In Memory Of: Underground in Köln-Ehrenfeld

In Memory Of: Underground in Köln-Ehrenfeld

Nach 29 Jahren hat das Underground in Köln-Ehrenfeld nun für immer seine Tore geschlossen. Nur wenige Monate vor dem beeindrucken 30-jährigen Jubiläum muss die legendäre und überregional bekannte und geschätzte Venue schließen. Nicht für wenige war das Underground eine der Lieblingslocations – und das, obwohl die Räumlichkeiten zumindest teilweise kaum unglücklicher geschnitten sein konnten. An der Vogelsangerstraße haben sich Bands wie AYS, Nasty und Title Fight die Ehre gegeben. Ebenso wie Have Heart, Trash Talk, die Flatliners oder Defeater. Und Touché Amoré waren in der Venue sowieso ein Pflichttermin.

Wir bedauern sehr, dass wir nach 29 Jahren das legendäre Underground schließen müssen und damit eine Ära zu Ende geht. Das stimmt nicht nur die Kölner traurig, da das Underground weit über die Tore Kölns hinaus als legendäre Konzert- und Partylocation bekannt ist“, sagt Micki Pick vom Underground und dem hat auch die Stageload-Redaktion kaum etwas hinzuzufügen. Bis auf gern geteilte Erinnerungen an einige der schönsten Abende, die wir in Köln-Ehrenfeld verbringen durften.

Underground – wir vermissen dich schon jetzt!



 Ines Kirchner:

Als ich noch in NRW lebte, zählte das Underground zu meinen liebsten und meistbesuchten Konzertorten. Es klingt pathetisch, aber es ist gewissermaßen das Sinnbild meiner Jugend- Jahre, eine Zeit, in der sich mein Musikgeschmack noch schneller änderte als meine Haarfarben. Das zeigt auch die Auswahl der insgesamt 16 Shows, die ich von 2008 bis 2013 dort besuchen durfte und ich nur zu gern Revue passieren lasse.

Vom Ruhrgebiet aus gab ein Underground-Besuch Anlass für einen aufregenden Ausflug in die große Stadt, der dank ungünstigem Zugfahrplan bereits um 22 Uhr enden musste. Ich erinnere mich noch gut An The Blackout mit Sänger Sean Smith als perfektem Vertreter der Emo-Scene, an den Schweiß in der ersten Reihe bei 36 Crazyfists oder die verzaubernden Stimmen von Eyes Set to Kill. Unvergessen bleibt natürlich auch die letzte Have Heart Deutschland-Show, die einen festen Platz in meinem Herzen hat.

Von Bonn aus war das Underground dann die schnell erreichbare Location mit der perfekten Größe und lauter bekannten Gesichtern. Trash Talk hab ich mir gleich zweimal im Underground angeschaut, beide Male war’s ein großer Abriss, AYS gingen auch immer gut. Der Auftritt von Ceremony im kleinen Underground II war ein Fest, im „normalen“ Underground wiederum eher gediegen. Die Show von Casper und Kraftklub war mickrig im Vergleich zu den großen Hallen, die sie heute bespielen, und vermutlich genau deswegen so gut.

Natürlich kann ich nicht alle Konzerte im Underground zu Highlights deklarieren: An Converge, Rise & Fall und Oathbreaker erinnere ich mich irgendwie gar nicht mehr. Kill Hannah wiederum sind mir nur im Gedächtnis geblieben, weil der Abend danach im Bootshaus endete. Trap Them fand ich damals langweilig und Verse auch eher durchwachsen. Wieso ich bei Crockstahzumjot (Cro, Rockstah, Ahzumjot) war, erklärt sich mir im Nachhinein sowieso gar nicht.

Doch die schönen Erinnerungen überwiegen ganz klar und hallen seit vielen Jahren nach. Danke dafür, liebes Underground! Es ist unfassbar schade, dass nicht einmal die Möglichkeit besteht, „10 Jahre Stageload“ in dir zu feiern.



 Jannik Holdt:

Die Schließung des Undergrounds hinterlässt in Köln eine große Lücke. Für mich persönlich war es die meist besuchte Location in Köln. Ich hatte das große Glück in den letzten acht Jahren unzählige Shows in der Vogelsanger Str. 200 miterleben zu dürfen – viele davon als Fotograf für Stageload. Das Underground bot die perfekte Größe, um namenhaften Bands einen Auftritt in familiärer Atmosphäre und mit direktem Publikumskontakt zu ermöglichen, die sonst womöglich in Läden mit Wellenbrechern und Absperrgittern gespielt hätten.

