White Crane – Common Grounds

Label -
Musikrichtung Indie, Emo
Redaktion
Lesermeinung
5

Wenn sich Menschen der Generation Ü30 noch einmal dazu entschließen eine Band zu gründen, kann das schnell nach vorgezogener Midlife-Crisis klingen. Sich trotz stressigem Beruf und Familienleben noch einmal jung und frei fühlen. Der Traum, irgendwann doch noch auf den großen Bühnen der Welt zu stehen. In der Realität sieht das Ganze dann aber schnell anders aus. Dann ist es lediglich die kleine Erhöhung auf dem nächsten Stadtfest – wenn überhaupt.

Bei White Crane verhält sich das alles ein wenig anders. Zwar sind die fünf Herren auch nicht mehr Anfang 20. Doch klingen sie auch nicht, als wollten sie es unbedingt sein. Sie stehen vielmehr mit beiden Beinen im Leben, bringen auch aus früheren Bandprojekten Erfahrung mit und melden sich nun nach ihrer Debüt-EP „good luck then, your truly“ von 2013 mit „Common Grounds“ zurück. Und ob der nur allzu hörbare Einfluss der Emo-Heroen Jimmy Eat World und Texas Is The Reason nun daher kommt, dass die White Crane-Mitglieder diese Bands wahrscheinlich auch schon in deren Hochphasen live erlebten, sei hier einmal hintenangestellt.

Rechnet man das Intro mit – und es wäre ein fataler Fehler es nicht zu tun – umfasst das neue Werk sechs Songs. Auf insgesamt etwa 24 Minuten lassen die Münsteraner ihre Musik sich wie bei einer Jam-Session entwickeln – das Ziel dabei beinahe unvorhersehbar. Einen roten Faden scheint es dennoch irgendwo zu geben. Gut versteckt zwischen sattem Bass, schönen Gitarrenmelodien und der heiser-hochemotionalen Stimme von Frontmann Hilmar Duin. Wie eine Indie-Version von Hymnenmeister Nathan Gray singt sich der Mann durch fünf Songs – nur beim Intro überlässt er seinen Bandkollegen die Bühne.

Sei es nun das bekannte Spiel mit der Dynamik, oder dass sich die Mitglieder lang genug kennen, um die Stärken und Schwächen der jeweils anderen perfekt nutzen zu können. Der Fakt, dass sich selbst die überlangen Songs „Serpentine“ und „Breaking The Frame“ lange nicht wie fünf beziehungsweise viereinhalb Minuten anfühlen, sollte bei Musik, die den gemeinen Hörer schon seit den 90ern begleitet, für sich sprechen. Manchmal ist es eben doch keine so schlechte Idee, nochmal eine Band zu gründen, wenn man schon eine gewisse Lebenserfahrung aufweisen kann.

Autor Leonie Wiethaup
Wohnort Nähe Münster
Beruf PR-Assistenz
Dabei seit Februar 2015
Deine Aufgabe bei Stageload Reviews, Interviews, News, Gewinnspiele
Top-Alben Apologies, I Have None - London; The Wonder Years - No Closer To Heaven; Cold Reading - Sojourner; Shoreline - You Used To Be A Safe Place; Twoonacouch - And I Left
Die besten Konzerterlebnisse Jimmy Eat World @ Skaters Palace, Münster, Frank Carter & The Rattlesnakes @ Dour Festival, The M-Pire Strikes Back-Festival 2016

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