Veil of Maya – False Idol

Album False Idol
Musikrichtung Metal
Redaktion
Lesermeinung
5

Es reicht nicht mehr aus, einfach Songs aneinanderzureihen. Veil Of Maya entfesseln auf ihrer neuen Platte „False Idol“ ihre Liebe zum Konzeptalbum – und lassen den Hörer durch die Augen eines Scheusals sehen, der von Song zu Song mehr Macht erlangt. Ob diese Geschichte gut ausgehen kann?

Wenn das sechste Studioalbum einen Eindruck vermittelt, dann den, dass Veil Of Maya sich auf die für sie neue Art eine Platte zu schreiben, komplett eingelassen haben. Denn das brachte einige Änderungen mit sich: „False Idol“ wurde in zwei Studios aufgenommen, was für die Band ein ganz neuer Ansatz war, so Gitarrist Marc Okubo über die Arbeit am neuen Werk. Auch wurden die Songs dieses Mal direkt im Studio geschrieben, wohingegen früher alle Instrumentals schon fertig waren, wenn Sänger Lukas Magyar das Studio zum ersten Mal betrat. Diese Wucht und Energie ist neu. „False Idol“ klingt frisch, dynamisch und nach viel Herzblut.

Im Gegensatz zur Story reicht es Veil Of Maya aber musikalisch nicht auf nur einer Hochzeit zu tanzen: „False Idol“ lässt progressiven Metal auf melodischen Death Metal treffen, flirtet mit Thrash und Djent, kotzt einem blutige Hardcore-Wutbrocken vor die Füße und nimmt sich noch die Zeit für ein kurzes Tête-à-Tête mit Nu Metal. Ganz schön viel Holz für ein Album – und ja, die Bandbreite ist verdammt groß. Damit auch die Referenzen, die man auf der neuen Platte heraushört. Aber Veil Of Maya sollte man nicht leichtfertig auf die Einflüsse anderer Bands reduzieren, denn was die Jungs hier entfesseln hat Respekt verdient. Sie bringen es fertig, genau die richtige Mischung aus brachialer Härte und melodischen Momenten zu vereinen – ohne dabei zu sehr oder zu lange in einer Phase zu verweilen.

Dazu kommen technische Gitarren-Frickeleien, die einem einen Knoten ins Hirn spielen, eine Rhythmussektion so vielseitig wie ein Kaleidoskop und unnachgiebig wie ein Stroboskop und ein Sänger, der innerhalb eines Wimpernschlags von Schmachtgesang auf Berserker schalten kann. Das macht richtig Spaß – vor allem weil die Jungs aus Chicago es unterlassen, ihre poppigen Parts zu anbiedernd werden zu lassen. Wo Genrekollegen oft blutleer agieren, sind Veil Of Maya voll da und legen sogar noch eine Schippe drauf. Das bringt nicht nur Abwechslung sondern steigert das Hörvergnügen mit jedem neuen Durchlauf. Ein chaotischer Fiebertraum der mit dem letzten Song „Livestream“ in ein grandioses Finale mündet.

Wo andere sich verzetteln, haben Veil of Maya bei ihrem Konzeptalbum alles richtig gemacht. Anstatt noch einmal eine Platte auf gewohntem Terrain einzuprügeln, haben sich die Jungs der Herausforderung gestellt und wurden mit ihrem vielschichtigsten und durchdachtestem Album bis heute belohnt. Und wie geht die Geschichte in „False Idol“ jetzt aus? Ob der Unsympath noch eine Läuterung erfährt, wollen wir euch an dieser Stelle nicht verraten – aber wir legen euch wärmstens ans Herz es selbst zu erleben. Es lohnt sich.

Autor Andreas Steiner
Wohnort Stuttgart
Beruf Redakteur
Dabei seit März 2011
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