While She Sleeps – So What?

Album So What?
Label Spinefarm
Musikrichtung Metalcore
Redaktion
Lesermeinung
6.6666666666667

Dem Metalcore wird nur allzu oft Kreativitäts- und Innovationslosigkeit angekreidet und nicht selten auch gleich der baldige Untergang prophezeit. Nur will die Legende vom anstehenden Ende dieses Subgenres, das Größen wie Bullet For My Valentine, Killswitch Engage oder Parkway Drive hervorgebracht hat, nicht so recht zu dem Umstand passen, dass die Architects vor 10.000 Fans im Londoner Alexandra Palace spielen und Fans wie Presse vom Output der Briten hellauf begeistert sind. Oder eben zur Entwicklung von While She Sleeps, der Band, um die es hier gehen soll und die in den letzten Jahren nicht nur mit ihrer musikalischen Finesse aufgetrumpft ist, sondern auch in einem Maße ihren eigenen Stil entwickelt hat, wie es sicherlich nicht alltäglich ist. Entsprechend heiß erwartet ist „So What?“ – das vierte Studioalbum der Briten, welches dem 2017 erschienenen „You Are We“ folgt. Mit einer ähnlichen, wahrscheinlich sogar noch höheren Erwartungshaltung mussten die Architects im letzten Jahr umgehen und haben mit „Holy Hell“ ordentlich abgeräumt. Können While She Sleeps da mitziehen?

Um Genregrenzen oder Konventionen scheren sich die Briten erfreulicherweise weiterhin nicht. Ob nun die stellenweise unkonventionelle und genau in diesen Momenten besonders bestechende Gitarrenarbeit, wie das schrille Geschredder in „I’ve Seen it All“, kleine Rap-Einlagen (etwa in „Back of My Mind“) oder Choreinlagen, die sich ganz klassisch („Set You Free“), nach Wunsch aber auch geradezu mystisch-okkult („Anti-Social“) präsentieren – all dies ist aus einem Guss gefertigt und zeugt von viel Liebe zum Detail.

Im Sound von While She Sleeps finden sich vermehrt elektronische Spielereien, die sich butterweich einfügen und eigentlich niemanden stören sollten. Lediglich in „Inspire“ wirkt das Ganze ein wenig deplatziert.
Eines können While She Sleeps selbstverständlich noch immer blendend – mitreißende Hooks schreiben. Zwar geht es nicht ganz so pathetisch wie bei einem „Our Legacy“ oder „Four Walls“ zu, an packenden Sing-Alongs fehlt es trotzdem nicht. Ein kleiner Wehrmutstropfen könnte je nach persönlicher Vorliebe sein, dass die bereits angesprochene Gitarrenarbeit nicht mehr ganz so episch und melodisch daherkommt wie beim Vorgänger „You Are We“. Führt man sich nochmal Songs wie „Hurricane“ oder den Titeltrack des letzten Albums zu Gemüte, fällt auf, dass While She Sleeps solche Bombast-Riffs, die den Hörer mit ihrer Erhabenheit beinahe zu erschlagen drohen (was in diesem Zusammenhang aber durchaus Spaß macht), nicht abgeschafft (siehe zum Beispiel „Good Grief“), aber zurückgefahren haben. Dafür gibt’s ein Mehr an exotischen Riffs, wie in „I’ve Seen it All“ oder im progressiv angehauchten „So What“.

Aber damit sind While She Sleeps letztlich nur konsequent. Denn bisher hat sich die Band mit noch keinem Album selbst kopiert und nun schafft sich eben „So What?“ einen eigenständigen und unverwechselbaren Platz in der Diskographie der Band. Welche Platte man nun bevorzugt, hat wohl vor allem etwas mit dem persönlichen Geschmack zu tun.

 

 

Autor Joshua Claaßen
Wohnort Goch
Beruf Schüler
Dabei seit Oktober 2015
Deine Aufgabe bei Stageload Reviews
Top-Alben Ständig im Wandel, zu meinen Favoriten gehören aber auf jeden Fall: Stick To Your Guns - Diamond, Being As An Ocean - How We Both Wondrously Perish / Dear G-d, The Ghost Inside - Get What You Give, The Amity Affliction - Let The Ocean Take Me
Die besten Konzerterlebnisse Kann ich mich nicht festlegen, Stick To Your Guns und Being As An Ocean sind live aber immer ein absolutes Highlight!

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