Kurzreviews: Juni ’17

Kurzreviews: Juni ’17

Ratlord – S/T EP
Injustice Records

Am Anfang ist Stille, dann bricht das Chaos über einen herein. Was die Düsseldorfer Combo Ratlord auf ihrer selbstbetitelten EP abliefern ist ein richtig dickes Pfund – eigentlich noch mehr. Eher wirken die fünf Songs wie ein tollwütiger Marder, der sich in einer saftigen Wade verbissen hat. Denn so packt einen das derbe Brüllen, das irre Gekeife und die wahnwitzige Instrumentation. Gegenwehr sinnlos – und selten hat es solchen Spaß gemach, sich nackt in rostigen Nägeln zu wälzen, kantige Glasscherben in den Gehörgang zu schieben und Pirouetten in glühenden Stahlsplittern zu drehen. So kann Death Metal nicht nur, so sollte Death Metal immer sein. Die pure Selbstkasteiung. Aber was soll’s? Wenn einen Ratlord am Ende zurück in die Stille entlassen, weiß man ohnehin nicht mehr wo hinten und vorne ist. Brutal! (6/8) – Andreas Steiner

No Omega – Culture
Evil Greed

Ein Händchen für mystischen, düsteren Hardcore hatten die Schweden von No Omega schon immer. Auch auf ihrem neuen Album “Culture“ wird man vom Anfang bis zum Ende mit einem Schleier aus Theatralik ummantelt. Eine Mischung aus melancholischen Melodien, peitschenden Drums und ziemlich verzweifelten Vocals suchen ihresgleichen und lassen das eigene Gemüt stimmungsmäßig auf den Boden der Tatsachen sinken. Mal schnell, mal langsam, mal chaotisch – “Culture“ bietet abwechslungsreichen, finsteren Hardcore der garantiert nicht langweilig wird. (6/8) – Manuel Lohschmidt

Low Roar – Once In A Long, Long While
Nevado Records

Entspannte Klänge für laue Sommernächte: Der Amerikaner Ryan Karazija übersetzt auf „Once In a Long, Long While“ weiterhin sympathisch unspektakulär die Landschaften seiner jetzigen Heimat Islands in sanfte Arrangements mit Folk-Anleihen und Elektro-Anteilen. Auch der dritte Langspieler wabert wieder sehr sphärisch, diesmal aber etwas dynamischer durch hypnotisierende 50 Minuten. (5/8) – Enno Küker

An Early Cascade – Alteration
Midsummer Records

Erinnert nicht nur stimmlich an Circa Survive: Die Stuttgarter An Early Cascade spielen auf ihrem zweiten Langspieler ausladenden Post-Harcore mit überlegten Arrangements und einnehmender Atmosphäre in mitreißender Produktion. Trotz Wechseln in der Besetzung führen die Fünf den seit „Versus“ eingeschlagenen Weg eingespielt fort, wobei die Emotionalität stellenweise leicht unter technischer Detailarbeit leidet. (5/8) – Enno Küker

Autor Patrick Siegmann
Wohnort Göttingen
Beruf Doktorand
Dabei seit September 2009
Deine Aufgabe bei Stageload Koordination Reviews, News
Top-Alben Viel zu viele. "Songs To Scream At The Sun" von Have Heart ist aber definitiv eines von den Alben, die mich am meisten geprägt haben.
Die besten Konzerterlebnisse Auf jeden Fall vorne mit dabei: Have Heart, Shipwreck AD, Rise And Fall und AYS in der Roten Flora in Hamburg, Juli 2009

Hinterlasse einen Kommentar