Weezer – Weezer (Black Album)

Band Weezer
Musikrichtung Powerpop, Pop Rock
Redaktion
Lesermeinung
4.5

Als Warnung vorneweg: Nein, wieder kein neues Pinkerton. Weezer sind die Internet-Trolls der Musikindustrie, Rivers Cuomo ist ihr Anführer und selbstbenannte Platten nach allen Farben des Spektrums durchzudeklinieren ist ihr schon etwas in die Jahre gekommener Running Gag. Endlich erscheint nun das seit Ewigkeiten angekündigte schwarze Album, um Weezers Legendenstatus zu zementieren und den Platz in der Hall of Fame neben Metallica, Prince oder Jay-Z einzunehmen. Und weil Cuomo sich auch im Zeitgeist bestens auskennt (man siehe nur seinen Instagram-Meme-Account), feierte das Album seine Premiere ernsthaft im Online-Game Fortnite, auf der eigens erschaffenen Insel „Weezer World“. Nun, wenn sich schon mit der neuen Musik kein Blumentopf gewinnen lässt, muss wenigstens das Marketing sitzen.

Auf Album Nr. 13 haben bratzige Stromgitarren wie schon auf dem Vorgänger (der Cover-Album-Unfall wird an dieser Stelle einmal dezent ignoriert) weitestgehend Schweigepflicht, dafür fischt Cuomo in wieder anderen Pop-Gewässern. Und treibt dann auch gerne mal in Funk und R’n’B sein Unwesen: In „Can’t Knock The Hustle“ channelt er seinen inneren Mariachi, stilecht mit Bläserspur und Frauenchor und den ersten paar Wochen Spanischunterricht als dritte Fremdsprache. Sí sí, uno tequíla más, por favor. „Zombie Bastards“ ist dann unverschämt eingängiger und unverschämt einfacher Pop mit Reggae-Akustikgitarre und Dudeldu-Gesang, aber relativ lustig. „That’s right / music saved my life.“ Ganz bestimmt.

Aber schon bald tun sich natürlich Schatten auf am fröhlich pfeifenden Weezer-Firmament: „Living in L.A.“ ist generischer, sommerlicher Teenie-Pop auf Elektrobeat, den man dem mittlerweile 48-Jährigen einfach nicht abkauft – vor allem, weil der es tatsächlich ernst damit meint. Und eigentlich ist das auch schon sowas von 2018, Rivers. Auch die folgenden Tracks sind „Pacific Daydream“ auf Sparflamme („Piece of Cake“, „I’m Just Being Honest“), deren Wiedererkennungswert außer den Cuomo-Standard-Melodien aus dem Playmobil-Baukasten gegen Null tendiert. „Too Many Thoughts In My Head“ wenigstens treibt und gefällt, „The Prince Who Wanted Everything“ ist so egal, wie Musik nur sein kann.

Das Plattenhighlight „High As A Kite“ ist melancholischer und epischer. Piano in den Strophen, dann kommen die Streicher. Die Lyrics „Don’t you think I now what I’m worth? Why I gotta come down to earth?“ sind dabei durchaus wörtlich zu nehmen: Cuomo kann machen, was er will, und er kostet diesen Freiraum bis in kleinste Detail aus. Man kann ihm einfach nicht böse sein. Wenn er „Byzantine“ mit dem Windows Music Maker von ’99 programmieren will, dann ist das eben so. Wenn er einen Nicht-Song wie „California Snow“ als Closer haben will, bitteschön. Wenn er mal wieder ein durchschnittliches Album veröffentlichen will – so soll es geschehen.

Das Coole ist, dass Weezer von ihren alteingesessenen Fans immer und immer wieder eine neue letzte Chance bekommen werden, auch wenn bald das hellgraue, das lachsfarbene oder das lila-gelb-karierte Album folgen werden. Ob Cuomo die neue, jüngere Zielgruppe, in deren Richtung er mit austauschbarer Fahrstuhlmusik mal mindestens auf  jedem zweiten Album schielt, aber eines Tages wirklich erschließen wird, bleibt fraglich. Immerhin geht es als Nächstes mit den Pixies (und Basement!) auf Tour, um das 90er-Credibility-Konto wieder aufzuladen. Eine nennenswerte Erweiterung der Weezer’schen Diskographie ist die Schwarze nicht geworden, aber hey, heutige Relevanz der Band und somit auch echte Enttäuschung halten sich ja eigentlich jeweils in Grenzen.

Autor Ralf Hoff
Wohnort Frankfurt
Beruf Student
Dabei seit Oktober 2018
Deine Aufgabe bei Stageload Reviews
Top-Alben Jawbreaker - Dear You, Elliott Smith - Either/Or, The Smashing Pumpkins - Siamese Dream, Placebo - s/t, The National - Boxer/High Violet, Nirvana - In Utero
Die besten Konzerterlebnisse u.a. Black Rebel Motorcycle Club (Luxemburg), Cloud Nothings (Köln), Wolf Alice (Frankfurt) und ganz ganz viele Shows im Exhaus in Trier

Hinterlasse einen Kommentar