Twitching Tongues – Gaining Purpose Through Passionate Hatred

Musikrichtung Metal, Hardcore
Redaktion
Lesermeinung
5

Twitching Tongues sind seit ihrem Metal Blade-Debüt vor gut drei Jahren zu einer kleinen Allstar-Band angewachsen: Verstärkt durch den ehemaligen Hatebreed-Gitarristen Sean Martin und True Love- sowie Freedom-Gitarrist Alec Faber veröffentlicht die kalifornische Metal- und Hardcore-Band nun ihr viertes Album mit dem ellenlangen Titel „Gaining Purpose Through Passionate Hatred“.

Auf besagtem neuen Longplayer bleibt die Band sich gleich von der ersten Sekunde an treu: „Awol (State Of The Union)“ kommt mit den Zeilen „Here to stay in our own strange way“ daher und macht klar, dass Twitching Tongues sich um Himmels Willen niemals für irgendjemanden verbiegen werden. So serviert die Band auch auf „Gaining Purpose..“ stark von Bolt Thrower und Type O Negative inspirierten, komplett unorthodoxen Hardcore, über den der immer erhabene cleane Gesang von Colin Young gelegt ist.

Erneut, wie es bei Twitching Tongues üblich ist, sei also hier erwähnt: Wer das nicht mag, sollte um die Band einen großen Bogen machen. Auf ihrem vierten Album haben Twitching Tongues die sonst so abwechslungsreichen und von seinem Nebenprojekt Disgrace bekannten Vocals von Taylor Young, Colins Bruder, sogar noch mehr in den Hintergrund verdrängt. So waren sie auf „Disharmonie“, dem letzten Album der Band, noch ein wichtiger Bestandteil der Songs. Lediglich in „The Sound of Pain“ darf der Nails-Schlagzeuger ausgiebig ans Mikro und macht den Track so zu einem kleinen Highlight und absoluten Anspieltipp.

Abstriche vom brachialen Hörerlebnis sind aber dennoch nicht zu erwarten: „Gaining Purpose..“ setzt auf Blastbeats, Breakdowns und Riffs, dass sich Augen und Ohren gewaschen haben. So viel Metal gab es bei Twitching Tongues bislang noch nie. Besonders „Harakri“ und die Anti-Trump-Hymne „T.F.R. (The Fourth Reich)“ preschen ohne nur einen einzigen Kompromiss zu ziehen nach vorn. Rein spielerisch ist das hier also das bislang beste und ausgefeilteste Album der Band aus Van Nuys, auch wenn das abschließende „Defection (Union of the State)“ mehr wie ein buntes Potpourri aus den vorherigen Songs wirkt, als wie ein eigenständiger Track.

Und so bleibt auch lyrisch alles beim Alten: Die verflossene Liebe wird im eingängigen „Forgive & Remember“ thematisiert, die Bedrohung durch einen etwaigen globalen Atomkrieg (auf den vorherigen Alben durch ua. „World War V“ immer wieder präsent) in „T.F.R.“ und der Hass auf alles und jeden, der einem seine persönliche Daseinsberechtigung gibt, im Titeltrack.

Was kann man also insgesamt groß über dieses Album sagen? Wer Twitching Tongues bisher nicht mochte, wird auch mit „Gaining Purpose Through Passionate Hatred“ absolut gar nichts anfangen können. Fans bekommen hingegen Gewohntes geboten, das sich zumindest spielerisch ein Stückchen weiterentwickelt hat. So kann man nur die Empfehlung aussprechen, sich dieses Album nur dann zu Gemüte zu führen, wenn man auch die Vorgänger mochte. Denn ihrem Stil, und dieser ist nun wahrlich das Markenzeichen der Band, bleiben Twitching Tongues treu. Und zumindest eben angesprochene Fans werden sagen, dass das auch gut so ist und bekommen am Ende sogar noch eine neu aufgenommene Version von „I Fell From Grace Feet First“ auf die Ohren.

Autor Patrick Siegmann
Wohnort Göttingen
Beruf Doktorand
Dabei seit September 2009
Deine Aufgabe bei Stageload Koordination Reviews, News
Top-Alben Viel zu viele. "Songs To Scream At The Sun" von Have Heart ist aber definitiv eines von den Alben, die mich am meisten geprägt haben.
Die besten Konzerterlebnisse Auf jeden Fall vorne mit dabei: Have Heart, Shipwreck AD, Rise And Fall und AYS in der Roten Flora in Hamburg, Juli 2009

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