We Were Promised Jetpacks – The More I Sleep The Less I Dream

Musikrichtung Alternative, Post-Rock, Indie
Redaktion
Lesermeinung
7.25

Gut neun Jahre ist es nun her, dass We Were Promised Jetpacks ihr umjubeltes Debüt „These Four Walls“ auf die Welt losgelassen haben. Unzählige weltweite Touren und drei Alben später ist das Quartett musikalisch wie privat an einem anderen Punkt angelangt. Nach dem eher sperrigen „Unraveling“ kehren die Schotten nun zumindest teilweise zu ihren Wurzeln zurück.

Atmosphärisch,gemächlich eröffnet „Impossible“ das Album und steigert sich stampfend in bekannter Jetpacks-Manier. Doch eine Explosion wie im wohl bekanntesten Song „It’s Thunder and It’s Lightning“ bleibt aus. Das Spiel mit den Erwartungen beherrschen die Schotten nach wie vor und beeindrucken hier neben den postrockigen Gitarrenklängen vor allem gesanglich. Die Stimme von Adam Thompson klang nie klarer. Dieser Eindruck manifestiert sich im Laufe der 43 Minuten.

Mal zart, mal voller Inbrunst brilliert der Sänger besonders in Songs wie im Titeltrack „The More I Sleep The Less I Dream“ – ein atmosphärisches Meisterwerk mit einer Klarheit, die das Vorgängeralbum „Unraveling“ vermissen ließ. Das mag auch mit der Rückkehr zum gitarrenlastigen, rohereren Ursprungssound zusammenhängen, bei dem auf Synthesizer verzichtet wird. Die Band findet zu alter Stärke zurück und kreiert zu viert Klangwelten, die ihres gleichen suchen.

Im Unterschied zur teilweise tanzbaren, mitreißenden Debütplatte erweist sich der Neuling allerdings als düsterer und zurückgenommener. Jedem Instrument aber insbesondere dem Gesang von Thompson wird Raum zur Entfaltung geboten. Letzterer funktioniert als zusätzliches Instrument; der Gesang fügt sich geschmeidig in den Jetpacks-Klangteppich ein und Texte beschränken sich auf Bilder, Gedankenschübe sowie Wiederholungen. Ein Paradebeispiel ist die verträumte Single „Hanging in“, die als eine der wenigen Songs auf einer Strophen/Refrain-Struktur basiert. Ein Song zum Wegdriften mit einem herausragenden Schlusspart.

You’re walking me, talking me, pushing me under the bus, you’re walking me, talking me, pushing me under the bus

Was die treuen Hörer der ersten Stunde vermissen werden, sind die ekstatischen Ausbrüche, wie sie auf den ersten beiden Alben noch zu finden waren. Statt auf große Knalleffekte legen die Jetpacks ihr Augenmerk vermehrt auf nuanciertes, sorgfältiges Songwriting. Das funktioniert in einzelnen Songs herausragend, führt aber dazu, dass die Stücke – auf die gesamte Albumlänge gesehen – etwas dahinplätschern. Da kann auch das rasante „Repeating Patterns” keine Abhilfe schaffen. Das Gesamtwerk verharrt zum großen Teil in der tristen, düsteren Stimmung.

Beachtlich gelingt die We Were Promised Jetpacks-Rückkehr. Die Band ist merklich gereift und weiß wieder, wo sie hinwill. Einen Hype wie zum Debüt-Album wird „The More I Sleep The Less I Dream“ mitnichten auslösen. Es entführt die Hörer aber auf eine emotionale Reise, auf der es einiges zu entdecken gibt. Ein Herbst-Album ohne echte Hits, aber mit düsteren, vielschichtigen Atmosphären und einem Sänger auf dem Höhepunkt seines bisherigen Schaffens.

Autor Lennart Sörnsen
Wohnort Hannover
Beruf Referent Jugendschutz
Dabei seit Juli 2016
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