Kurzreviews: Dezember ’18

Kurzreviews: Dezember ’18

Mewithoutyou – Untitled
Run For Cover Records

Metaphysische Verlangen, historische Herrscher, biblische Figuren und eine Menge rätselhafter religiöser Symbolik: Inhaltlich beim ausstudierten Religionswissenschaftler Evan Weiss mitzuhalten, kann Kopfzerbrechen bereiten – aber schwere Kost ist [Untitled] trotzdem nur im besten Sinne: Weiss‘ Bruder und das restliche Drittel der Band schaffen mit „Julia or ‚Holy to the Lord‘ on the bells of horses“ oder „Michael, row your boat ashore“ nicht nur namentlich klangvolle, mitreißende Midtempo-Kracher mit träge hallenden Gitarren und einer ausgewogenen Mischung von aggressiven Ausbrüchen und zurückhaltenden Passagen. Sehr spezieller, progressiver Post-Hardcore für Kopf und Körper, Geist und Gänsehaut. (6/8) – Enno Kueker

Art Brut – Wham! Bang! Pow! Let’s Rock Out!
Alcopop Records

Art Brut – das ist doch die Indie-Rock-Band, die vor 13 Jahren gemeinsam mit Bands wie Bloc Party, The Strokes oder The Wombats die Class of 2005 aufmischte! Den meisten dürften die Briten um den charismatischen Sänger Eddie Argos (very British accent) wegen des Songs „Good Weekend“ bekannt sein. Ihr neues Album „Wham! Bang! Pow! Let’s Rock Out!“ bietet wunderbar eingängige und tanzbare Songs im Sound von damals; besonders gelungen ist dabei das schnelle „I hope you’re very happy together“. Wer in nostalgischen Erinnerungen schwelgen möchte, ist hier genau richtig. (5/8) – Denise Frommerer

For I Am King – I
Redfield Records

Bereits bei ihrem Debüt-Album „Daemons“ haben For I Am King einen eher konservativen Ansatz an der Schnittstelle von Metalcore und Melodic-Death-Metal gewählt: Verzicht auf Clean-Gesang und inflationäre Breakdown-Massaker – dafür epische Gitarrenlines und Hooks, wie gemacht für die Wacken-Mainstage. Um einen Glückstreffer hat es sich hierbei freilich nicht gehandelt. Denn wer bereits am Debüt vollkommen zurecht Gefallen fand, darf auch beim Nachfolger bedenkenlos zugreifen. Schließlich ist das kurz und bündig mit „I“ betitelte zweite Album der Niederländer nochmal eine ganze Spur runder und ausgeklügelter. Das mündet nicht zuletzt in mitreißenden Hymnen wie „In Flames „ und „Devotion“. Oder aber dem feierlichen Intro-Riff in „Forever Blind“, das durchaus gewisse Ähnlichkeiten zum Main-Riff von Parkway Drives „Vice Grip“ aufweist – was ja nun mal keine schlechte Referenz ist. Es darf ruhig mal eine Portion musikalischer Pathos her, ob nun in Form von inbrünstigen Riffs, Gitarren-Solos (siehe etwa „Home“) oder dem, im positiven Sinne, schwerfälligen Instrumentalstück „Invidia“. Eines wird dabei schnell klar: For I Am King sollte man auf dem Schirm haben! (6/8) – Joshua Claaßen

Grillmaster Flash – Stadion
Grand Hotel van Cleef

Gerade erst war die deutsche Rock-Band Grillmaster Flash mit Madsen auf Tour und sorgte mit ihrem dreckigen Gitarrensound für Festivalatmosphäre in den Hallen. Wer diesen Sound auch auf dem heimischen Sofa genießen möchte, die Band hat nun ihr Album „Stadion“ veröffenticht. Nordisch-schnodderig, dreckig und alles andere als super perfekt produziert: Grillmaster Flash bringen ihre alltäglichen Beobachtungen und Forderung nach Eskapismus mit ihrem Sound und in ihren Texten auf den Punkt. Ein gelungenes Album, insbesondere die Songs „Sottrum“ (eine Hymne an die Heavy-Metal-Hauptstadt) und „Pleite gehen“! (6/8) – Denise Frommeyer

Autor Patrick Siegmann
Wohnort Göttingen
Beruf Doktorand
Dabei seit September 2009
Deine Aufgabe bei Stageload Koordination Reviews, News
Top-Alben Viel zu viele. "Songs To Scream At The Sun" von Have Heart ist aber definitiv eines von den Alben, die mich am meisten geprägt haben.
Die besten Konzerterlebnisse Auf jeden Fall vorne mit dabei: Have Heart, Shipwreck AD, Rise And Fall und AYS in der Roten Flora in Hamburg, Juli 2009

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