Groezrock 2014

Groezrock 2014

Das Groezrock Festival in Belgien ist mittlerweile eine Institution für Punkrock, Alternative und Hardcore-Bands und bietet in Europa einen einzigartigen Musik- und Publikumsmix an zwei Konzerttagen. Einen Großteil des Line-Ups kann man ohne Probleme in den deutschen Metropolen live erleben, doch dank exklusiver Modern Life Is War Reunion war das Groezrock dieses Jahr Pflicht. Ein Festivalbericht.

FREITAG

Da die Wettervorhersagen einen nicht sonderlich auf Sommer, Sonne, Sonnenschein hoffen ließen, wurde die Reise nach Belgien erst am Freitag angetreten. Ein warmes Bett wirkte irgendwie anziehender als die Pre-Party auf dem Zeltplatz und bandtechnisch passte das sowieso ganz gut. Mein Groezrock-Live-Erlebnis begann nämlich erst mit The Wonder Years um 15.40 Uhr auf der Etnies Stage im kleinsten Zelt. Keine Wellenbrecher direkt vor der Bühne sind bei großen Festivals eine Seltenheit – schön, dass das Groezrock zumindest den Bands auf der Etnies Stage die Chance lässt, mit dem Publikum in Berührung zu kommen. Die Fans im vorderen Teil des Zeltes machten davon auch direkt regen Gebrauch. So viele Stagedives hätte ich persönlich nicht bei der Pop Punk Band aus Pennsylvania erwartet. Zwischendurch gab es sogar Circle Pits! Es schien außerdem, als würden Songs des neuesten Albums „The Greatest Generation“ genauso gewürdigt wie die älteren Lieder. Das hat man ja doch eher selten. Auch der Band sagte der Auftritt zu: „Awesome stage, awesome people“ würden Wonder Years Fans wohl unterschreiben.

Wirklich lange konnte dem The Wonder Years Spektakel allerdings nicht gefrönt werden, denn nach einer knappen halben Stunde ging es rüber zu den wichtigeren The Menzingers. Der Time Slot der Menzingers war der Auftakt für so einige Überschneidungen an diesem Freitag. Gefühlt hetzte man von Band zu Band, um irgendwie trotzdem nicht alles zu sehen. Natürlich ein Luxusproblem, aber doch irgendwie ärgerlich. Dazu jedoch später mehr, zurück zu The Menzingers, die auf überraschend große Resonanz auf Seiten der Festivalbesucher stießen. Die US-Band veröffentlichte erst vor knapp zwei Wochen ihre „Rented World“-LP und startete direkt mit dem Opener des Albums. „I Don’t Wanna Be An Asshole Anymore“ war eine gute Wahl, zeigt das Lied doch sofort wofür die Band steht: guten, ehrlichen, tanzbaren Punkrock. Der vordere Teil des Publikums zeichnete sich bereits durch Textsicherheit aus und sang fröhlich mit. Später gab es größtenteils Songs des beliebten Albums „On the Impossible Past“ zu hören. „Casey“, „Good Things“, „The Obituaries“ und Co. kamen natürlich noch einen Tick besser an als der neue Kram. Gerade bei den bekannteren Songs hatte man nicht das Gefühl, die Band auf der größten Bühne des Festivals zu sehen. The Menzingers schafften es mit ein paar sympathischen Ansagen und einer soliden Performance, den räumlichen Abstand zwischen sich und dem Publikum auszublenden.

Nach einer kurzen Pause ging es zurück ins Etnies Zelt – Iron Chic waren angesagt. Extrem ungewohnt, die Punkrock-Band auf einer so großen Bühne zu erleben. Normalerweise spielen die New Yorker ja doch eher in irgendwelchen stickigen besetzten Häusern. Vielleicht macht das tatsächlich auch den Reiz dieser Band aus. Denn es war zwar cool, die Musik besser zu hören als die Leute um einen herum, aber dadurch wurde einem auch erst einmal bewusst, wie desorientiert Sänger Jason Lubrano auf der Bühne wirkt und wie schnell ihm die Stimme ausgeht. Der Stimmung tat das allerdings keinen Abbruch, es wurde fleißig mitgegröhlt und ausgerastet zur gewohnten Setlist aus „Time Keeps on Slipping […]“, „In One Ear“ und Konsorten. Für mich trotzdem ein recht schwacher Auftritt.

