Up North – Pointless Perfection

Band Up North
Musikrichtung Melodic-Hardcore
Redaktion
Lesermeinung
4

Den Anspruch der Perfektion haben Up North nicht – so heißt ihre erste full-length Platte schließlich kurz und prägnant „Pointless Perfection“. Perfekt ist im Leben freilich ohnehin wenig. Gerade im musikalischen Bereich muss man hier aber womöglich Ausnahmen machen. Denn obgleich man sich darüber streiten kann, ob musikalische Perfektion objektiv existiert, wird niemand in Zweifel ziehen, dass es diese auf subjektiver Ebene sehr wohl gibt. Ob in Form kurzer Momente, längerer Songs oder gar ganzer Alben: Das Erfahren musikalischer Erhabenheit, der perfekten Harmonie zwischen den verschiedenen musikalischen Komponenten, ist den wenigsten unbekannt – dass sich alle einig über die Genialität eines Stückes sind, ist gleichwohl bedeutend seltener (oder auch nie) der Fall. Als Musiker nach universeller Perfektion zu streben, ist also ziemlich sinnlos: Am Ende entscheidet jeder einzelne Hörer für sich selbst, was perfekt und was es eben nicht ist.

Up North sind erst seit 2015 unterwegs und haben ihr Debüt mit der EP „Recovery“ ein Jahr später gegeben. Auf „Pointless Perfection“ schleifen die Kölner ihren Sound nach, wirken zielstrebiger, sind kompakter und härter, dafür aber auch weniger melodiös und emotional. Kurz sind die Songs immer noch: Lediglich „Flickering“ erreicht die 3-Minuten Marke. Auf längere, vielschichtigere Stücke greifen Up North also nicht zurück. Eher sind Up North Künstlern wie Conveyer oder Hundredth nahe, die mit wenig Drumherum und dafür „mehr Hardcore“ auskommen. Auf große emotionale Einschübe wartet man bei „Pointless Perfection“ freilich vergeblich.

Vielmehr spielen Up North lockeren und modernen Hardcore mit einem emotionalen Anstrich, der manchem Hörer vielleicht zu wenig Profil bieten könnte. Während sich etwa „Letter To Myself“ mit flotten Schlagzeug-Salven und dezenten, aber wirkungsvollen Riffs wunderbar entfaltet, lässt das Album solche eindrücklichen Momente an anderen Stellen leider vermissen. Allgemein könnte das Gitarren-Riffing stärker im Vordergrund stehen und mehr Kreativität vertragen, um den Songs einen individuelleren Anstrich zu verpassen. Während am Grundgerüst also wenig auszusetzen ist, hapert es an der Feinarbeit: „Pointless Perfection“ wirkt insgesamt zu windschnittig und arm an Details. Dadurch droht dem Album auf Dauer Eintönigkeit.  Aber wer weiß – vielleicht empfinden andere „Pointless Perfection“ ja als perfekt.

Autor Joshua Claaßen
Wohnort Goch
Beruf Schüler
Dabei seit Oktober 2015
Deine Aufgabe bei Stageload Reviews
Top-Alben Ständig im Wandel, zu meinen Favoriten gehören aber auf jeden Fall: Stick To Your Guns - Diamond, Being As An Ocean - How We Both Wondrously Perish / Dear G-d, The Ghost Inside - Get What You Give, The Amity Affliction - Let The Ocean Take Me
Die besten Konzerterlebnisse Kann ich mich nicht festlegen, Stick To Your Guns und Being As An Ocean sind live aber immer ein absolutes Highlight!

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