Exklusiv: Blackout Problems – Track-by-Track zum neuen Album „Kaos“

Exklusiv: Blackout Problems – Track-by-Track zum neuen Album „Kaos“

Wir präsentieren euch exklusiv das Track-by-Track zum neuen Blackout Problems-Album „Kaos“.

Mit „Kaos“ veröffentlichten die Blackout Problems heute ihr neues Album über Munich Warehouse / Cargo Records. Vor zwei Jahren kam die Band quasi wie aus dem Nichts und schaffte mit ihrem Debütalbum „Holy“ auf Anhieb den Sprung in die deutschen Charts. Unzählige Konzerte, Festivalauftritte und Touren mit unteranderem Apologies, I Have None oder Jennifer Rostock später, hat sich die Münchener Alternative Rock-Band mit „Kaos“ nicht nur hörbar weiterentwickelt, sondern gleichzeitig auch befreit: Nichts wurde kopiert, nichts kategorisiert – eine Auseinandersetzung der Band mit ihren eigenen Dämonen. All das verdeutlicht auch das nachfolgende Track-by-Track von Sänger Mario, in welchem dieser seine Gedanken und Erinnerungen an die Entstehung der Songs auf „Kaos“ zusammenfasst:

1. How Are You Doing?
„Follow me into the gutter“ – Der Song ist in Dresden entstanden und war tatsächlich die erste Nummer, nach der ich überzeugt war, etwas für unser neues Album geschrieben zu haben. Ich habe davon ein kleines Handy-Demo gemacht und an Michi geschickt (unser Drummer). Bis heute kam zwar keine Antwort, aber immerhin ist der Track jetzt der Opener. Das ist die ehrlichste Art und Weise wie wir KAOS beginnen konnten.

2. KAOS
„I’ve slept in dirty sheets“ – Der Song ist im Proberaum unserer Freunde Smile & Burn in Berlin entstanden mit unserem Produzent Philipp Koch von der Band Heisskalt. Wir wollten unbedingt neues Terrain begehen mit der Platte und nachdem die ersten gepitchten Stimmen im Demo auftauchten, wussten wir, dass wir auf dem besten Wege sind, etwas zu erschaffen, dass wir so noch nicht gehört haben.

3. 911
„If you want more, we can take more“ – So einfach es auch klingen mag: manchmal hilft es Dinge einfach auszudrücken. Und so haben diese acht Worte so viel von dem auf den Punkt gebracht was mich beschäftigt hat. Alles wird schon irgendwie klappen und seinen Weg finden, für alles gibt es eine Lösung. Wäre da nicht die süße Gier nach mehr, mehr, mehr.

4. Difference
„Countless hours on the phone“ – Kennst du dieses Feststecken in Lebenssituationen die scheinbar zu gut sind um sich von den Umständen zu lösen und aber doch irgendwie nicht ausreichen mögen um dich glücklich zu machen?
Ein Funfact: Wir haben im Unterbewussten im Chorus sofort die Stimme von Philipp Müller von Smile & Burn gehört. Auf unserer Feature CD KAOX singt er das Teil. Oh, schon das zweite Mal, dass sich diese Band hier ins Interview zeckt. Unglaublich.

5. Limit
„There’s common ground for mistakes like us“ – Jede Band, jede Gruppe, jede Freundschaft braucht dieses Lied, dass einem sagt: es hat alles seinen Grund und es wird weiter gehen wenn du das willst. Das hier ist zur Zeit unseres.

6. Kontrol
„Nothing left to be proud of“ – Punkt.

7. Queen
„Things were packed up faster than they’d found a place in my KAOS“ – Erst nachdem der Albumtitel mit einem feierlichen „Okay“ beschlossen wurde, ist mir aufgefallen wie er sich, wie von selbst, in mehreren Songs versteckte. Wenn so was über einen Zeitraum von 1,5 Jahren im Songwriting immer wieder passiert, ist das allein schon ein verdammt guter Grund das Album KAOS zu nennen.

8. Sheep in the Dark
„The great white north, now dirty & grey“ – Die Pole schrumpfen, die Gletscher schmelzen, Al Gore tut sein Bestes, Trump & VW auch auf ihre Weise. Dazwischen sitzt ein Kerl mit Liebeskummer, dem nicht entgeht, dass das sich im Großen und Ganzen recht selten sich wirklich alles um das Große und Ganze dreht. „I burn down the house, that i grew up in.“, steht für mich für den Wohlstandsverfall der Welt. Wir hätten alles was wir brauchen, aber Ego, Gier und Machthaberei verbauen den Weg auf ein gesundes, globales Miteinander. Daneben stürze ich mich in eigene Dramen, die nicht nötig wären, weil der Hang zum Destruktiven auch irgendwo in mir schlummert.

