Twitching Tongues – Disharmony

Album Disharmony
Musikrichtung Hardcore, Metal
Redaktion
Lesermeinung
6

Twitching Tongues – oder wie sich selbst gerne nennen: LA’s weirdest – sind nach zweieinhalb Jahren, einem dazwischen geschobenen Livealbum sowie Touren mit unter anderem Code Orange und Madball, zurück. „Disharmony“ ist der inzwischen dritte Longplayer der Band um die Brüder Colin und Taylor Young und gleichzeitig ihr Debüt für das alteingesessene Majorlabel Metal Blade Records. Ob sich sich nun auch Twitching Tongues in Zukunft in eine Reihe mit Acts wie Cannibal Corpse, Behemoth oder Bolt Thrower stellen können, bleibt abzuwarten. Fest steht aber: „Disharmony“ könnte in so einigen Bestenlisten dieses Jahr ganz oben stehen.

Twitching Tongues waren noch nie eine Band für Jedermann: Viele stören sich seit jeher am melodischen Gesang von Colin Young, welchen man so im Hardcore und Metal selten bis gar nicht zu hören bekommt. Und wer das bisher nicht leiden konnte, wird auch mit diesem Album nichts anfangen können und sollte vielleicht mehr Disgrace hören (man stelle sich Twitching Tongues ohne Colins, dafür mit Taylors Gesang vor). Dennoch sind es gerade die Vocals, die Twitching Tongues besonders machen:

Young leidet, ist angepisst und wünscht seinen Feinden nicht selten einen Aufenthalt in der Hölle (auch wenn das manchmal lyrisch ziemlich banal rüber kommt): “You fucked yourself trying to fuck me”. Musikalisch setzt die Band dabei auf das altbewährte Schema: Riffs, Riffs, Riffs und manchmal eine seicht eingestreute, zuckersüße Melodie. Und das funktioniert, wie auch schon auf dem Vorgänger „In Love There Is No Law“, einfach gut. Während „Cannibal“ sowie der Titeltrack „Disharmony“ ordentlich die Metalkeule schwingen und „Asylum Avenue“ einen mit seinem mitreißenden Refrain sofort abholt, ist „Arrival“ eine Hommage an Peter Steele und Type Of Negative, dem die Band bereits so einige Male ein kleines Denkmal gesetzt hat.

Erneut merkt man, dass es Twiching Tongues reichlich egal ist, in welchem Genre sie gerade wildern: Mal groovt es, wie Pantera es nicht besser hinbekommen hätten, mal werden Trash-Riffs al a Slayer ausgepackt und mal kommt mir nichts dir nichts ein klassisches Gitarren-Solo um die Ecke, wie etwa in „Love Conquers None“. Abwechslungsreicher – oder eben „weirder“ – könnte es kaum sein. Dennoch schaffen es Twitching Tongues eine unglaubliche Hitdichte zu produzieren, die sowohl Metal- als auch Hardcore-Fans begeistern dürfte.

„Disharmony“ ist im wahrsten Sinne des Wortes eine „weirde“ Platte – aber das gleichzeitig auch im besten Sinne. Twitching Tongues beweisen erneut ihr unglaubliches Gespür für Riffs und Melodien und vereinen wie keine andere Band in diesen Tagen Metal und Hardcore mit einer unglaublichen Catchyness, welche jeden, der sich drauf einlässt, sofort in ihren Bann zieht. Love them or hate them – ein Dazwischen gibt es nach wie vor nicht.

Autor Patrick Siegmann
Wohnort Göttingen
Beruf Doktorand
Dabei seit September 2009
Deine Aufgabe bei Stageload Koordination Reviews, News
Top-Alben Viel zu viele. "Songs To Scream At The Sun" von Have Heart ist aber definitiv eines von den Alben, die mich am meisten geprägt haben.
Die besten Konzerterlebnisse Auf jeden Fall vorne mit dabei: Have Heart, Shipwreck AD, Rise And Fall und AYS in der Roten Flora in Hamburg, Juli 2009

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