Eine Band, die die großen Bühnen mittlerweile lebt, ist Boysetsfire. Die sympathische Post-Hardcore-Band macht einfach genau die Rock-Musik, die beim durchmischten Groezrock-Publikum gut ankommt. Leider hatten Nathan Gray & Co. schon längst angefangen, als Iron Chic endeten und selbst dann war es kein sonderlich langes Vergnügen, denn nach einer knappen Viertelstunde „Ach, die Band geht einfach immer“-Gedanken am Rande des Zelts sollte es schon wieder rübergehen zur Etnies Stage und La Dispute. Eine extrem falsche Entscheidung, wie sich herausstellen sollte. Mit der Hoffnung, dass mich die letzten beiden Alben live mehr überzeugen als auf Platte wollte ich mir die gehypte Band aus Michigan noch einmal ansehen. Natürlich war das Zelt brechend voll und die Fanbase in der Mitte rastete ordentlich aus. Meine persönliche Einschätzung lässt sich allerdings als „lahm und langweilig“ zusammenfassen. Sänger Jordan Dreyer machte zwar eine ordentliche Show, als er sich die Seele aus dem Leib tanzt und schreit, aber er wirkte stimmlich nicht sonderlich fit. Und wenn einen dann auch nur die „Somewhere At The Bottom […]“ mitreißt, hatte man bei der aktuellen Setlist keinen Spaß. Schade.

Lange Zeit zum Trauern und Bedauern blieb nicht, es ging kurz darauf weiter mit Paint It Black. Die Hardcore-Instanz tourt äußerst selten und so war bei der ersten Europashow seit Jahren Bewegung vor der Bühne vorprogrammiert. Leider war das Zelt ansonsten recht leer. Die Groezrock-Besucher tummelten sich wohl lieber bei Alkaline Trio und Ignite. Hier hatte ich aber nun die richtige Bühnen-Entscheidung getroffen: es war einfach erfrischend, mal wieder eine Hardcore-Band zu sehen, die auf der Bühne komplett ausrastet und auch gern die ein oder andere politische Aussage tätigt. Aussagen wie „Wie viele Frauen spielen eigentlich hier auf dem Festival?“ regen halt dann doch mehr zum Nachdenken an als das ständige „Thanks for being here“. Und Songs wie „Memorial Day“ reißen halt auch mit, wenn man selbst mit Paint It Black vielleicht nicht so viel verbindet.

So sehr Paint It Black überzeugten, so extrem schlecht waren Taking Back Sunday. Von der Alternative Rockband würde ich wohl kein Konzert mehr besuchen, aber für ein Teenie-Revival ist das doch die ideale Musikauswahl. Dachte ich. Was Adam Lazzarra da allerdings beim Groezrock fabriziert hat, war absolut und zweifellos grausam. Es kann nicht einmal dem schlechten Sound geschuldet sein, den gab es bei der Impericon Stage nämlich erst in den hinteren Rängen. Es war einzig und allein seine Stimme. Hat er eigentlich überhaupt irgendeinen Ton, irgendeine Melodie getroffen? Nachdem mir „Timberwolves at New Jersey” und „Liar” wohl für immer versaut wurden, verließ ich empört das Zelt. Keine Ahnung, wie der Druffie-Typ jemals „Live From Orensanz“ aufnehmen konnte. Ein kurzer Abstecher zu H20 war ebenfalls erfolglos, die Etnies Stage platzte aus allen Nähten und da widmete man sich dann doch lieber dem Wrap vom „Just Like Your Mom“-Catering (nur zu empfehlen).