Gerne erinnere ich mich zurück an unfassbar heiße und verschwitzte Abende unter anderem mit Comeback Kid in Originalbesetzung (Ten It Around-Tour 2013), Trash Talk (2013) und Set Your Goals (2009 & 2012) oder die Reunion-Show von Modern Life Is War (2015). Underground – you will be missed!



 Have Heart (Last GER-Show), Rise and Fall, Shipwreck:

„Gutes Konzert, viele Leute, kleiner Club (der auch besser als Kniescheibenzertrümmerer bekannt ist) und gutes Essen – schöner Abend!“



 Maik Seehöfer:

Trash Talk im Underground 2013. Diese Show war mental! Auch werde ich nie vergessen, wie Parkway Drive zwei Shows an einem Tag im Underground zusammen mit Bury Your Dead gespielt haben. Jetzt wo sie so groß sind und Wellenbrecher nicht mehr wegzudenken sind, bin ich doch sehr dankbar, diese kleine, verschwitzte und intime Show miterlebt zu haben. Ebenso unvergesslich der Abend mit CKY, die das zweite Mal in Köln aufgetreten sind. Mitten im Set kam dann noch Bam Margera auf die Bühne und hat einen Song mitgesungen. Da es ja nur eine Möglichkeit gibt, im Underground zur Bühne zu kommen, wusste man natürlich sofort, wo man hingehen muss, um kurz mit Bam quatschen zu können, nachdem er die Bühne verlässt. Ich werde Auftritte von Bands wie AYS, Black Friday 29, Title Fight, Balance And Composure nie vergessen. Das Underground war immer eine meiner Lieblingslocations!



 Leonie Wiethaup:

Eigentlich hat man als Punk-/Emo-/Hardcore-/Alternative-/was-auch-immer-Fan in Münster alles, was man braucht. Die Szene mag vielleicht nicht die größte sein, aber sie gehört wahrscheinlich zu den familiärsten (obwohl das wohl jeder über seine eigene sagen würde). In Münster hilft jeder jedem. Kleinsprojekte von Einzelpersonen werden genauso unterstützt wie eigens veranstaltete Shows oder die lokalen Venues – von den unzähligen Bands im Umland ganz zu schweigen. Die Vernetzung der Musikszene könnte auch durch die ansässigen Labels wie Uncle M Music oder This Charming Man Records kaum besser sein; früher oder später bekommt man seine Lieblingsbands schon zu sehen. Man könnte leicht behaupten, Münsteraner seien verwöhnt (und würde damit nicht einmal lügen) – und doch war es für mich in der Vergangenheit nicht genug.

Mit dem Regionalzug fährt man zwei Stunden von Münster bis nach Köln und die Verbindungen nachts sind die reinste Katastrophe – auf mich genommen habe ich dieses Abenteuer in den vergangenen Jahren aber nicht nur oft, sondern auch gerne. Ich wusste, wenn ich für eine Show ins Underground gehe, dann lohnt es sich!

Meine „Premiere“ habe ich mit Atlas Losing Grip, Smile And Burn und Idle Class gefeiert. Das muss man sich mal vorstellen: Mehrere Stunden Zugfahrt mit nervigen Sitznachbarn, um eine Band zu sehen, die man bis dato kaum kannte, eine, die quasi immer auf Tour ist, und eine, die von „umme Ecke“ kommt – total bescheuert. Unglaublich schön war es trotzdem. Wenige Wochen später hat meine Stageload-Zeit begonnen und mein Reporter-Debüt folgte kurz darauf im Underground: Adam Angst, KMPFSPRT und Smile And Burn mal wieder. Wenn ich mir so den Bericht von damals durchlese, möchte ich zwar die Hände vor Scham über den Kopf zusammenschlagen, aber unterschreiben kann ich den Text noch immer: Es war ein toller Abend, an den ich jederzeit gerne zurückdenke.

In den vergangenen Jahren durfte ich miterleben, wie Title Fight die perfekte Balance zwischen ihren Hardcore-lastigen ersten beiden Alben und ihrem shoegazigen dritten Album gelang. Wie es The World Is A Beautiful Place & I Am No Longer Afraid To Die schafften, mehreren hundert Menschen den Atem zu verschlagen – nicht etwa wegen ihrer unglaublichen Show (sie sind live schließlich nicht die spannendste Band), sondern wegen ihrer Bühnenpräsenz und den starken Emotionen, die den Raum schlagartig erfüllen.