9. Holly
„Why can’t we start this over?“ – Auch wenn mir die Gründe längst bekannt sind, sie Sinn machen und auch gut sind wie sie sind, wird man das doch noch mal fragen dürfen. Wenn schon nicht in der Realität, dann doch zumindest in einem Liebeslied.

10. Sorrow
„I’m deeply disgusted“ – viel mehr wollte ich über den Rechtsruck & die manischen 13% der angeblichen Alternative nicht sagen. Dennoch ist mit „Sorrow“ einer der längsten Texte auf dem Album entstanden. Ein klassisches Beispiel für das Hin und Her zwischen dem politischen und dem persönlichen KAOS, dass 2017 jegliche Aufmerksam in seinen Bann zog. Auch 2018 ist davon zu viel übrig, ohne dass es so aussieht, als hätte der Spuck in absehbarer Zeit ein Ende. Eigentlich sollten es doch mittlerweile alle verstanden haben, dass man aus der Vergangenheit und aus etlichen gescheiterten Utopien der rassistischen Garde was gelernt haben sollte. Nicht mehr und auf keinen Fall weniger als: nie wieder.

11. Gutterfriends
„I get bored by limits, love rules when i break them.“ – Von meiner Haustür bis in den Proberaum fahre ich mit 5 (!) verschiedenen öffentlichen Verkehrsmitteln. Der 62er, die S4, die U2, die U3 und wenn ich Glück habe erwische ich den äußerst unklug getakteten 54er. Meistens wird aus dem 54er aber einfach ein 12 Minuten Marsch von der U-Bahn zum Paradies. Einem Raum ohne Heizung, ohne Fenster, in dem es bei starkem Regen feucht wird und in dem seit neuestem eine Maus wohnt. Irgendwann wurden mir die täglichen Hin- und Herfahrten zu dumm und ich bin einfach dort geblieben. Nach 5 Nächten auf der Couch, waren meine Haare kaum mehr als eine klebrige Masse und der Text zu Gutterfriends stand mit Edding auf einer alten Tischplatte. Die Platte steht heute noch in unserem Raum, versteckt hinter Schrott. Schöne Erinnerung.

12. Charles
„You were my Daisy Miller, my Holly Golightly“ – Henry James und Truman Capote haben es in Daisy Miller und Breakfast at Tiffany’s mit literarischem Feingefühl geschafft eine Liebe zu einer Frau auf den Punkt zu bringen, aus der nie mehr und nie weniger wird, als die besagte Liebe zu ihr. Wie man so schrecklich schön verliebt sein kann, ohne, dass die Lebensumstände mehr zulassen, als eben jenes schrecklich-schön verliebt zu sein. Klar wäre es völlig vermessen hier einen Vergleich zwischen den drei Textautoren zu ziehen. Aber als Inspiration kann man es gerne stehen lassen. Ich bilde mir ein, mitfühlen zu können.

Blackout Problems live:

21.06.18 DE – Neuhausen ob Eck – Southside
06.07.18 DE – Straubenhardt – Happiness Festival
13.07.18 DE – Haunetal – Haune Rock
14.07.18 DE – Witten – Wiesenviertelfest
20.07.18 DE – Düsseldorf – Goldmucke, Unter den Linden
22.07.18 DE – Cuxhaven – Deichbrand Festival
27.07.18 DE – Bausendorf – Riez Open Air
28.07.18 DE – Schrobenhausen – Noisehausen
03.08.18 DE – Elend – Rocken am Brocken
04.08.18 DE – Borkheide – Baum & Borke Open Air
09.08.18 DE – Eschwege – Open Flair Festival
19.08.18 DE – Karben – Karben Open Air
24.08.18 DE – Wirges – Spack Festival
08.09.18 DE – München – BR Startrampe

02.11.18 CH – Zürich–Dynamo
10.11.18 DE – Hannover–Chez Heinz
14.11.18 DE – Leipzig–Naumanns
16.11.18 AT – Wien –Chelsea
22.11.18 DE – Dresden–Groove Station
23.11.18 DE – Rostock–Peter Weiss Haus
24.11.18 DE – Osnabrück–Bastard Club
26.11.18 DE – Dortmund–FZW

Foto: Ilkay Karakurt

Autor Patrick Siegmann
Wohnort Göttingen
Beruf Doktorand
Dabei seit September 2009
Deine Aufgabe bei Stageload Koordination Reviews, News
Top-Alben Viel zu viele. "Songs To Scream At The Sun" von Have Heart ist aber definitiv eines von den Alben, die mich am meisten geprägt haben.
Die besten Konzerterlebnisse Auf jeden Fall vorne mit dabei: Have Heart, Shipwreck AD, Rise And Fall und AYS in der Roten Flora in Hamburg, Juli 2009

Hinterlasse einen Kommentar