Kurzreviews: April ’18

Kurzreviews: April ’18

Trail Of Lies – W.A.R
Farewell Records / Edgewood Records

“W.A.R“ ist nicht nur der Titel der jüngst erschienenen Scheibe von Trail Of Lies sondern beschreibt auch ziemlich genau was einen musikalisch erwartet. Extreme fiese Riffs, schleppende Drums und eine tief grölende Stimme wüten wie ein Orkan über 8 Tracks, die den blanken Hass schüren. Jedoch wird es ziemlich schnell eintönig, was dem Ganzen auf Dauer leider einen recht bitteren Beigeschmack gibt. Aber! – Wer seine Aggressionen nicht unter Kontrolle und bock hat jemanden im Pit zu vermopsen, der ist hier absolut an der richtigen Adresse. (5/8) – Manuel Lohschmidt

Drangsal – Zores
Caroline

„Kontroverse und trotzdem gute Musik machen, das findet man hier nur okay, wenn es Oasis ist“, gab Max Gruber 2016 im Stageload-Interview zu Protokoll – wohlwissend, dass eine stattliche Portion Lobeshymnen für sein Debütalbum da längst im Anflug oder bereits angekommen waren. Bescheidener ist er seitdem kaum geworden, zahmer sowieso nicht. Obgleich es ihn sicher hart getroffen haben dürfte, jegliche Chancen auf einen Echo verschwinden sehen zu müssen. Auf „Zores“ wartet nun abermals ein herrlich wandlungsfähiger und spielfreudiger Gruber. Mal klingt er auf „Turmbau zu Babel“ wie ein verschrobener Farin Urlaub („Gib mir doch bitte deinen Kuss, die Lippe wünscht Zusammenschluss“), dann brilliert er auf „Jedem das Meine“ – eine kratzbürstige Indie-Pop-Hymne mit dem unverkennbaren, fein-verqueren Gruber-Charme.

Amtssprache ist neuerdings Deutsch. Nur noch selten singt Gruber auf Englisch, etwa in „All The Poor Ships At Sea“, das nicht zufällig wie ein waschechter (und verdammt guter) Smiths-Song daherkommt. Auch in seiner Muttersprache liefert der werte Herr munter weiter clevere Pop-Perlen ab („Sirenen“ / „Magst Du Mich“). Und feine Zeilen singt er ohnehin: „Die heutige Musik, ein Parasit für die Hirne der Republik. Sie ist nicht mehr das, was sie früher war“. („Weiter So“) Den prächtig aufgetakelten Post-Punk aus „ACME“ würde man übrigens in Zukunft gerne noch öfter hören. Sollte machbar sein, der junge Mann aus dem beschaulichen Pfalz-Kaff hat schließlich noch viel vor. Und vielleicht bekommt Deutschland ja einmal einen halbwegs ernstzunehmenden großen Musikpreis. Ein Geheimtipp wäre Drangsal spätestens jetzt nicht mehr.  (5/8) – Benjamin Fischer

Between The Buried And Me – Automata I
Sumerian/Warner

Auf Automata I dreht sich alles ums Kopfkino: Between The Buried And Me erstellen auf dem auf zwei Teile angelegten Konzeptalbum das gruselige Szenario, was wäre, wenn Menschenträume angezapft und zu Entertainment-Zwecken für ein immer anspruchsvolleres Publikum missbraucht werden würden. Diese wahnwitzige Vorstellung verpackt die Band auf ihrem ersten Album auf Sumerian Records in einlullenden, von Produzent Jamie King auf Hochglanz polierten Prog-Metal der technischen Extraklasse. Ganz im Vordergrund stand dabei der Wunsch der Band, sich nicht wiederholen zu wollen, was bei mittlerweile acht Alben auch zu verzeihen wäre. Aber BTBAM gehen so abwechslungsreich zu Werke, dass davon keine Rede sein kann – und liefern mit dem schließenden „Blot“ einen der (wenn nicht sogar den) besten Songs ihrer Karriere. Einziger Kritikpunkt ist die Spiellänge, die mit 35 Minuten doch eher an eine EP erinnert. Wir bleiben gespannt, wie Teil 2 ausfällt. Der soll voraussichtlich im Sommer 2018 folgen. (6/8) – Andreas Steiner

Primal Rite – Dirge of Escapism
Revelation Records

Dreckig, angepisst und nicht zu Späßen aufgelegt: Primal Rite dreschen sich auf Dirge of Escapism durch zehn Songs, die wie ausgehungerte Wiesel in einem Hühnerstall wüten. Hier trifft bösartiger Hardcore auf finsteren Thrash Metal mit aufpeitschenden Gitarrensoli. Ein Hassklumpen, bei dem einzig die Produktion etwas hinkt. Im Vordergrund stehen hier nur die sägenden Gitarren. Der Gesang klingt dumpf und in den Hintergrund gemischt, wie das Schlagzeug, das seine wahre Gewalt nie richtig zur Entfaltung bringen kann – und der Bass, ja, den hört man auch zwei, drei Mal durch die Klangwand, das war’s dann aber auch. Der Versuch einen möglichst direkten Sound zu erzeugen geht also ein bisschen nach hinten los. Aber wer Musik besonders wüst und dunkel mag, sollte hier auf jeden Fall reinhören. (4/8) – Andreas Steiner

Autor Patrick Siegmann
Wohnort Göttingen
Beruf Doktorand
Dabei seit September 2009
Deine Aufgabe bei Stageload Koordination Reviews, News
Top-Alben Viel zu viele. "Songs To Scream At The Sun" von Have Heart ist aber definitiv eines von den Alben, die mich am meisten geprägt haben.
Die besten Konzerterlebnisse Auf jeden Fall vorne mit dabei: Have Heart, Shipwreck AD, Rise And Fall und AYS in der Roten Flora in Hamburg, Juli 2009

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