Kurzreviews: März ’17

Kurzreviews: März ’17

Endless Heights – Pray | Fade
Eigenvertreib

Endless Heights waren für mich 2015 die Durchstarter schlechthin. Mit einer ausgezeichneten EP und einer ausgedehnten Tour mit Break Even wollten die Boys aus Downunder Europa erobern – und haben es in meinen Augen auch geschafft. Nun legen die Australier mit „Pray | Fade“ eine neue 7″ Single mit zwei Songs vor. „Drain und „Pray | Fade“ wirken poppiger, eingängiger und klarer, als die vorherigen Veröffentlichungen der Band. Das tut der gewohnten Qualität der Kombo jedoch keinen Abbruch. Beide Songs sind Vorboten eines neuen Albums, welches im Spätsommer erscheinen soll. Und wenn das noch ein paar mehr deratiger Hits zu bieten hat, wird es sicherlich in einigen Bestenlisten des Jahres zu finden sein. Ein Muss für Fans von Citizen oder Basement und eine Band, die man dieses Jahr auf dem Schirm haben sollte. (7/8) – Patrick Siegmann

Die Regierung – Raus
Staatsakt

Die schlechte Nachricht gleich vorweg: „Raus“ startet mit zwei der schwächsten Songs – danach wird’s besser bis unheimlich gut. So gut, dass man irgendwann kaum noch genug von Tilman Rossmys schnodderig vorgetragenen Lebensweisheiten bekommt. Immerhin ist die Band ja auch schon ein paar Jahre auf dem Buckel und war richtungsweißend für die Hamburger Schule. Das ist aber alles lange her – und zwischenzeitlich wurde die Band auch mal aufgelöst. Jetzt sind sie aber zurück und zelebrieren furchtbar schönen Indie-Rock. Dabei agiert die Instrumentalfraktion unaufdringlich im Hintergrund, nimmt sich nicht allzu wichtig und lässt dem Gesang den Raum, den er für seine Entfaltung braucht. Der perfekte Soundtrack, um Mitten in der Nacht die Musik voll aufzudrehen und mit einem Glas Rotwein in der Hand durchs hell erleuchtete Wohnzimmer zu tanzen. Wer noch nach einem Frühlingsflirt sucht, dem sei „Raus“ wärmstens ans Herz gelegt. (6/8) – Andreas Steiner

Patrick Richardt – Soll die Zeit doch vergehen
Grand Hotel van Cleef

Geprägt von der Zeit, in der psychische Erkrankungen zum Alltag gehörten, widmet sich Patrick Richardt auf seinem Zweitling genau diesem Thema, macht von Beginn an jedoch deutlich, dass sich etwas ändern muss, dass er wieder Lieder über Liebe und Hoffnung singen möchte („Euphorie“). Sein Vorhaben scheint auf „Soll die Zeit doch vergehen“ auch ganz gut zu funktionieren, denn der allgegenwärtigen Melancholie zum Trotz, schwingt immer auch etwas Positives mit. Musikalisch ist das nicht anders. Zum klassischen und zwischen Frohsinn und Trauer schwankenden Singer/Songwriter-Folk gesellen sich so zum Beispiel auch Südseeklänge („Hand aufs Herz“). Solche experimentellen Ausflüge gehören allerdings zur Ausnahme und so klingt trotz Abwechslung letzten Endes doch alles sehr ähnlich – bei satten 14 Songs kann das dann schon ein wenig langweilig werden. (4/8) – Leonie Wiethaup

Pulled Apart By Horses – The Haze
Caroline Distribution

The Haze“ ist bereits das vierte Full Length-Werk aus dem Hause Pulled Apart By Horses, man könnte also annehmen, die Herrschaften wüssten inzwischen, wie man aus dem Pool der facettenreichen Rockmusik hervorstechen kann. Doch Fehlanzeige. „The Haze“ gehört zu den Alben, bei denen man über die gesamte Länge hinweg angeschrien wird. Unterlegt mit diversem Allerlei aus Post-Hardcore und Alternative- und Stoner-Rock schaffen es Pulled Apart By Horses dabei dennoch, kaum Abwechslung ins Spiel zu bringen – geschweige denn sich von den etlichen anderen Bands dieses Kalibers abzuheben. Das Album ist deswegen zwar nicht durchweg schlecht, doch dafür leider schlichtweg belanglos. (3/8) – Leonie Wiethaup


Wolfheart – TYHJYYS
Spinefarm Records

Wolfheart tragen den Herzen im Winter – wohl auch deswegen nennen sie ihren Stil Winter Metal. Dementsprechend kalt geht es auf „TYHJYYS“ auch zu. Da versprechen apokalyptische Songtitel wie „World On Fire“ oder „Call Of The Winter“ nicht zu viel. Von entspannten Passagen, in denen auch mal akustische Gitarren zum Einsatz kommen, bis zu wahnsinnig rasender Akkordarbeit variieren die Finnen ihren melodischen Death Metal. Und es dürfen auch Keyboards, Streicher oder sehr sparsam eingesetzt auch Flötentöne mitwirken. An und für sich ist „TYHJYYS“ also eine solide Platte, einzig Tuomas Saukkonens monotones Brüllen und die elektrisch klickenden Gitarren (immer dann, wenn sie zum Vollspurt übergehen), machen aus „TYHJYYS“ auf die Dauer zu einer ziemlich eintönigen Angelegenheit. (4/8) – Andreas Steiner

Jerakeen – Shorelines
Eigenvertrieb

Das norddeutsche Quartett Jerakeen gibt es eigenen Angaben zufolge erst seit letztem Jahr, ein erstes öffentliches Lebenszeichen haben die jungen Männer mit ihrer „Shorelines“-EP aber bereits unter die Leute gebracht. Fünf rein instrumentale Tracks, die gleichzeitig spannend und entspannend sind. Die Atmosphäre erschaffen und auch trotz fehlenden Vocals Geschichten erzählen – von Abenteuern, einem sich am Horizont anbahnenden Sturm, spannenden Gegebenheiten und Hoffnung. Verspielte Gitarren und abwechslungsreiches Drumming, mal im rockigen, beinahe Post-Punk- oder gar dezenten Post-Hardcore-Gewand gekleidet, doch stets mit einer gewissen Ambient-Note versehen. In jedem Durchlauf entdeckt man neue Elemente, entstehen neue Bilder, wirken die Songs ein wenig anders. Die Musiker haben sich mit ihren Instrumenten gewiss ausführlicher beschäftigt als nur wenige Stunden. (7/8) – Leonie Wiethaup

Autor Patrick Siegmann
Wohnort Göttingen
Beruf Doktorand
Dabei seit September 2009
Deine Aufgabe bei Stageload Koordination Reviews, News
Top-Alben Viel zu viele. "Songs To Scream At The Sun" von Have Heart ist aber definitiv eines von den Alben, die mich am meisten geprägt haben.
Die besten Konzerterlebnisse Auf jeden Fall vorne mit dabei: Have Heart, Shipwreck AD, Rise And Fall und AYS in der Roten Flora in Hamburg, Juli 2009

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