Kurzreviews: Oktober ’18

Kurzreviews: Oktober ’18

Boston Manor – Welcome to the Neighborhood
Pure Noise Records

Boston Manor sind sich wahrscheinlich bewusst, dass viele Augen auf ihnen ruhen. Am einfachsten wäre es da freilich, eine konsequente und nochmal generalüberholte Fortsetzung zu „Be Nothing“ zu schreiben. Tatsächlich orientieren sich die Briten mit „Welcome To the Neighbourhood“ aber nochmal kräftig um, klingen langsamer, getragener und überlegter. Vom aufgekratzten Pop-Punk vergangener Tage bleibt unter dem Strich nichts mehr übrig. Zwar geht „Welcome to the Neighbourhood“ runter wie Öl, die Gefahr ist aber gleichzeitig groß, sich allzuschnell satt zu hören, da die 13 Stücke ordentlich auf Eingängigkeit poliert wurden. Daher ist Boston Manors zweites Album leider nur ein kurzweiliges Vergnügen. (4/8) – Joshua Claaßen

Spiritual Cramp – Television
Deranged Records

Spiritual Cramp zählen seit ihrer ersten EP „Mass Hysteria“ zu den widerspenstigsten Bands der Bay Area. Mit Mitgliedern, die allesamt der Hardcore- und Punk-Szene entsprungen sind (All Teeth oder Self Defense Family sind hier zu nennen), zaubert die sechsköpfige Band auf ihrer 12“ „Television“ raubeinigen Post-Punk mit starkem The Clash-Vibe. Klingt erstaunlich britisch dafür, dass die Band aus einem solch sonnenverwöhntem Landstrich kommt. Songstrukturen, die sich nicht so leicht entschlüsseln lassen, dabei aber absolut tanzbar sind, und absolut gewöhnungsbedürftige Vocals, die sich gegen alles auflehnen, was die moderne Gesellschaft zu bieten hat, machen Spiritual Cramp zu einer der interessantesten Bands des Jahres. Sollte man gehört haben. Anspieltipps: 850 Bryant, The Erasure (6/8) – Patrick Siegmann

Ekulu – Ekulu
Self Released (ab 2019 auf Triple B Records)

Ekulu setzen sich aus (ehemaligen) Mitgliedern verschiedener New Yorker und Bostoner Hardcore-Bands zusammen (ua. Glory und Illusion). Die erste EP der Band enthält drei Songs, die sich irgendwo im Dunstkreis der Cro-Mags und Leeway bewegen – klassische New Yorker-Schule mit ein paar Crossover- und Thrash-Anleihen also. Als Referenz sei ihr hier am ehesten „Best Wishes“ von den eben erwähnten Cro-Mags genannt. Für ein erstes Release verdammt starke Songs, die mit zum Besten gehören, was die us-amerikanische Hardcore-Szene neben Diztort, Candy und Mil-Spec in diesem Jahr hervorgebracht hat. Am Mikro ist hier übrigens Chris Wilson (Ex-Countdown), der eine der besten Stimmen für diese Art der Musik hat. Kein Wunder, dass die EP im Frühjahr 2019 als 7″ über Triple B Records (Fury, Freedom) erscheinen soll. Anspieltipp: Melt The Ice (6/8) – Patrick Siegmann

Snail Mail – Lush
Matador Records

Achtung, Schneckenpost – nach Monaten auf allen gaengigen Indie-Radaren bleibt zu „Lush“ jetzt wohl nur noch festzuhalten: die durchgaengig positiven Reaktionen und Rezensionen kann man so unterschreiben. Das Debut des sehr jungen Trios ist – nach all der aufgeregten Erwartungshaltung – angenehm unaufgeregt. Ein meist zurueckhaltendes Schlagzeug und sanft schwurbelnde Gitarren tragen Lindsey Jordans ausdrucksstarke Stimmungswechsel. Mit gar nicht so alten 18 Jahren teilt Jordan mit Julien Baker nicht nur das Label, sondern auch manche Stimmqualitaeten – nur eines der Qualitsmerkmale von „Lush“: ein Debuet mit anhaltender Wirkung und deshalb auch Ende Oktober noch uneingeschraenkt empfehlbar. (6/8) – Enno Küker

City Kids Feel The Beat – Cheeky Heart
Uncle M Music

Poppunk, wie er “American Pie”-iger nicht sein könnte. Man kann sich auf dem Debütalbum der Schwaben von City Kids Feel The Beat fast nicht vor Teenagern, Liebe und der Gleichen schützen. In neuem Gewand präsentiert sich hier die Sorte Punkrock, die von Bands wie Zebrahead oder New Found Glory seit vielen Jahren publiziert wird. Der Fünfer aus Ulm ist dabei aber wirklich auf einem guten Weg, selbst in die Riege solcher Bands vorzustoßen.Kurzweilige Songs zwischen Pop, Punk und sogar für die Freunde des flotteren Sounds sind hier geboten. Eine wirklich gute Produktion, die auch locker aus Kalifornien stammen könnte. (5/8) – Tobi van den Wildmannen

Autor Patrick Siegmann
Wohnort Göttingen
Beruf Doktorand
Dabei seit September 2009
Deine Aufgabe bei Stageload Koordination Reviews, News
Top-Alben Viel zu viele. "Songs To Scream At The Sun" von Have Heart ist aber definitiv eines von den Alben, die mich am meisten geprägt haben.
Die besten Konzerterlebnisse Auf jeden Fall vorne mit dabei: Have Heart, Shipwreck AD, Rise And Fall und AYS in der Roten Flora in Hamburg, Juli 2009

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