Verse – Bitter Clarity, Uncommon Grace

Band Verse
Musikrichtung Hardcore, Punk
Redaktion
Lesermeinung
5

Buuuh, Reunion! Die Szenepolizei ist wieder unterwegs. Neuestes/Aktuellstes Opfer sind die Jungs aus Rhode Island. Nach drei teilweise überragenden Alben inklusive dem politischen Meisterstück „Aggression“ gaben Verse 2009 ihre Trennung bekannt. Wieder eine gute Band die sich auflöste, ja eine mit Pioniersstellung. Wer sie live gesehen hatte, gab dies nicht selten stolz zum Besten, aber man könne ja auch verstehen, dass es als Band irgendwann schwer wird. Und dann noch die Edge-Break Geschichte. Da war man sich doch größtenteils einig, dass Verse sprichwörtlich „aufgehört haben, als es am besten war“. Aber Pustekuchen: Ende letzten Jahres dann die Eilmeldung: Verse sind wieder da und für 2012 sind Touren und direkt ein neues Album angekündigt! Schon kommen die Besserwisser daher: Die Jungs hätten es einfach dabei belassen sollen. Was, wenn man jetzt empfindlich am Legendenstatus kratzt, den man, wie in der Musikbranche üblich, natürlich im ganz großen Maße durch den Hiatus erlangt hatte!?

Bitter Clarity, Uncommen Grace wird dieser Tage gewohnt auf Bridge 9 erscheinen, vielen am Arsch vorbeigehen, Menschen enttäuschen, andere freudig aufjubeln lassen. So wie immer halt, wenn nach etwas längerer Zeit eine großartige Band mit einem neuen Album daherkommt. Und wenn das dann auch noch irgendwie „anders“ ist, hachja, dann ist das Geschrei erwartungsgemäß groß. Verse experimentieren, schrauben den Temporegler beträchtlich zurück, setzen vermehrt auf verspielte Parts und teils extrem rockige Gitarren. Da hat man wohl in der Zwischenzeit ein paar Dinosaur Jr. Platten im Wechsler gehabt. Das funktioniert teilweise ausgezeichnet, wirkt leider oftmals etwas aufgesetzt. Die einzelnen Songs sind teilweise richtige kleine Perlen, im Gesamtverbund wirkt Bitter Clarity, Uncommon Grace aber auf Dauer unausgewogen, gar gezwungen. Vergleichbar mit Akustiksongs, frei nach dem Motto: Zwischendurch ist das mal ziemlich geil, aber eine ganze Platte davon brauche ich jetzt auch nicht. Gut gemacht ist die Scheibe aber allemal. Man findet seine Gänsehautmomente, Momente unbändiger Wut, Momente großer Euphorie – aber diese sind teils gut versteckt und wollen entdeckt werden. Inhaltlich bleiben Verse weitgehend unantastbar. Ob der Zweiteiler „The Selfish/Selfless Of The Earth“ oder die wiederkehrende Reihe aus „Seague One“, „Two“ und „Three“ – man findet viel Konzeptionelles in dem Album. Dabei ist man letztlich weniger politisch, dafür oft sehr persönlich und ergreifend.

Bitter Clarity, Uncommon Grace ist ein gutes, aber kein überragendes Album. Keine neue Agression, und viele junge Bands machen das musikalisch heute wohl besser. Man mag mit der Reunion hadern, aber muss das Ganze auch mal von der anderen Seite der Medaille sehen: Vielleicht geht es den Menschen hinter der Band auch weniger um ihr Publikum, als dass sie es selbst vermisst haben, zusammen Musik zu machen und auf der Bühne zu stehen. Ein kleiner Denkansatz. Vom eher mäßigen Auftritt beim Groezrock lasse ich für meinen Teil mich nicht abschrecken und warte da ganz gelassen auf die Clubshows diesen Sommer. Und da wird sicherlich auch der ein oder andere neue Song die vollste Wirkung entfalten. Falls nicht, gibt es ja immer noch drei andere Alben. Immer locker durch die Hose atmen.

Autor Sascha Schüler
Wohnort Wechselt
Beruf Nein
Dabei seit Juni 2010
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Kommentare

  2 kommentare

  1. Enno Kueker

    ohne ihre alten sachen groß zu kennen, ich find das album echt stark, wenn auch teils verschroben.^^

  2. Christian

    Konnte mit denen nie so wirklich was anfangen, auch wenn „Aggression“ echt ’ne objektiv gute Platte ist. Von der neuen kenne ich bis jetzt nur den ersten veröffentlichten Song und der ist eher Mittelmaß. Im hardcore gibt es momentan viele deutlich bessere Bands, das reicht von Expire über TUI bis hin zu La Dispute, da braucht es keine Verse mehr.

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