Wire Love – Leave The Bones

Band Wire Love
Musikrichtung Post-Hardcore
Redaktion
Lesermeinung
5.75

Ein Phoenix erhebt sich für gewöhnlich aus der Asche. Dieser hier setzt sich aus ehemaligen Mitgliedern von Ritual und Orbit The Earth zusammen – und strebt geradewegs gen Firmament. Wire Love pressen mit „Leave The Bones“ mit Adrenalin angereichertes Blut in die Venen des deutschen Post-Hardcore.

Viel Spielzeit benötigt diese Platte nicht, um klarzustellen, dass die Münsteraner Freunde klarer Ansagen sind. Am besten gefällt ihnen ihr Post-Hardcore nämlich, wenn er ordentlich Krawall macht. Dabei bolzt das Quartett aber nicht blind geradeaus, denn auch was am Wegesrand steht, wird in bester Converge-Manier mit fiesen Knüppelattacken bedacht und niedergemäht. Pate hierfür steht vor allem das großartig voran preschende „Luminance Forever“. „Leave The Bones“ drückt wie eine Dampfwalze á la The Dillinger Escape Plan, die es versteht, zeitweise auch ruhigere Klangteppiche über ihren brachialen Sound zu breiten – ohne dabei an Intensität einzubüßen.

Vielmehr haben die Jungs einen Weg gefunden, wie sie die drückenden Grooves um atmosphärische und melodische Parts anreichern, die zeitweise von gesprochenen Sequenzen oder dem wahnsinnigen Geschrei, das sich durch das gesamte Album zieht, untermalt werden. Und gerade diese rohe Verzweiflung, diese erschütternde Aggressivität, die der Gesang transportiert, gibt „Leave The Bones“ einen grausam emotionalen Anstrich, der den Hörer immer tiefer in den dämonischen Strudel dieser neun Songs zieht. „Das Leben kann entmutigend sein, sogar beängstigend. Manchmal fühlt man sich, als würde man die einzelnen Puzzleteile seiner Existenz einsammeln und versuchen sie zusammensetzen, nur um festzustellen, dass dieses geflickte Mosaik irgendwie grotesk wirkt,“ sagt Gitarrist Julian De Manos in einem Interview über das neue Album seiner Band. „Das ist ein fürchterlicher Geisteszustand und darum geht es auf „Leave The Bones“. Alles ist endlich, nichts ist gewiss.“

Daran, diese Stimmung so eindrucksvoll wie möglich zu vermitteln, hat nicht zuletzt auch der klare und doch pressende Klang einen ganz großen Anteil: Seinen druckvollen Sound bekam das Album in der Tonmeisterei in Oldenburg verliehen. Bei der Angriffslust, die „Leave The Bones“ über seine Laufzeit versprüht, kann das vorab veröffentlichte „Bones“ fast mit dem Legen einer falschen Fährte verglichen werden. Dabei zeigt der Song im Albumkontext jedoch auch eindrücklich, wie vielseitig diese Band agiert – und wie viel Schönheit sich am Ende dieses brachialen Machwerks verstecken kann. Ein weiteres Beispiel für die besonderen Momente auf dieser Platte ist die Art, wie die Band den Opener „Symmetry“ fast schon tänzelnd gegen Ende ausklingen lässt. Das ist einfach großartiges Songwriting. Weil es so einfach erscheint und doch so viel mehr dazu nötig ist.

„Leave The Bones“ bringt alles mit, was ein großartiges Album benötigt – und noch mehr. Mit jedem Durchlauf ihres neuen Machwerks zeigen Wire Love, wie viele Ideen, Gedanken und Emotionen sie in diese Songs gepackt haben. Wäre der Sound nicht so kompromisslos brutal, würde man ihn glatt umarmen wollen

Autor Andreas Steiner
Wohnort Stuttgart
Beruf Redakteur
Dabei seit März 2011
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