Mit Brand New gab es dann auch die letzte Band des Tages zu bestaunen. Nach dem tollen Auftritt im Berliner Bi Nuu erwartete ich ein Fest und das gab es auch. Die Band musste ihre Standard 100-Minuten-Setlist auf eine Stunde runterkürzen, was dazu führte, dass u.a. „Jesus Christ“ gestrichen wurde. Leider wurde immer noch die überzogen lange Version von „You won’t know“ als Abschluss gespielt. Da hätte man doch lieber noch ein, zwei andere Lieder anreißen können… das aber auch als einzige Kritik. Brand New wissen einfach, mitzureißen und konnten problemlos die Main Stage einnehmen. Respekt dafür. NOFX konnten das danach vermutlich auch, aber das habe ich dann mal den Punks vor Ort überlassen.

SAMSTAG

Die Festivalnacht war fürchterlich, bei vielleicht vier Grad mit Wind ist es im klammen Zelt schließlich nicht gerade angenehm. Zum Glück kam morgens etwas die Sonne raus, sodass das Wetter zwar immer noch schlecht, aber doch (zunächst) deutlich besser war als am Freitag. Auf dem Campingplatz bot sich ein Bild der Verwüstung. Nicht mal wegen irgendwelcher Festivaleskapaden – es war erstaunlich ruhig –, sondern wegen des Abfalls, der sich über die Tage ansammelte. In Sachen Müllpfand könnte sich das Groezrock noch einiges von deutschen „grünen“ Festivals wie dem Hurricane abschauen. So’n paar gratis Mülltüten für jeden Besucher sowie ein kleiner Obolus für zurückgebrachten Müll können augenscheinlich Wunder bewirken. Auch das Festivalgelände sah wegen der vielen lieblos heruntergeschmissenen Plastikbecher schon Freitag Mittag bescheiden aus, hier wäre Pfand ebenfalls eine elegantere Lösung gewesen.

Der Samstag bot Timetabletechnisch weniger Überschneidungen und auch prinzipiell weniger Bands, die gesehen werden mussten. Dafür war halt Modern Life Is War Tag, was wohl nicht nur mich den ganzen Tag wach hielt. Gestartet wurde aber erst einmal direkt mittags mit Drug Church, die etwas überdimensioniert auf der Impericon Stage spielen durften. Glücklicherweise füllte sich das Zelt trotz der frühen Zeit und relativen Unbekanntheit der Band. Drug Church veröffentlichten letztes Jahr ihre Debüt-LP „Paul Walker“ über No Sleep Records. Ihre Musik zählt dank des prägnanten Sprechgesangs von Self Defense Family Frontmann Patrick Kindlon nicht unbedingt zum Groezrock-Standardrepertoire, umso erfreulicher sie in diesem Rahmen live erleben zu können. Es war nicht nur ein durchaus überzeugender Auftritt, sondern auch ziemlich lustig. (Live-Comedian) Kindlon machte sich über den „Ego-Booster“ für Frontmänner auf der Bühne lustig (s. Foto), reduzierte seine Songs auf die Kernaussage („This is a song about people stealing your shit for drugs“) und disste die Menschen im Publikum, die einfach nicht verstehen wollten, dass „violent dancing“ und Drug Church nicht zusammenpassen. Die dämlichen Sidewalks und Hau-Drauf-Moves hörten allerdings leider nicht auf. The perks of being at Groezrock.