Ein Abend im Underground hat für mich immer viel Aufwand bedeutet. Ich wusste, es würde anstrengend werden und ich würde erst spät in der Nacht nach Hause kommen. Ich wusste aber ebenso, dass es die Mühe allemal wert ist. Obwohl ich nach wie vor eines dieser schrecklich verwöhnten Münsteraner Punk-/Emo-/Hardcore-was-auch-immer-Kids bin, und als solches gar nicht das Recht habe, mich über die lokale Auswahl an Shows zu beschweren, werde ich dich vermissen, liebes Underground. Die Abende bei dir haben mich geprägt – danke für alles.



 Fotos:

Have Heart (Last GER-Show), Rise and Fall, Shipwreck – 24.07.2009 (inkl. Bericht)Nasty, Billy the Kid, Cunthunt777, Redrum Inc – 03.10.2009xAFBx, Awaken Demons, Wolfcity, Copykill – 14.11.2009Trash Talk, Rolo Tomassi, Throats – 03.04.2010Antitainment, The Dimensions – 12.07.2010We Came As Romans, The Word Alive und This or the Apocalypse – 14.05.2011Every Time I Die, Cancer Bats, Set Your Goals, Make Do And Mend – 02.05.20127 Seconds / On The Run – 12.08.2012Ceremony – 14.08.2012Polar Bear Club, KMPFSPRT, City Light Thief – 24.08.2012The Amity Affliction, Landscapes, In Hearts Wake – 07.09.2013Letlive, Night Verses, The American Scene – 03.10.2013Your Demise, Betrayal, Coldburn – 16.10.2013Converge – 08.08.2014Modern Life Is War, Birds In Row – 17.04.2015Defeater, Client., Kids Insane, Sleepers – 14.07.2015Touché Amoré, Loma Prieta, Dangers – 08.08.2015JUDGE, Anchor – 14.08.2015Endless Heights – 31.08.2015Counterparts, Senses Fail, Capsize – 28.09.2015Zebrahead, Templeton Pek, Man With A Mission – 28.10.2015Emil Bulls, Electric Love, Tim McMillan – 15.11.2015Cancer Bats, Lord Dying – 22.02.2016Marathonmann, Wolves Like Us – 02.04.2016Landscapes, Capsize, Giants – 08.05.2016Moose Blood, PUP – 14.09.2016Blackout Problems, Smile And Burn, Niko Laska – 29.10.2016Chelsea Grin, Betraying The Martyrs, Make Them Suffer, Void of Vision – 06.02.2017Busted, Elias – 16.03.2017We Are The Ocean, Rob Lynch – 19.03.2017Miss May I, Within The Ruins, Aversions Crown, We Scrape The Sky – 20.08.2017



 Berichte:

Trash Talk, Rolo Tomassi, Throats – 05.04.2010Converge, Rise & Fall, Oathbreaker – 13.06.2011Swing Kids / Blue Note, Ceremony – 29.07.2011Trash Talk, AYS, In Circles – 30.06.2013A Wilhelm Scream, The Flatliners – 19.08.2014Adam Angst, KMPFSPRT, Smile And Burn – 10.03.2015Title Fight, Drug Church, Milk Teeth – 23.05.2015The World Is A Beautiful Place & I Am No Longer Afraid To Die, mewithoutYou – 30.01.2016Crooks, Boston Manor, Unsaid, Sleepers – 21.02.2016

Autor Leonie Wiethaup
Wohnort Nähe Münster
Beruf PR-Assistenz
Dabei seit Februar 2015
Deine Aufgabe bei Stageload Reviews, Interviews, News, Gewinnspiele
Top-Alben Apologies, I Have None - London; The Wonder Years - No Closer To Heaven; Cold Reading - Sojourner; Shoreline - You Used To Be A Safe Place; Twoonacouch - And I Left
Die besten Konzerterlebnisse Jimmy Eat World @ Skaters Palace, Münster, Frank Carter & The Rattlesnakes @ Dour Festival, The M-Pire Strikes Back-Festival 2016

Kommentare

  1 kommentar

  1. Julian

    Nicht zu vergessen der Special-Gig von No fun at all im Underground als Pre-Show von https://www.youtube.com/watch?v=VOB7cKu1eZU

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