Two Door Cinema Club – Beacon

Album Beacon
Musikrichtung Indie, Electro
Redaktion
Lesermeinung
5

Wer hat ihn alles gesehen, den rothaarigen Kobold bei der Eröffnungsfeier? Gesungen hat er, zur Entzündung des olympischen Feuers und das äußerst anhörbar.
Eine große Ehre die Alex Trimble da zuteil wurde, vor allem angesichts der schier unendlichen Liste an britischen Megastars, die so einen prominenten Part sicherlich auch gern belegt hätten. Aber die Medaille ging an den kleinen Nordiren, den singenden Teil der „vielversprechendsten Newcomer“ der isle of wonder – Two Door Cinema Club.
Gern gesehen auf dem alterwürdigen Glastonbury, gern gespielt in jedem Etablissement, das sich „Indie“ auf die Türklinke schreibt, ist das Trio mittlerweile eine echte Hausnummer geworden. Dabei ist das Erfolgsrezept alles andere als Hexenwerk: Indierock meets Elektropop. Und an dem wird für Album Nummer zwei nicht groß rumgewerkelt.
Etwas Liebeskummer schwingt bisweilen zwar mit, „maybe someday you’ll be somewhere talking to me, as if you knew me“, aber auf’s Gemüt drückt er nicht, alles bleibt schön locker-leicht und verdammt verspielt. Musik für den blauen Himmel eben und da heißt es schonmal „head vs. heart“ (Someday). Gilt natürlich auch nach Sonnenuntergang, daher ist der Discotrack nicht weit und den elektronischen Stimmungsmacher spielt „Handshake“ selbstverständlich ganz routiniert. Klingt witzigerweise fast mehr nach den Berliner Kollegen I Heart Sharks, als britischem Kinoklub.
Nun soll „Beacon“ aber nicht nur die altbekannten Stärken ausspielen, sondern auch Entwicklung zeigen, immerhin sind die Herren jetzt näher an der Band, die sie immer sein wollten. Gut, neben solch schönen Phrasen kann man dem Album schonmal definitiv einen fetteren Sound attestieren (frisch aus LA eben) und in „just one day is all that we needed so we could believe it all, in someway we already knew it, we just had to prove it all“ kann man zumindest eine tiefere Message entdecken. Die große Frage ist nur, ob die hier wirklich hier jemand sucht. Denn alle Ambitionen in Ehren, „Beacon“ ist gelungen, ja, das liegt aber mehrheitlich an den längst bekannten Tugenden.
Und warum auch nicht! „Sleep Alone“ zum Beispiel, die Nummer sitzt einfach, ist tanzbar bis zum Umfallen und dazu noch schön melodisch. So läuft der Hase und da ist der zurückhaltende Titeltrack zwar mal eine gelungene Ruhepause, aber nach Edelmetall greifen Two Door Cinema Club nach wie vor nur in ihrer Hausdisziplin.
Doch was soll’s: Ein Usain Bolt kann ja schließlich auch nicht alles.

Autor Benjamin Fischer
Wohnort Frankfurt
Beruf Redakteur
Dabei seit Juni 2010
Deine Aufgabe bei Stageload Reviews, Interviews, Redigat
Top-Alben The Gaslight Anthem - The '59 Sound / The National - High Violet & Trouble Will Find Me / Bon Iver - Bon Iver
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