Kurzreviews: Juni ’18

Kurzreviews: Juni ’18

Watch Them Fade – Emptiness
Bastardized Recordings

Nach ihrem Debüt „Welcome To My Void“ schlagen die Würzburger mit ihrem neuen Album „Emptiness“ den nächsten dicken Haken in die Felswand des deutschen Melodic-Metalcore-Olymp. Die Marschroute zeigt weiterhin steil nach oben. Denn was die Band hier anbietet ist astreiner melodischer Metalcore der sich technisch weit oben einordnet und auch ab und an klassische Elemente zulässt. Für einen einwandfreien, druckvollen Sound trugen Produzent Marc Görtz (Caliban) und in Sachen Mastering Olman Viper von den Hertzwerk/Nullzweistudios (u.a. Emil Bulls, Caliban) Sorge. Zwölf durchweg gute Songs, bei denen die Mischung zwischen Brachialität und einem warmen Umgarnen des Hörers weitgehend stimmt – wobei sich der ein oder andere Metalhead sicher etwas mehr Dampf in ein paar Liedern („The Darkest Hours“) gewünscht hätte. Was die Freude zusätzlich noch etwas schmälert sind die wiederkehrenden, nervigen Fade-Outs, bei denen man sich nie wirklich sicher ist, ob gerade eine Teaser-Version des Albums läuft. Am Ende präsentiert sich „Emptiness“ allerdings wunderbar stimmig, so dass man über diesen Umstand auch mal getrost hinweghören kann. (5/8) – Andreas Steiner

Ewig.Endlich.- Auf Grund
Dedication Records

Der Bandname macht schon Hoffnung, auf das, was sich bewahrheitet. Ewig.Endlich. liefern nicht das nächste Post-Blackmetal-Werk mit kryptischen Songnamen. Vielmehr wurde ein Hybrid aus Post-Metal, Post-Rock und diversen Hardcore-Einflüssen geschaffen, welcher in Deutschland seines Gleichen sucht. Klar, auch hier findet sich durchaus das vertraute Muster aus harten energetischen Blastbeats und Breakdowns, die sich mit ruhigeren und teils sogar doomigen Passagen abwechseln. Bestückt wird das Ganze mit dem Versuch intellektueller und gesellschaftskritischer Texte, welcher teils nicht gelingt. Der durchweg währenden Melancholie und Sehnsucht nach einem anderen Morgen tut dies aber keinen Abbruch. (6/8) – Aaron-Corin Hane

DMA’s – For Now
Infectious Music

Drei junge Australier Mitte 20 erwecken den Britpop zu neuem Leben. „For Now“ ist das bereits zweite Album von DMA’s und wohl ohne Frage ihr bislang bester Output. Man fühlt sich zurückkatapultiert in das Jahr 1997, in dem sowohl Oasis wie auch Blur eines ihrer jeweils besten Alben veröffentlicht haben. Und genau so klingt „For Now“. DMA’s haben die Quintessenz aus dem Besten gezogen, was der Britpop jemals zu bieten hatte: Bittersüße Pop-Melodien gepaart mit rauem Indie-Charme, der nicht selten zu großen Hymnen wird (siehe „Break Me“ oder „Do I Need You Now“). Würden Oasis auch heute noch Musik machen, es würde vermutlich genau so klingen. Anspieltipps: Tape Deck Sick, Do I Need You Now (7/8) – Patrick Siegmann

Rauchen – Tabakbörse EP
Zeitstrafe

Der Bandname allein liefert eigentlich schon mehr Steilvorlagen, als man in so ein kurzes Review packen könnte. Aber im Fall dieser Hamburger Band ist viel interessanter, was das Quartett zu erzählen hat. In sieben kurzen, angepissten Punk-Krachern wird hier gemotzt, gemeckert und gemostert, was die Vinylrillen hergeben. Junggesellenabschiede, Männerbünde und die Kehrwoche: In bester Riot-Grrrl-meets-Hardcore-Punk-Manier werden hier innerhalb von zehn Minuten spießbürgerliche Maxime ausgehöhlt und begleitet von Jubelschreiben auf der Straße zerdeppert. Die Band selbst nennt diesen Female-fronted-Punk-Stil eine Mischung aus Power-Violence und Moped-Punk – und das trifft auf den schrammigen Sound grandios gut zu. Ein größeres Donnerwetter wird’s diesen Sommer wohl nicht mehr geben – und es sei uns verziehen, wenn wir jetzt doch noch diese eine Steilvorlage nutzen: Vorsicht! Rauchen kann süchtig machen. (6/8) – Andreas Steiner

Autor Patrick Siegmann
Wohnort Göttingen
Beruf Doktorand
Dabei seit September 2009
Deine Aufgabe bei Stageload Koordination Reviews, News
Top-Alben Viel zu viele. "Songs To Scream At The Sun" von Have Heart ist aber definitiv eines von den Alben, die mich am meisten geprägt haben.
Die besten Konzerterlebnisse Auf jeden Fall vorne mit dabei: Have Heart, Shipwreck AD, Rise And Fall und AYS in der Roten Flora in Hamburg, Juli 2009

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