Kurzreviews: August ’18

Kurzreviews: August ’18

Vein – Errorzone
Closed Casket Activities

Vein – der neueste Hype aus den Staaten. Zu Recht? Zu Recht! Die Formel ist leicht aufgeschrieben, aber nicht unbedingt leicht verdaulich: Converge meets Deftones, Mathcore durchzogen mit New Metal und sonstigen Einflüssen (nach nur 2 Sekunden Laufzeit des ersten Songs gibt’s z.B. erstmal ein Drum & Bass Pattern). Die ersten drei Songs gehen nahtlos ineinander über, Melodien sucht man häufig eher vergebens (Tipp zum Finden: “Untitled” oder “Errorzone” anspielen). Der verzweifelte, brüchige Gesang in einigen der Songs erinnert in der Tat an Chino Moreno, das Chaoselement immer wieder an Converge und Konsorten. 11 Songs in 28 Minuten. Großes Kino, auf das man sich aber einlassen muss. (7/8) – Tobias Luger

Thronetorcher – Eden’s Poison
BDHW Rec.

Was ist denn hier bitte los? Auf Thronetorchers Debüt „Eden’s Poison“ trifft zähnefletschender Metal auf die unbändige Kraft von Hardcore – und das dermaßen brutal, dass eine Abrissbirne im Gegensatz zu diesem Werk wie ein Dauerlutscher an einem Bindfaden wirkt. Aber wen wundert’s? Die vier Herren haben ja immerhin schon über ein paar Jahre Erfahrung gesammelt – und zwar in Bands wie Felony, Intense oder Relics of Future. Jetzt war’s an der Zeit für ein eigenes Projekt, dass derart abwechslungsreich und unvorhersagbar aus den Boxen prescht, dass selbst der härteste Roughneck aus dem Takt beim Headbangen kommen dürfte. Zwar halten sich die Jungs mit 5 Songs in gerade einmal 13 Minuten sehr kurz, doch sollte „Eden’s Poison“ in 2018 in keiner Hardcore-Sammlung fehlen. Definitiv eines der Hardcore-Highlights in diesem Jahr. Reinhören ist Pflicht! (6/8) – Andreas Steiner

Whiteriver – Warmth
Redfield Digital

Whiteriver vereinen auf „Warmth“ gefühltbetonten Screamo mit sphärischen Post-Hardcore-Anleihen. Das klingt ab und an sanft und rührend, um dann im nächsten Moment ohne Rücksicht auf Verluste das Brecheisen zu schwingen. Wobei die filigranen Gitarrenläufe den Melodic Hardcore der Siegener immer wieder einfangen, wenn er droht in zu derbe Gefilde abzurutschen. Der Gesang bewegt sich zwischen brechenden Schreien und gefühlvollen Clean-Passagen. Dazu umrahmen gekonnte Basslines und ein dynamisches Schlagzeugspiel die 12 Songs und geben jedem einzelnen eine melancholische Daseinsberechtigung auf „Warmth“. Sollte man definitiv auf dem Schirm haben. (5/8) – Andreas Steiner

Foxing – Nearer My God
Triple Crown Records

Was sorgten Foxing nicht für Erstaunen bei den Fans, als die Band Mitte Juli den Titelsong ihres dritten Albums „Nearer My God“ einfach mal in diversen Sprachen veröffentlichte – unteranderem auch auf Deutsch. Genauso ungewohnt wie es klang, Conor Murphys Stimme in einer anderen Sprache als Englisch zu hören, ist auch das ganze Album: Foxing verwerten Neo-Soul, elektronische Beats und ein bisschen Deftones zu einem charmanten Stück avantgardistischer Musik, das in 2018 wohl seines Gleichen suchen wird und deswegen nicht nur musikalisch alles in den Schatten stellt, was die Band bisher gemacht hat. Foxing haben sich in jedem Punkt verändert und weiterentwickelt, nur in einem nicht: Wie die Vorgänger „Dealer“ und „The Albatross“ ist auch „Nearer My God“ ganz großes Kino, das Genregrenzen wie von Zauberhand sprengt. Anspieltipps: Lich Prince, Nearer My God. (7/8) – Patrick Siegmann

Autor Patrick Siegmann
Wohnort Göttingen
Beruf Doktorand
Dabei seit September 2009
Deine Aufgabe bei Stageload Koordination Reviews, News
Top-Alben Viel zu viele. "Songs To Scream At The Sun" von Have Heart ist aber definitiv eines von den Alben, die mich am meisten geprägt haben.
Die besten Konzerterlebnisse Auf jeden Fall vorne mit dabei: Have Heart, Shipwreck AD, Rise And Fall und AYS in der Roten Flora in Hamburg, Juli 2009

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