Nach Drug Church war dann erst einmal genug Zeit zum Sachen packen, die Bands gaben einfach nicht genug her. Dadurch dann aber doch einen Großteil von den Doomriders verpasst (dank Impericon-Bühnen-Sound gab es hinten eh nur Soundbrei) und dann ging es zu den ewig tourenden Touché Amoré. Unfassbar, dass es überhaupt noch Leute gibt, die sagen können „Och, Touché Amoré würde ich mir auch mal ansehen“. An denen kommt man doch gar nicht vorbei! Trotzdem, das muss man ihnen lassen, schaffen sie es auch nach x Malen noch zu begeistern. Die Menge rastete gepflegt aus vor der Etnies Stage. Sänger Jeremy Bolm hat einfach eine Energie, die bis in die hinteren Reihen mitreißt und die Setlists sind stets ein wunderbar abgestimmter Mix aus den besten Songs. Komisch nur, dass er beim Groezrock so gut wie nichts gesagt hat. Außer den obligatorischen „last two songs“ und „thank you for coming“ kam da nicht viel. Laut Twitter war er aber ziemlich begeistert: „Thank you Groezrock for the memory of a lifetime.” DAS hätte ich jetzt nicht erwartet.

Nach kurzem Beobachten der Menge bei den Cro-Mags – welch anderes Publikum einem dann doch auf einmal begegnet – war dann auch schon Zeit für Modern Life Is War. Und was soll man dazu groß sagen? Es war schon vorher klar, dass dieser Auftritt absolut legendär wird. Eigentlich sogar egal, wie die Band spielt. Schließlich warten wir Europäer allein ein Jahr seit Bekanntgabe der Reunion auf diese Show. Dementsprechend voll war es vor der Bühne, dementsprechend textsicher war die begeisterte Menge. Die Stagedives starteten mit dem ersten Ton von „The Outsiders“ und hörten nicht mehr auf, bis am Schluss bei „D.E.A.D.R.A.M.O.N.E.S.“ alle aufeinander lagen. MLIW spielten größtenteils die Hits der „Witness“ und verzichteten darauf, groß die neue Platte zu promoten. Wohl eine gute Entscheidung bei der begrenzten Zeit für die Comeback-Show, denn es sind ja doch die alten Songs, die man immer und immer wieder gehört hat. „Brothers in Arms Forever“ und „Chasing My Tail“ wurden allerdings genauso gut aufgenommen wie der Rest der Lieder. Es gab einfach keinen Stillstand, keine Stille im Publikum. Die 50 Minuten gingen viel zu schnell rum und das sogar, obwohl wegen des ultra staubigen Bodens das Atmen immer schwerer viel. Jeffrey Eaton und seine Jungs von Modern Life Is War machten an diesem Samstagabend in Meerhout so einige Menschen glücklich. Und ich war einer davon.

Nach dem Auftritt konnte es nur noch schlechter werden und so ging es für das zweite Teenie-Revival zu New Found Glory. Die Band feierte sich durchweg selbst, komischerweise feierten auch noch ziemlich viele andere Menschen diese Band und sangen begeistert mit bei „My Friend’s Over You“ und Co. Mehr gibt’s auch nicht dazu zu sagen. Achso, doch: das „Kiss Me“-Cover schaffte es leider nicht auf die Setlist.

Um nach NFG noch zwei Stunden auf The Offspring zu warten, war es einfach zu kalt und ich verabschiedete mich vom Groezrock. Mit Modern Life Is War hatte mein persönlicher Headliner eh schon gespielt.

Festival allgemein: Das Groezrock konnte mich nie mit seinem Lineup überzeugen, daher kann ich hier keine Vergleiche anbringen à la „Früher war alles besser“. Für ein mittlerweile so etabliertes Festival empfand ich die Müllpolitik allerdings als stark rückständig und mich persönlich störte das Bon-System für Essen und Getränke. Klar, der Veranstalter möchte, dass man den Überblick über seine Ausgaben verliert und kann so einfacher abrechnen. Wenn ich mein Geld dank der vielen Taschen- und Zeltdiebe aber sowieso die ganze Zeit bei mir rumtrage, würde ich das lieber direkt ausgeben als gegen Wertmarken zu tauschen.

