Kurzreviews: Oktober ’17

Kurzreviews: Oktober ’17

Stolen Mind – History Repeats
Backbite Records

Mein lieber Scholli, hier gibt’s ordentlich was auf die Mütze! “History Repeats“ ist das fett produzierte Pendant zur 2016 erschienenen Demo. Fiese, moshige Riffs und schleppende Drums untermalt mit wütenden Vocals suchen seinesgleichen und verleiten zum völligen Kontrollverlust. Modern, straight und keine großen Spielereien. “History Repeats“ ist extrem geradlinig und erinnert schnell an Harm/Shelter und Gone To Waste. Auf jeden Fall eine Platte, die in keiner guten Sammlung fehlen sollte! (5/8) – Manuel Lohschmidt

Milk Teeth – Be Nice
Roadrunner Records UK

Milk Teeth klingen so ein bisschen als hätten Muncie Girls rotzigen Rock für sich entdeckt, als würden Nirvana eine Reunion mit aufpoliertem Sound und impulsiver Sängerin wagen oder als würde Courtney Loves Tochter ihre eigene Grunge-Band gründen – und ihrer Mum mal so richtig zeigen, was in ihr steckt. Und egal aus welchem Blickwinkel man diese Band betrachtet, macht sie vor allem eines: verdammt viel Spaß. In die vier Songs packen die vier Engländer jede Menge Abwechslung – und machen von jeder Seite eine äußerst gute Figur. Ob eingängige Ballade („Hibernate“) oder aufgekratzt rockige Kampfansage („Fight Skirt“), Milk Teeth machen Lust auf mehr – und das gibt es mit einer bald erscheinenden EP zum Glück auch. Wer’s trotzdem nicht erwarten kann, sollte hier zugreifen. (5/8) – Andreas Steiner

Backswing – SOS
Demons Run Amok
Manchmal ist das Ziel einer Band so fies und unangenehm wie möglich zu klingen. Backswing gehen hier mit “SOS“ mit gutem Beispiel voran. Eine extrem fiese female fronted Hardcore Scheibe á la Code Orange, die mit harten Riffs und peitschenden Drums um die Ecke kommt. Dazu gibt es ordentlich angepisste Vocals die nicht nach Fröhlichkeit schreien. “SOS“ ist düster und aggressiv – genau das richtige für die kommenden kalten Tage. (6/8) – Manuel Lohschmidt

Mogwai – Every Country’s Sun
Temporary Residence Limited

Über 20 Jahre Bandschaffen, acht Alben und viele Kollaborationen – unter anderem im Soundtrack-Universum: Mogwai sind eine absolute Institution in Sachen Post-Rock. Während sich Genre-Kollegen gerne in Beliebig- wie Eintönigkeit verlieren, schaffen es die Schotten immer wieder auf den Punkt mitreißende Soundwände zu produzieren, stets im Wandel, aber immer mit hohem Wiedererkennungswert. Auch auf „Every Country’s Sun“ liefert der Vierer nicht nur zuverlässig, sondern wahrscheinlich so gut wie seit der überlebensgroßen „Hardcore Will Never Die, But You Will“ nicht mehr. Bemerkenswert ist sicherlich der mit durchgehenden Gesangspassagen versehene Track „Party In The Dark“ der trotz allem nicht mit der Tradition Mogwais bricht. Das neunte Album ist also auch wieder ein wunderschönes Stück Musik, perfekt zum nebenbei hören, aber eben auch mit viel musikalischer Tiefe, die entdeckt werden will – und genau das haben Mogwai vielen Genre-Mitstreitern schlicht voraus. (6/8) – Sascha Schüler

All Faces Down – Forevermore
Unsigned

Spätestens seit Bilderbuch ist bekannt, dass Österreich abseits allen Schlagers und Volksmusik auch gute Bands zu bieten hat. Aus dem alternativen Bereich ist zumindest bislang allerdings kaum etwas nach Deutschland übergeschwappt – dieser Mission wollen sich nun All Faces Down annehmen. Mit einer tollen Mischung aus Post-Hardcore und Pop-Punk machen sich die Herren dabei ans Werk; ein starker Song jagt den nächsten und kräftige Shouts und sattes Drumming sind dabei ebenso präsent wie Melodien und verspielte Eingängigkeit. Fans von A Day To Remember sollten von „Forevermore“ ebenso begeistert sein wie Anhänger von Flash Forward und Neck Deep. (6/8) – Leonie Wiethaup

Buffalo Go – Cave In
Unsigned

Kaum zu glauben, dass Buffalo Go! mit „Cave In“ gerade erst ihr Debüt feiern. Fünf Songs, allesamt dem modernen, rauen Pop-Punk verschrieben, die klingen, als sei die Band schon längst international etabliert. Flotte Gitarrenriffs, aussagekräftiger Bass, treibende Drums – auf den Punkt und ganz bestimmt nicht 08/15. Vielmehr genau das, was heute gewollt wird, nur eben mit Herz dahinter. Ein bisschen mehr Abwechslung dürfte zwar durchaus sein, aber wenn ein solches Niveau auch auf Albumlänge funktioniert, dann Chapeau! (5/8) – Leonie Wiethaup

Chin Up – Greetings
Unsigned

Cat-Content in den Videos und Star Wars-Anspielungen in den Texten – selbst wenn Chin Up ansonsten der größte Müll wären, könnte man allein dadurch schon nicht umhin, sie direkt ins Herz zu schließen. Welch wunderbares Glück, dass ihre vier Songs umfassende Debüt-EP „Greetings“ obendrein mit so viel mehr aufwarten kann. Zackige Gitarrenriffs, dominanter Bass, eingängiges Drumming und kratzige Lead-Vocals, die von Beginn an eine Hardcore-Vergangenheit vermuten lassen. Das Bonner Quartett wartet mit allem auf, was das (moderne) Pop-Punk-Herz begehrt, und klingt die meiste Zeit doch anders als viele seiner Genre-Kollegen. Hoffentlich sind Chin Up bald mehr als nur ein Geheimtipp, verdient hätten sie es allemal. (6/8) – Leonie Wiethaup

Autor Patrick Siegmann
Wohnort Göttingen
Beruf Doktorand
Dabei seit September 2009
Deine Aufgabe bei Stageload Koordination Reviews, News
Top-Alben Viel zu viele. "Songs To Scream At The Sun" von Have Heart ist aber definitiv eines von den Alben, die mich am meisten geprägt haben.
Die besten Konzerterlebnisse Auf jeden Fall vorne mit dabei: Have Heart, Shipwreck AD, Rise And Fall und AYS in der Roten Flora in Hamburg, Juli 2009

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