William Elliott Whitmore – Field Songs

Album Field Songs
Musikrichtung Folk, Blues
Redaktion
Lesermeinung
7

William Elliott Whitmore ist Anfang Dreißig, seine Stimme zerfressen von Alkohol und den Bürden des Lebens. „Field Songs“ ist der Titel des fünften und wohl puristischsten Albums des Singer-Songwriters aus dem mittleren Westen der Vereinigten Staaten.
Schon auf seinen vorherigen Alben hat Whitmore klar gemacht, dass er nicht viel braucht um zu begeistern: Seine Stimme und sein Banjo reichen vollkommen aus. Dieses Rezept findet auch bei seinem neuen Album Verwendung, auf welchem er lyrisch seine Kindheit und Jugend auf einer Farm in Iowa verarbeitet.

Während der Opener „Bury Your Burdens In The Ground“ die Liebe Whitmores zum Blues und Gospel widerspiegelt sowie den Hörer auffordert, die Lasten und Bürden des Lebens in Schmutz und Dreck zu vergraben, spricht er im Titeltrack „Field Songs“ ohne große Kompromisse eben diese Bürden an, die er schon in seiner frühen Kindheit auf der elterlichen Farm, teils auch am eigenen Körper, erleiden musste: „Let‘s go the the field, we‘re gonna do some work. Spend our day digging in the dirt.“
Und man nimmt es ihm ab, man nimmt ihm alles ab. Whitmore‘s Stimme ist wie eine Karte, auf der alles verzeichnet ist, was er durchgemacht hat. So erscheint einem beim Hören alles unglaublich nah, selbst die in „We‘ll Carry On“ geschilderte Traurigkeit, die schon Jahre zurückliegt. Hier besingt Whitmore den frühen Verlust seiner Eltern, den er mit seiner Verbundenheit zur Natur kompensiert oder es zumindest versucht: „The birds are still singing.“
Ganz anders „Let‘s Do Something Impossible“: Mit Verweis auf die Französische Revolution macht Whitmore Hoffnung. Hoffnung zum Ausbruch aus verkrusteten Strukturen. Whitmore ist stark in der Folk-Bewegung verankert, unverkennbar die Parallelen zu Springsteen und seinem „Nebraska“.

„Field Songs“ ist, wie auch schon die letzten Alben von William Elliott Whitmore, ein höchst melancholisches Werk. Man findet viele düstere Stellen, an denen man die Verzweiflung und Trauer förmlich im Gehörgang spürt. Andererseits schwingt aber immer ein Funken Hoffnung mit, der in so mancher Minute ein wahres Feuer entfacht, dass zum Aufbruch anregt. Whitmore hat die nahezu perfekte Balance zwischen Schmerz und Zuversicht mit seinen „Field Songs“ gefunden, das hört man in jeder Sekunde.
Was 1982 „Nebraska“ von Bruce Springsteen war, das ist 2011 „Field Songs“ von William Elliott Whitmore: Heimatverbunden, authentisch und voller Melancholie.

Autor Patrick Siegmann
Wohnort Göttingen
Beruf Doktorand
Dabei seit September 2009
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Top-Alben Viel zu viele. "Songs To Scream At The Sun" von Have Heart ist aber definitiv eines von den Alben, die mich am meisten geprägt haben.
Die besten Konzerterlebnisse Auf jeden Fall vorne mit dabei: Have Heart, Shipwreck AD, Rise And Fall und AYS in der Roten Flora in Hamburg, Juli 2009

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