Dafür war die Organisation des Zeltplatzes gut: statt den kompletten Platz freizugeben, wurden immer nur kleine Teile erlaubt. Das war zwar beim großen Andrang am Anfang nervig, führte aber dazu, dass man Freitag Mittag noch ganz entspannt einen Campingplatz für mehrere Zelte fand und sich nicht irgendwo eine kleine Lücke suchen musste.

– Bericht von Ines Kirchner, Fotos von Jannik Holdt –

“ mitreißt, hatte man bei der aktuellen Setlist keinen Spaß. Schade.Lange Zeit zum Trauern und Bedauern blieb nicht, es ging kurz darauf weiter mit Paint It Black. Die Hardcore-Instanz tourt äußerst selten und so war bei der ersten Europashow seit Jahren Bewegung vor der Bühne vorprogrammiert. Leider war das Zelt ansonsten recht leer. Die Groezrock-Besucher tummelten sich wohl lieber bei Alkaline Trio und Ignite. Hier hatte ich aber nun die richtige Bühnen-Entscheidung getroffen: es war einfach erfrischend, mal wieder eine Hardcore-Band zu sehen, die auf der Bühne komplett ausrastet und auch gern die ein oder andere politische Aussage tätigt. Aussagen wie „Wie viele Frauen spielen eigentlich hier auf dem Festival?“ regen halt dann doch mehr zum Nachdenken an als das ständige „Thanks for being here“. Und Songs wie „Memorial Day“ reißen halt auch mit, wenn man selbst mit Paint It Black vielleicht nicht so viel verbindet.So sehr Paint It Black überzeugten, so extrem schlecht waren Taking Back Sunday. Von der Alternative Rockband würde ich wohl kein Konzert mehr besuchen, aber für ein Teenie-Revival ist das doch die ideale Musikauswahl. Dachte ich. Was Adam Lazzarra da allerdings beim Groezrock fabriziert hat, war absolut und zweifellos grausam. Es kann nicht einmal dem schlechten Sound geschuldet sein, den gab es bei der Impericon Stage nämlich erst in den hinteren Rängen. Es war einzig und allein seine Stimme. Hat er eigentlich überhaupt irgendeinen Ton, irgendeine Melodie getroffen? Nachdem mir „Timberwolves at New Jersey” und „Liar” wohl für immer versaut wurden, verließ ich empört das Zelt. Keine Ahnung, wie der Druffie-Typ jemals „Live From Orensanz“ aufnehmen konnte. Ein kurzer Abstecher zu H20 war ebenfalls erfolglos, die Etnies Stage platzte aus allen Nähten und da widmete man sich dann doch lieber dem Wrap vom „Just Like Your Mom“-Catering (nur zu empfehlen).http://www.stageload.org/wp-content/fotos/gr14/img_7417.jpgMit Brand New gab es dann auch die letzte Band des Tages zu bestaunen. Nach dem tollen Auftritt im Berliner Bi Nuu erwartete ich ein Fest und das gab es auch. Die Band musste ihre Standard 100-Minuten-Setlist auf eine Stunde runterkürzen, was dazu führte, dass u.a. „Jesus Christ“ gestrichen wurde. Leider wurde immer noch die überzogen lange Version von „You won’t know“ als Abschluss gespielt. Da hätte man doch lieber noch ein, zwei andere Lieder anreißen können… das aber auch als einzige Kritik. Brand New wissen einfach, mitzureißen und konnten problemlos die Main Stage einnehmen. Respekt dafür. NOFX konnten das danach vermutlich auch, aber das habe ich dann mal den Punks vor Ort überlassen.SAMSTAGhttp://www.stageload.org/cms/wp-content/uploads/2014/05/camping-220x124.jpgDie Festivalnacht war fürchterlich, bei vielleicht vier Grad mit Wind ist es im klammen Zelt schließlich nicht gerade angenehm. Zum Glück kam morgens etwas die Sonne raus, sodass das Wetter zwar immer noch