Veils – Clarity

Album Clarity
Band Veils
Musikrichtung Hardcore
Redaktion
Lesermeinung
7

Cornwall, England. Sandstrände und schroffe Küsten. Eine der schönsten Gegenden des Vereinigten Königreichs. Aus genau dieser Ecke kommen Veils. „We’re tempting this chaos just to find the beauty that’s within the whirlwinds of our minds.“
Hingegen der schönen Landschaften der Welt, die langsam durch den Menschen dahingerafft werden, steht das Chaos in den Köpfen. Ziellosigkeit und Hoffnungslosigkeit sind momentan wohl die Tugenden der Jugend, nicht nur in Großbritannien, sondern auch im Rest von Europa, wenn nicht gar der Welt. Krisen wo hin man sieht. „I’m becoming sick, too sick to see the world and it’s real reputation.“ heißt es im ersten Song auf „Clarity“, der Debüt-EP von Veils. „Standing Alone (Isolation)“ handelt vom alleingelassen werden in einer Welt aus sozialer Kälte, die auf Egoismus und der bloßen Gier nach Macht basiert. Dabei verlieren Veils aber nie die Hoffnung auf bessere Tage: „Just remember to feel the warmth of the sun. Just remember to feel the air in your lungs. I am reminded that the power is deep within ourselves. It’s enough to bring us back.“
Lyrisch ganz großes Kino, auch mal zum Mitschreien wie in „Caves (Anxiety)“. Emotional, gespickt mit Ausbrüchen und Liebe zum Detail. Dabei orientiert man sich musikalisch an den Genrégrößen dieser Tage: Touché Amoré und Defeater. Aber Veils schlagen trotz der hörbaren Referenzen auf beide Bands eine ganz eigene Kerbe: Sängerin Clo Edwards verleiht dem Ganzen eine gewisse Eigenständigkeit, die man bei der großen Welle von jungen Hardcore-Band in diesen Tag oft vermisst. Natürlich, Frauen sind im Hardcore längst nicht so unterepräsentiert wie in anderen Zweigen der (Musik)Welt, aber spielen dennoch längst nicht so eine große Rolle wie ihre männlichen Gegenparts. Umso schöner ist es zu sehen, und natürlich in erster Linie zu hören, dass mit Veils eine junge und höchst ambitionierte Band das Genre von Hinten aufräumt.
„Clarity“ ist kein Stück Musik, das einen kalt lässt, schon beim ersten Hören reißen die fünf Songs mit. Man merkt, dass Veils kein Blatt vor den Mund nehmen, aber vor allem auch ihre Herzen nicht verstecken. Es ist ein explosives Gemisch aus Wahrheit über eine verkommene Welt und einem Funken Hoffnung, der das schier bodenlose Fass aus Emotionen, welches Veils hier aufmachen, wieder und wieder entzündet. Besonders gegen Ende der 15 Minuten dieser EP nimmt die Band immer wieder an Fahrt auf, wie beispielsweise in „Stronghold (Destruction)“, wo sich feinfühlige, melodsiche Parts mit wütenden Ausbrüchen die Hand geben.
So haben Veils ohne Zweifel das Zeug dazu, dass nächste „große Ding“ zu werden, was im Modern Hardcore auf uns zu kommt. „Clarity“ ist eine äußerst emotionale und musikalisch hochwertige EP, die manches Herz höher schlagen lassen wird und genau den Nerv der Zeit trifft.

Autor Patrick Siegmann
Wohnort Göttingen
Beruf Doktorand
Dabei seit September 2009
Deine Aufgabe bei Stageload Koordination Reviews, News
Top-Alben Viel zu viele. "Songs To Scream At The Sun" von Have Heart ist aber definitiv eines von den Alben, die mich am meisten geprägt haben.
Die besten Konzerterlebnisse Auf jeden Fall vorne mit dabei: Have Heart, Shipwreck AD, Rise And Fall und AYS in der Roten Flora in Hamburg, Juli 2009

Kommentare

  2 kommentare

  1. Benjamin Fischer

    Die ist aber auch sowas von gut!

  2. Patrick Siegmann

    Ohja! Ich hätte auch gerne 7 Sterne gegeben, aber die hebe ich mir für das Album auf, wenn die eins machen und es genau so gut wird!

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