sehr, dass er in Anbetracht des ansonsten hohen Niveaus glatt überfordert. Womöglich sieht das live anders aus.

Facettenreichtum beweist „Nonstop Feeling“ mit den zwei sanfteren Titeln „Blue By You“ und „Love Lasso“, die auf den ersten Blick keine typischen Turnstile-Songs sind. So beweist Frontman Brendan mit dem grungigen „Blue By You“, dass seine sonst eher dem Geschrei und Gebrüll zugeneigte Stimme durchaus mit klarem, versöhnlicherem Gesang umzugehen weiß. „Love Lasso“ hingegen kommt gänzlich ohne Gesang daher. Man könnte meinen, dieser fantastisch hypnotisierende Song wurde 1969 auf der Woodstock-Wiese geschrieben und bis zum Jahr 2015 unter Verschluss gehalten. An die Festival-Organisatoren unter den Lesern: Bitte nehmt den Song diesen Sommer in eure Umbaupausen-Playlist auf.

„Nonstop Feeling“ nun als bloße Hardcore-Platte zu betiteln wäre unangemessen. Dieses Album will mehr sein als Hardcore von der Stange und schafft genau das. Mit ihrem ersten Album beweisen Turnstile, dass man sich an ihrem eigenständigen Sound noch lange nicht satt gehört hat. Gerade jene, denen Hatebreed, Agnostic Front und Madball schon immer ein wenig zu stumpf waren, werden erfreut sein beim Lauschen dieser Platte, auf der jeder Song so vorhersehbar ist wie Schneefall im Juni.

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