Turnstile – Time & Space

Album Time & Space
Band Turnstile
Musikrichtung Hardcore Punk, Rock
Redaktion
Lesermeinung
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Waiting for the real thing. Turnstile sind eine der beliebtesten und vielleicht auch besten Hardcore-Bands der letzten Jahre. Doch es geht ein Raunen durch die Fangemeinde: Seit dem Release ihres ersten Albums vor rund drei Jahren seien Turnstille poppiger geworden. Natürlich war „Nonstop Feeling“ ein eingängiges Hardcore-Album für Jedermann, aber es ebnete der Band den Weg zu den großen Festivalbühnen der westlichen Welt. Und im vergangenen Jahr haben es Turnstile dann sogar nach Israel geschafft. Im geheiligten Land spielen, das kann gewiss nicht jede (Hardcore-)Band von sich behaupten. „Time & Space“ nun erscheint über Roadrunner Records, bekanntlich in fester Majorlabel-Hand. Sind Turnstile im Mainstream angekommen?

Die Antwort ist kurz: Ja. „Time & Space“ ist das wohl bisher zurückhaltendste und zugleich vielseitigste Album von Turnstile. Besonders die Vorabsingle „I Don’t Wanne Be Blind“ belegt das eindrucksvoll. Die ungestümen Zeiten der ersten EPs sind also vorbei. Kein Wunder, tourte die Band erst kürzlich mit Basement oder The Story So Far und in naher Zukunft mit Turnover.

Dennoch sind Turnstile eine Hardcore-Band und das beweisen allen voran Songs wie „Generator“ und das gerade mal anderthalbminütige „Big Smile“. Die positiven Vibes, mit welchen Turnstile bereits auf „Move Thru Me“ die Mauern zwischen den Menschen und ihren festgeschriebenen Ideologien einreissen wollten, sind in nahezu jeder Sekunde von „Time & Space“ spürbar. Und das macht Spaß. Nicht zuletzt, da auch zwei Titel der eben erwähnten EP unter den 13 Songs von „Time & Space“ ihren Platz gefunden haben: „Comeback For More“ und „Harder On You“, die hier kurzerhand in einen Track verpackt wurden.

Auch überrascht die Co-Produktion von Hip Hop-Produzent Wesley Lentz, aka Diplo, der sonst für The Weeknd, Gwen Stefani und Major Lazer an den Reglern steht, kaum. So klingt „Right To Be“ stellenweise zwar irgendwie mehr nach Top 50 der US-Billbordcharts, aber selbst das fügt sich in das Gesamtbild des Albums tadellos ein.

Als herausragend dürfen wohl „Moon“ und „(Lost Another) Piece Of My World“ bezeichnet werden. Ersterer Song kommt mit einem Feature der grandiosen Tina Halladay (Sheer Mag) daher und zeigt die Qualitäten von Bassist Freaky Franz auf, der hier die kompletten fast zwei Minuten am Mikro zu hören ist, während „(Lost Another) Piece Of My World“ ein Hardcore-Song in guter alter Turnstile-Manier und damit wohl der letzte seiner Art (zumindest auf „Time & Space“) ist.

Am Ende bleibt zu sagen: Turnstile machen bekömmliche Musik. Mit „Time & Space“ wird sich jeder anfreunden können, egal ob Punker, Rocker oder Popper. Aber gerade dadurch wird dieses Album auch uneingeschränkt jedem Spaß bereiten.

Der Band ist mit „Time & Space“ ein durchweg gutes und vor allem tanzbares zweites Album irgendwo in der unruhigen Mitte zwischen Pop-Rock und Hardcore gelungen, mit welchem Turnstile allerdings kaum noch die alten Fans begeistern dürften. Der Band selber allerdings wird dieses Album nur noch mehr Türen öffnen – wenn sie ihnen nicht ohnehin schon offen stehen.

Autor Patrick Siegmann
Wohnort Göttingen
Beruf Doktorand
Dabei seit September 2009
Deine Aufgabe bei Stageload Koordination Reviews, News
Top-Alben Viel zu viele. "Songs To Scream At The Sun" von Have Heart ist aber definitiv eines von den Alben, die mich am meisten geprägt haben.
Die besten Konzerterlebnisse Auf jeden Fall vorne mit dabei: Have Heart, Shipwreck AD, Rise And Fall und AYS in der Roten Flora in Hamburg, Juli 2009

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