Kurzreviews: Februar ’16

Kurzreviews: Februar ’16

Risk It! – Cross To Bear
Farewell Records

Ähnlich wie Coldburn, Wolf Down und Gone To Waste sind Risk It! eine der Bands, ohne die in der deutschen Szene momentan so gar nichts gehen würde. In den letzten zwei Jahren haben Risk It! gefühlt jede Stadt in Europa mindestens einmal bespielt und nebenbei noch „Cross To Bear“ geschrieben. Die Dresdener lassen dabei oldschooligen Hardcore so frisch klingen, dass man glatt meinen könnte, sie selbst hätten diesen Sound erfunden und nicht bei Madball und Co. abgeschaut. Was 2014 „Barking Dogs Don’t Bite“ war und 2015 „Down In The Dumps“, das ist 2016 definitiv „Cross To Bear“ – das Aushängeschild für deutschen Hardcore. Dresden und New York waren sich noch nie näher. Und wer das nicht glaubt, der muss nur mal in „Finish Your Business“ oder „Balance Of Power“ reinhören. (6/8) – Patrick Siegmann

Petal – Shame
Run For Cover

Bis vor Kurzem war die Frontfrau der US-amerikanischen Indie-Rock-Band Petal noch als Support für Beach Slang in Europa unterwegs und konnte das Publikum vom neuen Album „Shame“ live überzeugen. Live-Versionen, die sich eigentlich kaum von den Studio-Versionen unterscheiden. Dominiert wird alles von der sopranartigen, gefühlvollen Stimme der jungen Dame, untermalt von lockeren Indie-Rock-Melodien. Klingt langweilig? Ist es aber keinesfalls, denn das Ergebnis hat auch noch nach mehrmaligem Hören seine großen Momente und seine Reize verliert es ohnehin nie. Petal haben mit „Shame“ Musik veröffentlicht, die niemandem weh tut. Musik, mit der man auch ganz schnell liebäugeln kann, wenn man sonst eher treibende Drums und harte Gitarrenriffs bevorzugt. Großartig! (6/8) – Leonie Wiethaup

Mystery Jets – Curve of the Earth
EMI
Die Band liefert soliden handgemachten Indie-Rock, der zuweilen an Songs von Muse erinnert. Mystery Jets bieten einige Ohrwürmer mit oft hartem Gitarrensound – gerade bei „Bubblegum“ und dem düsteren „Midnight’s Mirror“. Die Songs sind perfekt durchkomponiert, zuweilen etwas lang geraten. Textlich bewegt sich die Band dabei zwischen Liebe, Schmerz und Dystopie. Highlight: die Ballade „Taken by the Tide“. Gelungen! (5/8) – Denise Frommeyer

Mindset – Nothing Less
React! Records

Nicht nur Bane, sondern auch Mindset haben ihre Auflösung bekanntgegeben. Eine weitere kleine Hardcore-Ära geht zu Ende, aber nicht ohne eine letzte EP zu hinterlassen. “Nothing Less“ ist der letzte Streich der fünf Jungs aus Baltimore bevor es endgültig lebewohl heißt. Große Abschiedsstimmung kommt auf “Nothing Less“ allerdings nicht unbedingt auf, da die Herren selbst keine Freunde von schlechter Laune oder Trauer sind. Drei powergeladene Songs, die den Abschied immerhin ein kleines bisschen versüßen und im typischen Mindset-Stil aus den Lautsprecher knallen. (7/8) – Manuel Lohschmidt


Federico Albanese – The Blue Hour
Neue Meister

Mit dreizehn modernen Klavierstücken huldigt der italienische Klavierkünstler Federico Albanese der Zeit, in der die Sonne bereits am Horizont verschwunden, die nächtliche Dunkelheit aber noch nicht ganz zugegen ist. Manchmal gefühlvoll von Streichern untermalt, manchmal von elektronischen Spielereien unterstützt, schafft Albanese eine Mischung aus Klassik und Pop, die nachdenklich bis tieftraurig stimmt – aber nie den Silberstreifen Hoffnung am Horizont vermissen lassen. Einfühlsam, sensibel und einnehmend. Ein Album wie aus einem Guillermo del Toro Film entsprungen. (5/8) – Andreas Steiner

Jail – Resurrection
Farewell Records

New band, old faces. Während Jail als Band momentan noch in die Kategorie Geheimtipp fallen, sind die fünf Jungs aus Oberhausen definitiv keine Unbekannten im deutschen Hardcore-Kosmos. Allen voran Frontmann und Energiebündel Björn, seines Zeichens Sänger der leider viel zu früh aufgelösten Black Friday ‘29. Doch glücklicherweise sind Jail weder eine Kopie, noch eine simple Fortführung der Ruhrpott-Legende. Das wird schon beim richtungsweisenden Opener „Live here and now!“ deutlich und so gibt es auf der Debüt-EP „Resurrection“ insgesamt fünf recht kurze, aber abwechslungsreiche Songs – zehn knackige Minuten vollgepackt mit Sing-Alongs, Two-Steps und Side-to-side’s, umrahmt von intelligenten und politischen Texten. Das funktioniert sowohl auf Platte, als auch live ganz hervorragend und sollte deshalb niemanden kalt lassen, der auch nur ansatzweise etwas mit Hardcore anfangen kann. (6/8) – Tobias Groß

Autor Patrick Siegmann
Wohnort Göttingen
Beruf Doktorand
Dabei seit September 2009
Deine Aufgabe bei Stageload Koordination Reviews, News
Top-Alben Viel zu viele. "Songs To Scream At The Sun" von Have Heart ist aber definitiv eines von den Alben, die mich am meisten geprägt haben.
Die besten Konzerterlebnisse Auf jeden Fall vorne mit dabei: Have Heart, Shipwreck AD, Rise And Fall und AYS in der Roten Flora in Hamburg, Juli 2009

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