schlecht, aber doch (zunächst) deutlich besser war als am Freitag. Auf dem Campingplatz bot sich ein Bild der Verwüstung. Nicht mal wegen irgendwelcher Festivaleskapaden – es war erstaunlich ruhig –, sondern wegen des Abfalls, der sich über die Tage ansammelte. In Sachen Müllpfand könnte sich das Groezrock noch einiges von deutschen „grünen“ Festivals wie dem Hurricane abschauen. So’n paar gratis Mülltüten für jeden Besucher sowie ein kleiner Obolus für zurückgebrachten Müll können augenscheinlich Wunder bewirken. Auch das Festivalgelände sah wegen der vielen lieblos heruntergeschmissenen Plastikbecher schon Freitag Mittag bescheiden aus, hier wäre Pfand ebenfalls eine elegantere Lösung gewesen.http://www.stageload.org/cms/wp-content/uploads/2014/05/drugchurch-137x220.jpgDer Samstag bot Timetabletechnisch weniger Überschneidungen und auch prinzipiell weniger Bands, die gesehen werden mussten. Dafür war halt Modern Life Is War Tag, was wohl nicht nur mich den ganzen Tag wach hielt. Gestartet wurde aber erst einmal direkt mittags mit Drug Church, die etwas überdimensioniert auf der Impericon Stage spielen durften. Glücklicherweise füllte sich das Zelt trotz der frühen Zeit und relativen Unbekanntheit der Band. Drug Church veröffentlichten letztes Jahr ihre Debüt-LP „Paul Walker“ über No Sleep Records. Ihre Musik zählt dank des prägnanten Sprechgesangs von Self Defense Family Frontmann Patrick Kindlon nicht unbedingt zum Groezrock-Standardrepertoire, umso erfreulicher sie in diesem Rahmen live erleben zu können. Es war nicht nur ein durchaus überzeugender Auftritt, sondern auch ziemlich lustig. (Live-Comedian) Kindlon machte sich über den „Ego-Booster“ für Frontmänner auf der Bühne lustig (s. Foto), reduzierte seine Songs auf die Kernaussage („This is a song about people stealing your shit for drugs“) und disste die Menschen im Publikum, die einfach nicht verstehen wollten, dass „violent dancing“ und Drug Church nicht zusammenpassen. Die dämlichen Sidewalks und Hau-Drauf-Moves hörten allerdings leider nicht auf. The perks of being at Groezrock.http://www.stageload.org/wp-content/fotos/gr14/img_7551.jpgNach Drug Church war dann erst einmal genug Zeit zum Sachen packen, die Bands gaben einfach nicht genug her. Dadurch dann aber doch einen Großteil von den Doomriders verpasst (dank Impericon-Bühnen-Sound gab es hinten eh nur Soundbrei) und dann ging es zu den ewig tourenden Touché Amoré. Unfassbar, dass es überhaupt noch Leute gibt, die sagen können „Och, Touché Amoré würde ich mir auch mal ansehen“. An denen kommt man doch gar nicht vorbei! Trotzdem, das muss man ihnen lassen, schaffen sie es auch nach x Malen noch zu begeistern. Die Menge rastete gepflegt aus vor der Etnies Stage. Sänger Jeremy Bolm hat einfach eine Energie, die bis in die hinteren Reihen mitreißt und die Setlists sind stets ein wunderbar abgestimmter Mix aus den besten Songs. Komisch nur, dass er beim Groezrock so gut wie nichts gesagt hat. Außer den obligatorischen „last two songs“ und „thank you for coming“ kam da nicht viel. Laut Twitter war er aber ziemlich begeistert: „Thank you Groezrock for the memory of a lifetime.” DAS hätte ich jetzt nicht erwartet.Nach kurzem Beobachten der Menge bei den Cro-Mags – welch anderes Publikum einem dann doch auf einmal begegnet – war dann auch schon Zeit für Modern Life Is War. Und was soll man dazu groß sagen? Es war schon vorher klar, dass dieser Auftritt absolut legendär wird. Eigentlich sogar egal, wie die Band spielt. Schließlich warten wir Europäer allein ein Jahr seit Bekanntgabe der Reunion auf diese Show. Dementsprechend voll war es vor der Bühne, dementsprechend textsicher war die begeisterte Menge. Die Stagedives starteten mit dem ersten Ton von „The Outsiders“ und hörten nicht mehr auf, bis am Schluss bei „D.E.A.D.R.A.M.O.N.E.S.