We Ride – Directions

Album Directions
Band We Ride
Musikrichtung Hardcore
Redaktion
Lesermeinung
3

Auch im Jahr 2011 ist Hardcore noch immer eine Männerdomäne. Das ist schade, aber leider nicht von der Hand zu weisen. Frontfrauen findet man, wie in beinahe allen härteren Musikgenres, nur selten. Bei den Spaniern von We Ride ist das anders. Hier übernimmt Mimi die Arbeit am Mikrofon. Aber eine weibliche Stimme allein macht noch kein gutes Album, wie die Band aus Vigo auf „Directions“ unter Beweis stellt.

Der Leuchtturm auf dem Cover steht in der stürmischen See. Leider bekommt man beim Hören das Gefühlt, dass We Ride der Leuchtturm sind, der in den Weiten des Ozeans einsam und verloren gegen die Wellen ankämpft. So überzeugend wie in dem durchaus guten „My Life, My Dreams“ gehen die Spanier fast nie zu Werke. Indem sie in den Songs immer wieder zum falschen Zeitpunkt das Tempo drosseln, nehmen sie sich viel zu oft selbst den Wind aus den Segeln. Eben rasen sie noch durch die Songs und im nächsten Moment hält die Gitarre mal wieder im Midtempo aus. „Directions“ nimmt nie richtig Fahrt auf und das geht nach spätestens der Hälfte des Albums kräftig auf die Nerven.

Am stärksten fällt aber die Produktion ins Gewicht. Die ist ziemlich missraten und lässt die Songs flach und oberflächlich wirken. Das Schlagzeug klingt dumpf und es fehlt an Durchschlagskraft. Die Gitarre hat keinen Tiefgang und sticht nicht mal in den Soli hervor. In  „Young Heart“ übertönt die Rhythmusgitarre das Metalsolo. Das kann kaum gewollt sein. Dazu kommen noch die Vocals der Jungs, die hier auch nicht wirklich überzeugen können. Alles in allem ist „Directions“ einfach nicht so richtig stimmig.

Der beste Song der Platte ist das Schlussstück „Epilogue“. Ein Ausflug in Rapgefilde, was für das gesamte Werk schon bezeichnend ist. Für den Refrain lieh Mimi dem Lied ihre Stimme. Der spanisch-, französisch- und englischsprachige Song trifft genau ins Schwarze und ist eine richtig gelungene Abwechslung zum Hardcore-Sound der Band. Ansonsten kann „Directions“ dank der verkorksten Produktion nicht überzeugen. Schade für We Ride, schade für den Female fronted Hardcore!

Autor Andreas Steiner
Wohnort Stuttgart
Beruf Redakteur
Dabei seit März 2011
Deine Aufgabe bei Stageload Reviews, Interviews
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