Kurzreviews: Januar ’18

Kurzreviews: Januar ’18

Phoebe Bridgers – Stranger In The Alps
Dead Oceans

Phoebe Bridgers gehört zu einer jungen Generation von Singer-Songwriterinnen, die in ihren Texten Tabuthemen behandeln: Tod, Depression und Drogen. Bridgers tut das auf ihrem Debütalbum „Stranger In The Alps“ mal mit leichten Lofi-Klängen („Demi Moore“), mal shoegazig („Motion Sickness“) und mal durchweg poppig („Funeral“). Eine enorme Bandbreite an Klangfarben, welche die 22-Jährige hier vorlegt. Kein Wunder, steht sie unter den Fittichen von Conor Oberst (Bright Eyes), welcher die junge Dame durch YouTube entdeckt hat. Aber gerade diese Vielfalt macht „Stranger In The Alps“ nicht zu einem leicht bekömmlichen Album a la Julien Baker, sondern zu einem Berg, den man erst einmal erklimmen muss. Hat man das aber geschafft, bleibt nur noch eins: Respekt vor einer unglaublich talentierten Künstlerin. (6/8) – Patrick Siegmann

Hanging Garden – I Am Become
Lifeforce Records

Dunkel, bedrückend und künstlerisch anspruchsvoll präsentieren sich Hanging Garden im Video zu Elysium – und bannen diese einnehmende Stimmung wirksam im atmosphärischen Metal auf ihrem neuen Album „I Am Become“. Den Wechsel zwischen cleanem Gesang (der zeitweise wie aus dem Off eingespielt wirkt) und brachialen Passagen kennt man, genau wie die sphärischen Soli, die sich durch die neun Songs ziehen. Schön anzuhören, aber es bleibt auch herzlich wenig hängen. Das retten auch die durchgängigen textlichen Bezüge zu Natur und der leichte Gothic-Einschlag beim Gesang nicht. Einen versöhnlichen Ausklang schafft das beinahe schon poppig anmutende „Ennen“ mit weiblicher Unterstützung beim Gesang. Ansonsten ist „I Am Become“ eine schöne Platte für Winterspaziergänge – mehr aber auch nicht. (4/8) Andreas Steiner

We Came As Romans – Cold Like War
SharpTone Records

Im Gegensatz zu gutem Wein werden We Came As Romans mit der Zeit leider nicht besser. Von Album zu Album glatter werdend, stellt „Cold Like War“ den Tiefpunkt der bisherigen Abwärtsspirale dar. ‚If there’s nothing to see‘ oder ‚Learning to survive‘ sind so dermaßen auf Eingängigkeit getrimmt, dass sie auch auf dem letzten Linkin-Park-Album ihren Platz gefunden haben. Der Post-Hardcore der Anfangstage, sowie Ecken und Kanten sind vollends verschwunden, es regieren Mittelmaß und Austauschbarkeit. (/) – Manuel Stein

Asking Alexandria – s/t
Sumerian Records

Was in den letzten Jahren bei Asking Alexandria los war, weiß bis auf die Band und ihr direktes Umfeld vermutlich niemand so richtig. Erst stieg Anfang 2015 Danny Worsnop aus und Dennis Stoff übernahm das Mikro. Es folgte „The Black“ und Dennis Stoff wiederum kehrte Asking Alexandria den Rücken – so weit, so gut. Dass dann aber ausgerechnet Danny zurückkehrte, der sich in der Zwischenzeit We Are Harlot gewidmet hatte und bei seinen ehemaligen Bandkollegen öffentlich in Ungnade gefallen war, verwunderte dann doch. Wer sich von seiner Rückkehr ein zweites „From Death To Destiny“ erhofft, den wird das Selftitled-Album allerdings enttäuschen. Mit elektronischen Elementen, die mal im Hintergrund werkeln, aber auch mal ganz Songs mitformen und, dem Klargesang anteilsmäßig klar unterlegenen, Shouts fällt das Album wohl eher unter Alternative-Rock, als Metalcore. Deswegen muss die Platte natürlich nicht gleich seicht sein, ist sie von Zeit zu Zeit aber leider. Letztlich ist das Album wohl vor allem eine Frage des persönlichen Geschmacks. (4/8) – Joshua Claaßen

Still Trees – Letters to Lucille
HNDGMCHT

Fünf junge Männer aus Sachsen veröffentlichen ihre Debüt-EP. Mit straightem Sound reichen sich Beatles, The Kooks und die jungen Arctic Monkeys die Klinge. Das klingt alles schon erstaunlich ausgereift und international, was die Still Trees hier vorlegen. Das Selbstbewusstsein, das sich das Quintett bei Support-Shows z.B. für Kraftklub erspielt hat, ist deutlich hörbar. Sollten die fünf weiter tanzbare Hits wie „For my Money“ und „Concrete Heads“ auf die Welt loslassen, dürften sie ihre WG-Zimmer in Zwickau nicht allzu oft zu Gesicht bekommen. (6/8) – Lennart Sörnsen

The Used – The Canyon
Hopeless Records

Nachdem The Used die vergangenen Jahre erfolgreich für die Reise von der Spitze der gefragtesten Emo-Rock-Bands ins Kellerloch der vergessenen Seelen genutzt haben, melden sich die Herren nun mit einem Album zurück, dessen Hintergrund kaum trauriger sein könnte. Sänger Bert McCracken, der mittlerweile auf „Rob“ hört, verarbeitet auf „The Canyon“ den Suizid seines langjährigen engen Freundes Tregen Lewis, was musikalisch durch den zumeist düsteren Rock nur noch verdeutlicht wird. Freilich gut gelöst, doch ohne das Wissen um des Hintergrundes wünscht man sich bereits nach kurzer Zeit das Albumende herbei. „The Canyon“ ist von Beginn an langatmig und scheinbar ohne jeglichen roten Faden innerhalb des Sounds. Auf Akustik folgt Collgerock folgt dunkler Rock, wodurch nicht selten alles wie eine willkürliche Ansammlung irgendwelcher Songs wirkt, die bislang ungenutzt herumlagen. Wüsste man nicht von der Hintergrundgeschichte. (3/8) – Leonie Wiethaup

Autor Patrick Siegmann
Wohnort Göttingen
Beruf Doktorand
Dabei seit September 2009
Deine Aufgabe bei Stageload Koordination Reviews, News
Top-Alben Viel zu viele. "Songs To Scream At The Sun" von Have Heart ist aber definitiv eines von den Alben, die mich am meisten geprägt haben.
Die besten Konzerterlebnisse Auf jeden Fall vorne mit dabei: Have Heart, Shipwreck AD, Rise And Fall und AYS in der Roten Flora in Hamburg, Juli 2009

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