“ alle aufeinander lagen. MLIW spielten größtenteils die Hits der „Witness“ und verzichteten darauf, groß die neue Platte zu promoten. Wohl eine gute Entscheidung bei der begrenzten Zeit für die Comeback-Show, denn es sind ja doch die alten Songs, die man immer und immer wieder gehört hat. „Brothers in Arms Forever“ und „Chasing My Tail“ wurden allerdings genauso gut aufgenommen wie der Rest der Lieder. Es gab einfach keinen Stillstand, keine Stille im Publikum. Die 50 Minuten gingen viel zu schnell rum und das sogar, obwohl wegen des ultra staubigen Bodens das Atmen immer schwerer viel. Jeffrey Eaton und seine Jungs von Modern Life Is War machten an diesem Samstagabend in Meerhout so einige Menschen glücklich. Und ich war einer davon.Nach dem Auftritt konnte es nur noch schlechter werden und so ging es für das zweite Teenie-Revival zu New Found Glory. Die Band feierte sich durchweg selbst, komischerweise feierten auch noch ziemlich viele andere Menschen diese Band und sangen begeistert mit bei „My Friend’s Over You“ und Co. Mehr gibt’s auch nicht dazu zu sagen. Achso, doch: das „Kiss Me“-Cover schaffte es leider nicht auf die Setlist.Um nach NFG noch zwei Stunden auf The Offspring zu warten, war es einfach zu kalt und ich verabschiedete mich vom Groezrock. Mit Modern Life Is War hatte mein persönlicher Headliner eh schon gespielt.Festival allgemein: Das Groezrock konnte mich nie mit seinem Lineup überzeugen, daher kann ich hier keine Vergleiche anbringen à la „Früher war alles besser“. Für ein mittlerweile so etabliertes Festival empfand ich die Müllpolitik allerdings als stark rückständig und mich persönlich störte das Bon-System für Essen und Getränke. Klar, der Veranstalter möchte, dass man den Überblick über seine Ausgaben verliert und kann so einfacher abrechnen. Wenn ich mein Geld dank der vielen Taschen- und Zeltdiebe aber sowieso die ganze Zeit bei mir rumtrage, würde ich das lieber direkt ausgeben als gegen Wertmarken zu tauschen.Dafür war die Organisation des Zeltplatzes gut: statt den kompletten Platz freizugeben, wurden immer nur kleine Teile erlaubt. Das war zwar beim großen Andrang am Anfang nervig, führte aber dazu, dass man Freitag Mittag noch ganz entspannt einen Campingplatz für mehrere Zelte fand und sich nicht irgendwo eine kleine Lücke suchen musste.- Bericht von Ines Kirchner, Fotos von Jannik Holdt -
Autor Ines Kirchner
Wohnort Berlin
Beruf Project Manager
Dabei seit Juli 2009
Deine Aufgabe bei Stageload Akkreditierungen, Organisatorisches, Reviews
Top-Alben u.a. Gallows - Grey Britain, Bon Iver - Bon Iver, The National - Trouble Will Find Me, Touché Amoré - Parting the sea...
Die besten Konzerterlebnisse u.a. Have Heart (2009, Köln), Gallows (2010, London), Basement (2012, London), Iron Chic, Ceremony, Trash Talk, Rise & Fall, Touché Amoré (divers)

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